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  Jeffrey Archer - Politiker, Gefangener, Klasseautor
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Nachdem wir in einem der letzten Artikel hier bei Leserkanone.de erwähnten, dass Jeffrey Archer einst eine Gefängnisstrafe verbüßen musste, haben wir einige Anfragen dazu bekommen, was es damit auf sich hatte. Deshalb wollen wir an dieser Stelle einmal die Gelegenheit nutzen, um ein wenig auf das Leben des Mannes zurückzublicken, dessen Bücher - Stand heute - mehr als 300 Millionen Mal verkauft worden sein sollen.

Archer wurde am 15. April 1940 im Stadtbezirk Islington im Herzen Londons geboren, zog mit seiner Familie aber kurz danach aufs Land an die englische Westküste. Seine Mutter war eine Journalistin, während Archer über seinen Vater lange Zeit unterschiedliche Angaben machte. Tatsächlich war William Archer, der bereits 1956 starb, im richtigen Leben wohl ein Betrüger, der unter anderem die Identität eines hochdekorierten Kriegsveteranen vortäuschte. Jeffrey Archer selbst träumte zunächst davon, Fußballer des Bristol Rovers FC zu werden, nach seinem Schulabschluss arbeitete er jedoch in einer Reihe ganz anderer Jobs, unter anderem als Polizist und Sportlehrer. Anschließend studierte er drei Jahre in Oxford, wobei es offenbar Gerüchte darüber gab, dass er falsche Angaben zu seiner Hochschulreife gemacht hatte. Während seiner Zeit in Oxford lernte Archer nicht nur seine spätere Ehefrau Mary Weeden kennen, die er im Juli 1966 heiratete, er war auch ein erfolgreicher Sportler. Gleichzeitig soll er jedoch auch eine Reihe von fragwürdigen Finanzgeschäften durchgeführt haben.

Immerhin sammelte Archer in dieser Zeit auch Geld für wohltätige Zwecke. Letzteres führte er auch nach seiner Studienzeit fort, als er für den »National Birthday Trust« arbeitete, eine Charity-Organisation, die sich für sichere Geburten einsetzte. Auch für die den Vereinten Nationen unterstellte »United Nations Association« arbeitete er als wichtigster Geldbeschaffer. Später erklärte deren Chef Humphry Berkeley, es habe in Archers Amtszeit seltsame Geldbewegungen gegeben.

In der gleichen Phase - nämlich Ende der sechziger Jahre - kam Archer erstmals mit der Welt der Politik in Berührung. Er wurde konservatives Ratsmitglied im »Greater London Council«, einer inzwischen aufgelösten hohen Verwaltungsbehörde. Anschließend (nämlich 1969, also im Alter von nur 29 Jahren) wurde er zum Mitglied des Parlaments gewählt. Als daraufhin Gerüchte über seine vorangegangenen Finanzgeschäfte laut wurden (Stichwort Humphry Berkeley), unterband Archer diese mit gerichtlichen Klagen aufgrund von übler Nachrede. Letztlich verblieb Archer fünf Jahre im Parlament und etablierte sich am linken Rand der konservativen Partei als eine Art Rebell. 1974 schied er aus, da er in den Strudel eines Investmentskandals rund um eine kanadische Firma namens Aquablast geriet und plötzlich eine halbe Million Pfund Schulden hatte, so dass er sich keinen neuen Wahlkampf leisten konnte. Als er ein Jahr später als Zeuge in dem Aquablast-Fall aussagte, wurde ihm unterstellt, drei Anzüge aus einem Laden gestohlen zu haben, was er - mit zwanzig Jahren Verzögerung - später auch tatsächlich zugab.

Während Archer nun jedenfalls dem finanziellen Bankrott ins Auge sah, begann er mit dem Schreiben. Sein erstes Werk, das 1974 entstand und zunächst in den USA veröffentlicht wurde, hieß passenderweise »Not a Penny More, Not a Penny Less«. Hierzulande wurde es als »Es ist nicht alles Gold, was glänzt« veröffentlicht. Später wurde der Stoff sowohl fürs Radio als auch fürs Fernsehen verarbeitet. Schon in den siebziger Jahren entstand sein kommerziell erfolgreichstes Werk, nämlich »Kain und Abel«, das sich - zumindest ist dies der (schon einige Jahre alte) letzte Stand - mehr als 37 Millionen Mal verkaufte. Es folgten einige sehr erfolgreiche Jahre mit zahlreichen hochgelobten Büchern, allerdings auch mit einigen kleinen Nackenschlägen, etwa dem Vorwurf der Autorin Kathleen Burnett, er habe bei ihr abgeschrieben (Archer gab zu Protokoll, er habe sich nur inspirieren lassen) und dem Verriss einiger Theaterstücke, die er in dieser Zeit erdachte.

In den achtziger Jahren ließ Archer seine Politkarriere wieder aufleben. Margaret Thatcher ernannte ihn zum stellvertretenden Vorsitzenden der konservativen Partei, ein Amt, das er schlussendlich dreizehn Monate innehielt, ehe er abtreten musste, nachdem herausgekommen war, dass er einer Prostituierten namens Monica Coghlan 2.000 Pfund gezahlt hatte. Rund um den Sexskandal folgte eine Klage Archers gegen die Zeitung »Daily Star«, die er gewann, wodurch ihm eine halbe Million Pfund zugesprochen wurde. Dieses Geld spendete er laut eigener Aussage für wohltätige Zwecke. Obwohl Archer gewonnen hatte, verschwand er einige Jahre aus dem vordersten politischen Rampenlicht.

Archer machte daraufhin das, was er in der Vergangenheit schon erfolgreich getan hatte: Er sammelte Geld für wohltätige Zwecke. Als Saddam Hussein 1991 begann, kurdische Aufstände blutig niederzuschlagen, sammelte er gemeinsam mit dem Roten Kreuz Geld, und er organisierte ein Popkonzert mit Beteiligung von Weltstars wie Rod Stewart, Sting und Gloria Estefan. Infolgedessen ehrte man Archer, indem man ihn zum »Baron Archer of Weston-super-Mare« kürte, und viele warme Worte gab es vom britischen Premier John Major, gleichzeitig ein enger Freund Archers.

Nachdem die neunziger Jahre verstrichen waren und das Erwähnenswerteste ein Skandal um Insidergeschäfte gewesen war, für die Archer in Ermangelung von Beweisen nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, wurde er von der konservativen Partei als Kandidat für das Amt des Londoner Bürgemeisters bei der Wahl im Jahre 2000 bestimmt. Sowohl Margaret Thatcher als auch John Major unterstützten ihn bei seinen Bestrebungen auf das hohe Amt. Nachdem er jedoch von einem früheren Freund namens Ted Francis des Meineids während des Verfahrens gegen den »Daily Star« beschuldigt wurde, zog er seine Kandidatur sofort zurück. In der Folge ließ ihn seine Partei fallen. Im Februar 2000 beschlossen die Tories, ihn fünf Jahre aus der Partei auszuschließen.

Im September 2000 kam es tatsächlich zu einem Verfahren gegen Archer, in dem der Meineid und der Vorwuf der Rechtsbeugung verhandelt wurden. Monica Coghlan konnte bei dem Prozess nicht mehr aussagen, da sie ausgerechnet wenige Wochen zuvor bei einem Verkehrsunfall verstorben war. Unter anderem gab Archers einstige persönliche Assistentin zu Protokoll, wie Archer ein Alibi konstruiert hatte, was sie anhand von Aufzeichnungen nachweisen konnte. Eine ehemalige Geliebte Archers erzählte obendrein von einer gemeinsamen Affäre in den achtziger Jahren. Am Ende des Ganzen wurde Archer zu vier Jahren Haft verurteilt.

Schlussendlich saß Archer vom 9. August 2001 bis zum 21. Juli 2003 im Gefängnis. In dieser Zeit zahlte er nicht nur dem »Daily Star« die halbe Million Pfund sowie die einst entstandenen Gerichtskosten in Höhe von 1,3 Millionen Pfund zurück, er empfing wiederholt prominente und ungewöhnliche Gäste wie etwa Dame Edna, und er schrieb ein von Kritikern hochgelobtes dreiteiliges Gefägnistagebuch.

Und da Schreiben nun mal die Tätigkeit sein dürfte, die er am besten kann, sind seitdem eine ganze Menge Bücher erschienen, die sich wie warme Semmeln verkauften und auf allseits positive Resonanz stießen. Auch in den Benutzerkommentaren hier auf unserer Webseite wurde immer wieder wohlwollend über seine Bücher geschrieben. »Spiel der Zeit, der erste Band seiner siebenteiligen »Clifton-Saga«, wurde bis in die Top Ten unserer Besuchercharts gewählt.

Archers - in deutscher Sprache - aktuellstes Werk trägt den Titel »Traum des Lebens« und wurde im November vom Heyne Verlag veröffentlicht. Darin führt der Autor seine Leser zurück ins Jahr 1968, also in die Phase, in der er einst als Parlamentarier aktiv war. Auf über 700 Seiten erzählt Archer voller Spannung und Dramatik über das Schicksal des jungen Russen Alexander Karpenko und seiner Mutter, die sich auf der Flucht vor dem KGB befinden, und er entwirft daraus eine Geschichte, die sich über dreißig Jahre und zwei Kontinente entspinnt. Als gebundenes Buch kann man »Traum des Lebens« für 24 Euro bekommen, für die E-Book-Ausgabe fallen fünf Euro weniger an. Zudem existiert eine ungekürzte Hörbuchausgabe mit satten 17:21 Stunden Spielzeit, die von Musiker und Synchronsprecher Erich Räuker eingelesen wurde.

(Artikel vom 18. Januar 2019)


KOMMENTARE ZU DEN ERWÄHNTEN BÜCHERN
Kommentar zu Traum des Lebens vom 18.01.2019 21:38:
» Die Zusammenfassung von Archers Leben hat mir sehr gut gefallen, das könntet ihr häufiger bringen. Auch wenn wahrscheinlich nicht sehr viele Autoren so ein bewegtes Leben haben. Und Archer ist auch wirklich ein wahnsinnig guter Autor. Was er auch mit "Traum des Lebens" wieder bewiesen hat. Ich würde zwar nicht sagen, dass der Roman sein allerstärkster ist, aber trotzdem würde sich so mancher Autor wünschen, so was schreiben zu können. Sehr mitreißend.«
– geschrieben von xentar
Kommentar zu Die Clifton-Saga 1 - Spiel der Zeit vom 31.08.2015 8:51:
» Mich hat es nicht gewundert, dass ich hier gleich in der zweiten Rezension einen Bezug auf Ken Follett gelesen habe, denn an dessen Bücher könnte man sich durchaus ab und zu erinnert fühlen. Ich habe mich jedenfalls nicht quälen müssen durch diesen Wälzer, denn eigentlich gab es keine Hängepartien, sondern einfach nur eine durchweg interessante Familiengeschichte, bei der man am Ende darauf brennt, zu erfahren, wie es weitergeht.«
– geschrieben von chelst
Kommentar zu Die Clifton-Saga 1 - Spiel der Zeit vom 10.08.2015 14:11:
» Normalerweise bin ich bei Büchern, die von vorneherein auf mehrere Teile angelegt sind, sehr skeptisch. Hier musste ich aber zuschlagen, denn es klang ganz danach, als könnte es Leuten gefallen, die z.B. Ken Follets Jahrhundert-Saga mochten. Tatsächlich hat das Buch nicht dessen epische Breite, ist dafür konzentrierter, geht mehr in die Tiefe und hat mir dadurch mindestens genauso gut gefallen. Und am Ende ist man schwer gespannt, wie es wohl weitergehen wird.«
– geschrieben von Light
Kommentar zu Die Clifton-Saga 1 - Spiel der Zeit vom 01.08.2015 13:22:
» Ich hatte lange bei keinem Buch mehr so sehr das Gefühl, dass das, was ich da lese, ein "Epos" ist. Harry Cliftons Geschichte wird auf eine beeindruckend detaillierte Weise vor dem Leser ausgeblättert, dass er geradezu meinen könnte, die Welt des Buchs würde um ihn herum tatsächlich aufgebaut werden. Exzellent geschrieben, atmosphärisch dicht, wunderbar geschrieben.«
– geschrieben von Diaboliko

 
Autorentags: Jeffrey Archer
IN DER MELDUNG ERWÄHNTE BÜCHER
Die Clifton-Saga 1 - Spiel der Zeit
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