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  Shortlist für den Deutschen Buchpreis des Jahres 2020
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Am Vorabend der Frankfurter Buchmesse, also am 12. Oktober, wird auch in diesem Jahr die Verleihung des Deutschen Buchpreises stattfinden. Der Gewinn des renommierten Preises ist mit 25.000 Euro dotiert, die anderen Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. 2019 ging der Preis an Sasa Stanisic für das Buch »Herkunft«, woraufhin das Buch auf den ersten Rang der Spiegel-Bestsellerliste hochschoss.

Aus den anfänglich 187 eingereichten und neunzehn durch die Juroren nachnominierten Titeln, die in diesem Jahr zur Debatte standen, war zwischenzeitlich eine zwanzig Bücher umfassende Longlist erarbeitet worden, die nun auf eine sechs Titel umfassende Shortlist eingedampft wurde. Erwartungsgemäß haben nur die wenigsten der übriggebliebenen Bücher Berührungspunkte zu den stark frequentierten Bücherblogs, und auch bei uns wurden die Werke bis dato kaum angeklickt. Das ist wohlgemerkt sowohl gegenüber den Büchern selbst als auch gegenüber den Bloggern und unseren Besuchern eine vollkommen wertfreie Feststellung - wie sehr die Maßstäbe und Interessen in der Welt der Bücher auseinandergehen, ist immer wieder faszinierend. Die sieben Literaturexperten, die die endgültige Wahl über die Preisträgerin oder den Preisträger treffen werden, werden zwischen den folgenden sechs Büchern entscheiden:

• »Annette, ein Heldinnenepos« von Anne Weber aus dem Matthes & Seitz Verlag, in dem das Leben der im Oktober 1923 in der Bretagne geborenen französischen Neurophysiologin Anne Beaumanoir als ein biografischer Heldinnenepos nachgezeichnet wird und der Frage nachgegangen wird, was einen Menschen in den Widerstand treibt, was er dafür opfern muss und wie weit er dabei gehen darf. Das Buch ist 177 Seiten stark und kostet 22 Euro, für sechs Euro weniger kann man es im E-Book-Format bekommen.

• »Aus der Zuckerfabrik« von Dorothee Elmiger aus dem Carl Hanser Verlag, in dem die Autorin den Spuren des Geldes, der Gier und denen des Verlangens durch die Zeit und die Welt folgt, zahlreiche Biografien entwirft und verknüpft und anhand von Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen einen Blick auf die Komplexität der Welt offenbart. Das Ganze hat einen Umfang von 272 Seiten und kann für 23 Euro erworben werden, die Digitalausgabe kostet 16,99 Euro.

• »Die Dame mit der bemalten Hand« von Christine Wunnicke aus dem Berenberg Verlag, in dem der aus dem Bremischen stammende Carsten Niebuhr ebenso im Bombay des Jahres 1764 strandet wie ein persischer Astrolabienbauer, der nach Mekka gehen wollte. Die beiden müssen die Tage bis zur ihrer Rettung gemeinsam verbringen und werden sich dabei öst-westlich missverstehen und über Sternbilder streiten. »Die Dame mit der bemalten Hand« kostet 22 Euro und ist 144 Seiten lang. Die E-Book-Version ist für 16,99 Euro zu bekommen.

• »Herzfaden« von Thomas Hettche aus dem Verlag Kiepenheuer & Witsch, in dem ein Blick in die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und ihrer Erschaffer, der Familie Öhmichen, geworfen wird. Hettche setzt dabei im Zweiten Weltkrieg an, als Schauspieler Walter Oehmichen in der Gefangenschaft einen Puppenspieler kennenlernt, er berichtet von der Kraft der Fantasie in düsteren Zeiten und von der Wiedergeburt des Theaters. Unserer Userin lielo99 gefiel das Buch »ausgesprochen gut« und sie gab ihm die volle Punktzahl. »Herzfaden« ist 288 Seiten lang und kostet 24 Euro, für die Digitalversion fallen vier Euro weniger an.

• »Serpentinen« von Bov Bjerg aus dem Claassen Verlag, in dem ein Vater gemeinsam mit seinem Sohn an den Ort seiner Kindheit zurückreist und damit an den Ort, an dem sich alle männlichen Familienmitglieder nach und nach das Leben genommen hatten. Dort erkennt der Vater, dass ihm weder sein Wegzug noch seine Bildung wesentlich weitergebracht haben, und dass die Dämonen der Vergangenheit nach wie vor bekämpft werden müssen. Das im Januar veröffentlichte Buch, das einen Umfang von 272 Seiten hat, ist der »älteste« Vertreter auf der Liste. Es kostet 22 Euro, für drei Euro weniger kann man es als E-Book bekommen.

• »Streulicht« von Deniz Ohde aus dem Suhrkamp Verlag, dessen Ich-Erzählerin aus einem industriell geprägten Gebiet stammt und anlässlich einer Hochzeit zurückkehrt. Hier spürt sie beim Betreten der alten Wege ihren Erinnerungen an ihre Familie, ihrem Schulabbruch und den Sollbruchstellen in ihrem Leben nach sowie den Unterschieden, die in der Gesellschaft existieren. »Streulicht« ist 284 Seiten stark und hat einen Preis von 22 Euro, für drei Euro weniger ist es in digitaler Form zu bekommen.


KOMMENTARE ZU DEN ERWÄHNTEN BÜCHERN
Kommentar zu Herzfaden vom 14.09.2020 16:07:
» Mit „Herzfaden“ schrieb Thomas Hettche ein Buch über Marionetten, die etliche Generationen zum Lachen und Weinen brachten. Es ist die Geschichte der „Augsburger Puppenkiste“ und deren Gründer, der Familie Öhmichen. Alles begann während des Zweiten Weltkrieges und selbst als die erste Bühne mit ihren Figuren während einer Bombennacht verbrannte, ließen sich die Beteiligten nicht beirren. Sie schnitzten und werkelten neue Figuren, die ihre Geschichten erzählten. Und das war auch gut so. Besonders nach dem Krieg suchten Menschen nach Trost und Zerstreuung. Und als dann das Fernsehen an die Familie herantrat, konnten viele Kinder an jedem Sonntag ihre Freunde von der Puppenkiste sehen. Als ich meinem Mann erzählte, was ich gerade lese, sprudelte es aus ihm heraus. Sämtliche Figuren nannte er und ich war erstaunt. Wer mit über 60 noch genau weiß, wie die Figuren seiner Lieblingssendung hießen, der hat gute Filme …« [vollständige Rezension anzeigen]
– geschrieben von lielo99
Kommentar zu Herkunft vom 09.01.2020 14:56:
» Saša Stanišić befasst sich in seinem Roman „Herkunft“ mit seiner eigenen Biografie und er macht es auf eine ungewöhnliche Art, denn es ist ein Sammelsurium von Momentaufnahmen. Ich glaube, wenn man jung ist, denkt man nicht so viel über seine Herkunft nach. Mir ist es jedenfalls so ergangen. In meinen Erinnerungen gibt e auch eine Menge solcher Momentaufnahmen, die ich aber nicht zusammenbringen kann, denn es gibt niemanden mehr, den ich fragen kann. Doch sind diese wirren Erinnerungen ein Teil meiner Biographie. Aber ich könnte das nicht so beschreiben, wie es Saša Stanišić geschafft hat: einfallsreich, wortgewaltig, sogar etwas poetisch. Der Autor schreibt manchmal witzig oder ironisch, ein anderes Mal traurig und melancholisch. Erinnerungen können täuschen und die Wahrheit verschleiern. Allerdings haben mich die Sprünge auch schon mal in meinem Lesefluss gehemmt. Der Autor ist mit seinen Eltern aus Bosnien geflüchtet und …« [vollständige Rezension anzeigen]
– geschrieben von buecherwurm1310
Kommentar zu Herkunft vom 30.10.2019 14:37:
» Zum Inhalt: Eigentlich fällt es mir schwer etwas zum Inhalt zu schreiben. Nennen wir es am besten eine Art Sammelsurium an Geschichte, die sicher mit der Herkunft des Autoren zu tun haben, vielfach aber auch nur mit Erlebnissen. In wie weit es sich da wirklich um eigenen Erlebnisse handelt, vermag ich nicht zu sagen. Meine Meinung: Eins ist mal klar, das Buch ist ungewöhnlich. Es hat einen sehr interessanten Sprachgebrauch, der sehr wortgewandt ist und einen auch in den Bann zieht. Was mich aber irgendwie immer wieder aus dem Lesefluss gebracht hat ist, dass zumindest für mich kein roter Faden da war und mich die vielen Zeitsprünge oftmals verwirrt haben. Ein bisschen als hätte irgendwer die Kapitel willkürlich aneinander gereiht. Dennoch fand ich das Buch insgesamt schon gut und kann auch verstehen, warum das Buch prämiert wurde. Fazit: Sehr ungewöhnlich«
– geschrieben von brauneye29

 
Autorentags: Anne Weber, Bov Bjerg, Christine Wunnicke, Deniz Ohde, Dorothee Elmiger, Sasa Stanisic, Thomas Hettche
IN DER MELDUNG ERWÄHNTE BÜCHER
Annette, ein Heldinnenepos
Geschrieben von: Anne Weber (31. August 2020)
Aus der Zuckerfabrik
Geschrieben von: Dorothee Elmiger (17. August 2020)
Die Dame mit der bemalten Hand
Geschrieben von: Christine Wunnicke (25. August 2020)
Herkunft
Geschrieben von: Sasa Stanisic (18. März 2019)
1,50
[2 Blogs]
1,94
[1251 User]
Herzfaden
Geschrieben von: Thomas Hettche (10. September 2020)
1,00
[12 User]
Serpentinen
Geschrieben von: Bov Bjerg (28. Januar 2020)
2,42
[106 User]
Streulicht
Geschrieben von: Deniz Ohde (17. August 2020)
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz