Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
46.174 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »Eule«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
 Sonstiges: Fazit zur Ozeanien-Serie der Abrafaxe
Im April des vergangenen Jahres veröffentlichten wir hier unsere Meinung zur Hanse-Serie des Mosaiks, unseren damaligen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Die Serie wurde damals von einigen Fans durchaus kritisch gesehen, zumindest soweit sich das von uns aus beobachten ließ. Ähnliches traf auf die vorausgegangene Luther-Reihe zu. Wir sahen das ganz anders, beide Reihen wussten uns zu gefallen.

In Anschluß an das Hanse-Abenteuer waren die Abrafaxe im Pazifischen Ozean am Ende des neunzehnten Jahrhunders gelandet. Die »Ozeanien-Serie« umfasste insgesamt achzehn Hefte und ist vor einigen Tagen mit dem September-Heft zu Ende gegangen. Leider muss man sagen: So gut wir die beiden vorherigen Reihen auch fanden, können wir dieses Mal leider kein positives Fazit ziehen. Schon die 1988er Reihe, in der es die Abrafaxe in einer ähnlichen Region der Welt - und ebenfalls auf Inseln - mit den Orang Laut zu tun bekommen hatten, gehörte unserer Meinung nach zu den schwächeren Abschnitten der Abrafaxe-Geschichte, der neuerliche Ausflug auf die (von uns aus gesehen) Rückseite des Globus war noch einmal eine ganze Spur schlechter. Achtung: Hier folgt der ein oder andere Spoiler.

Dieses Mal waren die Abrafaxe weder auf Schatzsuche, noch waren sie an der Befreiung eines Volkes beteiligt, noch vollbrachten sie ähnlich weltbewegende Taten. Stattdessen spielten sie dieses Mal den Babysitter für einen kleinen Jungen, der als blinder Passagier auf einem Schiff - einem Schoner namens »Heiderose« - ertappt wird. Sie treffen den Beschluss, ihn auf seine (mutmaßliche) Heimatinsel zu bringen, damit er wieder bei seinen Eltern ist. Natürlich wird aus diesem Plan eine Odyssee, die sie von Insel zu Insel führt. Dort gibt es allerhand (kurze) Abenteuer zu bestreiten, das Trio wird voneinander getrennt, und man lernt nebenbei allerhand über die Kolonialisierungsbestrebungen, die das damalige Deutsche Reich im Pazifikraum unternahm.

Schlussendlich stellte die Pazifik-Reihe ein ganzes Sammelsurium an Problem daren. Das größte Ärgernis trug dabei den Namen Pitipak. Natürlich muss man in einem Comic nicht zwingend jedes Kind als Gottesgeschenk beschreiben, das in jeder Hinsicht perfekt ist, doch mit Pitipak haben die Macher des Magazins eine Figur erschaffen, die eigentlich nur anstrengend ist. Womöglich sollte hier eine Identifikationsfigur für die jüngsten Mosaik-Leser geschaffen werden, aber selbst bei diesen ist nur schwer vorstellbar, dass sie große Sympathien für den ignoranten, so gut wie nie zuhörenden und immer wieder auf planlose Extratouren gehenden Jungen entwickeln. Im Vergleich zu Pitipak hat man anderen anstrengenden Begleitern wie Wido Wexelgelt einst womöglich Unrecht getan, als man sie harsch kritisierte.

Pitipaks Beteiligung führte zu einer Reihe erzählerischer Bankrotterklärungen. In gefühlt jedem zweiten Heft (womöglich sogar noch häufiger) ließ man Pitipak weglaufen, für Ärger sorgen, und anschließend galt es den Ärger wieder zu kitten. Niemals brachte dies die eigentliche Kernstoryline voran, vielmehr wirkte es von Mal zu Mal so, als hätten die Macher der Geschichte selbst gemerkt, dass sie zu wenig Material für anderthalb Jahre parat hatten, so dass man die Reihe durch Pitipaks Ausflüge immer wieder aufs Neue strecken musste. Wenn seine Extratouren wenigstens irgendwie amüsant gewesen wären, oder ernsthaft gefährlich, so dass Spannung aufgekommen wäre ... aber nichts da, Pustekuchen, von Spannung keine Spur.

Dass Spannung fehlte, lag unter anderem auch daran, dass es keinen richtigen Haupt-Gegenspieler gab, der sich den Abrafaxen in den Weg stellte. Eigentlich gab es - abgesehen vom störenden Fixpunkt Pitipak - eigentlich nahezu keine personelle Konstante. Figuren kamen, Figuren gingen, mal für ein Heft, mal für zwei oder drei, aber kaum ließ sich erkennen, dass hier Potenzial für etwas Spannenderes verborgen wäre, wurde der Teil-Storystrang auch gleich wieder in den Papierkorb geworfen, und man reiste weiter. Und so austauschbar, wie die Nebenfiguren dadurch wirkten, war letztlich auch die Szenerie: Ein Atoll sah wie das andere aus, eine Insel wie die andere, und da die Namen für das hiesige Ohr zu abstrakt wirken, fehlte auch ein namentlicher Wiedererkennungswert. So waberte die Geschichte unaufgeregt und uninspiriert dahin, und der Leser wurde gelangweilt von Insel Name-vergessen zu Insel Name-auch-vergessen gespült. So wirkte es geradezu passend, dass es bei der Wiedervereinigung von Califax mit seinen Freunden nach monatelanger Trennung keinen Moment riesiger Freude zu erleben gab, sondern ein in Panel gegossenes Achselzucken.

Was zu alledem noch hinzukam: Da die Abrafaxe Reisende durch die Zeit sind, wäre es natürlich vermessen, eine Story zu erwarten, die sich gänzlich am Realistischen entlanghangelt. In der Vergangenheit war es aber so, dass die Episoden zwischen den Zeitsprüngen immer nah an der Wirklichkeit gestrickt waren. Hier hingegen wurde mit allen Arten von Tieren gesprochen, als sei Pitipak Harry Potter, es wurde auf Walen geritten, auf Delfinen, und wiederholt wurde dies auch aus dem Ärmel geschüttelt, wenn mal wieder eine Deus ex Machina nötig war. Sorry, aber das passt einfach nicht zu den Abrafaxen.

Tut uns leid, dies schreiben zu müssen, liebe Mosaik-Macher, aber diese Reihe war einfach nur lausig. Dann lieber mit den Abrafaxen zum wiederholten Mal durch eine Weltregion reisen, die man schon aus anderen Serien kennt, und etwas Ausgefeilteres, Anspruchsvolleres und mit einem richtigen Spannungsbogen Beseeltes erzählen. Oder mal länger an einem Platz verharren. Das Gute ist: Eigentlich kann es nun nur aufwärts gehen, und zum Glück hat man beim Mosaik in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass man in der Lage ist, das Ruder wieder herumzureißen. Hoffen wir also, dass es auch dieses Mal wieder gelingt.


Wie fandet ihr die Ozeanien-Reihe des Mosaiks?
1
 
 142 (30,9%)
Schulnote 5
2
 
 137 (29,8%)
Schulnote 6
3
 
 93 (20,2%)
Schulnote 4
4
 
 40 (8,7%)
Schulnote 3
5
 
 31 (6,7%)
Schulnote 1
6
 
 17 (3,7%)
Schulnote 2
An der Umfrage haben 460 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz