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  Entenmoderne 9: Held außer Form
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Im vergangenen Jahr ist die Figur des Phantomias ein halbes Jahrhundert alt geworden, in die Jahre gekommen ist Donald Ducks Alter Ego aber trotzdem noch nicht. Nach wie vor wird emsig das Verbrechen bekämpft, und dies auch in einer aktuellen Geschichte, die wir in der neuesten Episode unserer Reihe »Entenmoderne« beleuchten wollen. Wieder haben wir fünf Mitarbeiter, die eigentlich schon viel zu alt dafür sind, einen modernen Disney-Comic lesen lassen.

Held außer Form

«Held außer Form« wurde am Dienstag in der 534. Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs veröffentlicht, die den Titel »Einfach mal abtauchen« trägt. Die dreißigseitige und dreireihige Geschichte wurde ursprünglich am 23. Januar 2019 in der damaligen Ausgabe des italienischen »Topolino«-Magazins veröffentlicht. Sie wurde von Marco Bosco ersonnen und von Paolo de Lorenzi gezeichnet und getuscht. Der ursprüngliche Titel lautet »Paperinik e la forza perduta«, was zu Deutsch »Phantomias und die verlorene Kraft« bedeuten dürfte.

Worum geht es?

Phantomias fährt mit Daniel Düsentrieb in die Wüste, um dort eine neue Heldenwaffe zu testen. Da der Rückstoß des »Froststrahlers« Phantomias umwirft, äußert Daniel die Vermutung, dass Phantomias derzeit außer Form sei. Daher besucht Donald Duck am nächsten Tag ein Fitnessstudio, wo er sofort einen neuen Freund - Harry Hänflich - gewinnt. Es kommt allerdings auch zum Zusammenstoß mit einem aggressiven Kraftprotz. In der folgenden Nacht wird ein Bankhaus von einem extrem starken Räuber überfallen, Phantomias wird zurückgeschlagen, und seltsamerweise wird auch der erwähnte Kraftprotz von dem Bankräuber bloßgestellt. Donalds Verdacht fällt somit auf seinen neuen Freund Harry Hänflich.

Spoiler

Nachdem er sich die Adresse von Harry Hänflich besorgt hat, beginnt Donald (als Phantomias) seinen vermeintlichen Kumpel zu beschatten. Als er ihn schließlich stellt, offenbart sich, dass sich dieser nicht dem Verbrechen zugewendet hat, sondern stattdessen nur vom Fitnessstudio in einen Karatekurs gewechselt ist, um sich in Zukunft gegen Leute wie den fiesen Kraftprotz besser behaupten zu können. Nachdem es somit keinen Verdächtigen mehr gibt, wird Dagobert Ducks Geldspeicher von dem maskierten Superdieb überfallen und um drei Tonnen Gold erleichtert. Mittels einer Düsentriebschen Erfindung - einem »Schnüfflometer« - heftet sich Phantomias daraufhin an die Spur des Verbrechers (was er sinnvollerweise besser gleich hätte machen sollen, anstatt einem wilden Verdacht nachzugehen). Dieses Mal erwischt Phantomias den Richtigen, er wird jedoch von ihm überrumpelt und eingesperrt. Er erfährt, dass der Mann ein Erfinder ist, der eine Maschine ersonnen hat, mit der er die Kraft von anderen Menschen »absaugen« kann und sich diese anschließend selbst (mit Hilfe von Gold als Katalysator) einimpfen kann. An die Kraftpartikel ist er gekommen, indem er sich als Putzkraft in Fitnessstudios eingeschlichen hat - und dadurch war er auch Zeuge gewesen, als Harry Hänflich und Donald von dem Kraftprotz niedergemacht wurden. Nachdem der Erfinder offenbart, dass er im Moment nicht über Superkräfte verfügt, treten die Panzerknacker auf, welche die Gelegenheit nutzen wollen, die Erfindung an sich zu reißen, um sie für ihre Zwecke zu nutzen. Phantomias rettet die Situation, indem er die ganze Szenerie mit Hilfe eines Mini-Pulsstrahlers, den Daniel Düsentrieb in seiner Maske verborgen hatte, in die Luft fliegen lässt. Die Bösewichte werden verhaftet, und Phantomias erfährt zum Schluss von Daniel, dass seine Kraft nie nachgelassen hatte, sondern dass der Rückschlag des Froststrahlers einfach nur zu stark eingestellt war.

Die Einschätzung

Eine (natürlich nicht ernst gemeinte) Erkenntnis aus der Geschichte ist, dass es in Entenhausen offenbar auch heutzutage noch kein Äquivalent zur Datenschutzgrundverordnung gibt, denn anders ist es nicht zu erklären, dass Donald von der Empfangsdame seines Fitnessstudios ohne Gegenfrage die Adresse und die Telefonnummer von Harry Hänflich ausgehändigt bekommt. Eine andere Erkenntnis ist, dass man unter Disneys Enten merkwürdige Vorstellungen zum Duzen und Siezen hat. Phantomias siezt Daniel Düsentrieb, Daniel Düsentrieb duzt Phantomias, Donald bietet Harry Hänflich im zweiten gemeinsamen Bild (aufgrund der »auf Anhieb verbindenden Erfahrungen«) sofort das Du an. Heißt also: Jahrzehntelang gemeinsam das Verbrechen bekämpfen und sich gefühlt tausende Erfindungen bauen zu lassen ist keine sonderlich verbindende Erfahrung, das Benutzen des gleichen Fitnessstudios hingegen schon. Nun ja.

Doch zur eigentlichen Geschichte: Wir konnten uns allesamt sehr gut daran erinnern, dass wir früher immer besonders begeistert gewesen sind, an eine Geschichte zu geraten, in der Donald als Phantomias auftritt. Damals waren diese allerdings auch ganz schön rar. Die Wirkung hat aus heutiger Sicht stark nachgelassen - womöglich liegt es am eigenen Alter, womöglich an der Menge der inzwischen gelesenen Phantomias-Geschichten, womöglich aber auch an dem Übermaß an Superhelden, mit denen man inzwischen in Comics, Büchern und Filmen konfrontiert wird. Diese Geschichte hier ist trotzdem ganz okay, was vor allem der Tatsache zu verdanken ist, dass es am Ende nicht darauf hinausläuft, dass Donald im Fitnessstudio nicht »zufälligerweise« genau auf den Mann getroffen ist, der sich dann als Täter entpuppt hat. Das wäre selbst für einen Kindercomic ein bißchen arg simpel gewesen, und generell ist so eine kleine falsche Fährte einfach etwas, was die Lösung eines Kriminalfalles belebt. Daher haben wir hier einen ganz guten Spannungsbogen, eine nette Schlusspointe und weitgehend zufriedene Leser: Zwei unserer Mitarbeiter gaben der Geschichte eine Zwei, drei eine Drei, was die Durchschnittsnote 2,6 ergibt. Der Flair früherer Tage ist bei Phantomias-Geschichten trotzdem dahin.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz