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  Entenmoderne 40: Einfach unwiderstehlich
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Bekanntlich lesen dieser Tage fünf Mitarbeiter und Helfer unserer Webseite, die eigentlich schon dem Kinder- und Jugendalter entwachsen sind, die Comics des Lustige Taschenbuchs mit der laufenden Nummer 537, das den Titel »313 neue Nachrichten« trägt und das seit dem 15. September in den Zeitungsläden der Nation aufs Entdecktwerden wartet. Fünf Geschichten liegen hinter uns, und es wurde nach dem dürftigen Auftakt von Comic zu Comic immer besser. Zwangsläufig empfanden wir die bislang letzte von uns gelesene Geschichte - »Die Koboldkanne« - als die bis hierhin beste, wie ihr an dieser Stelle nach wie vor nachlesen könnt. Nun ging es mit einer Dolly-Duck-Geschichte weiter.

Einfa...

Stop: Dolly Duck? Vermutlich werden bislang nur wenigste Leser diese Figur kennengelernt haben. Eigentlich ist sie schon vergleichsweise alt, denn ihr geistiger Vater Romano Scarpa verwendete sie schon 1966 zum ersten Mal. Es handelt sich um die Enkelin von Dagoberts Duck früheren Schwarm Nelly aus dessen Zeit am Klondike, und es gab hie und da Andeutungen, dass der stinkreiche Erpel ihr Opa sein könnte. Im Lustigen Taschenbuch tauchte sie (abgesehen von einem Auftritt als blutleere Puppe) erstmals 1987 auf, nämlich in der Nacherzählung der Abenteuer von Marco Polo in der Nummer 119, die »Fern von Entenhausen« hieß. Seitdem gab es rund zwei Dutzend Comics mit ihrer Beteiligung im Lustigen Taschenbuch, jedoch selten in tragenden Rollen, und häufig verstrichen Jahre, in denen man sie gar nicht zu Gesicht bekam.

Einfach unwiderstehlich

Der hier abgedruckte Comic wurde dem italienischen Magazin »Topolino« entnommen, genauer gesagt der Ausgabe vom 21. November 2018. Die 32 Seiten lange dreireihige Geschichte wurde von Vito Stabile erdacht, gezeichnet wurde sie von Daniela Vetro. Damals trug sie den Titel »Tre papere irresistibili«, zu Deutsch »Drei unwiderstehliche Enten«.

Worum geht es?

Dolly Duck wartet in einem Café auf ihre beste Freundin Mindy, die über eine Stunde Verspätung hat. Als sie dann doch eintrudelt, hat sie eine »alte Freundin« namens Lilli im Gepäck, und Dolly bekommt schnell den Eindruck, dass Lilli ihr den Rang abgelaufen hat. Sie will sich anschließend bei Daisy ausweinen, die gerade zu Oma Duck gefahren ist. Auch Daisy hat den Eindruck, in die zweite Reihe geschoben worden zu sein, denn Donald ist inzwischen Chauffeur einer attraktiven Schauspielerin. Und selbst Oma Duck ist bedrückt, denn ihr Knecht Franz geht ständig zu einer Nachbarin, um sich dort statt bei ihr selbst sattzuessen. Ein Plan muss also her, um wieder den früheren Stellenwert bei Mindy, Donald und Franz zu erhalten.

Spoiler

Von ihrer alten Freundin Helena aus Schwanfurt weiß Oma Duck, dass es eine Quelle gibt, die eine Person in den Augen einer anderen zur Nummer Eins macht, sofern man einen persönlichen Gegenstand des anderen hineintaucht. Das ungleiche Damentrio begibt sich daraufhin zu eben jener Helena. Diese leidet zwar unter großer altersbedingter Zerstreutheit, kann ihnen schlussendlich aber doch den Weg zur Quelle weisen. Dort angekommen, tauchen die Damen die Mütze von Donald, eine alte Lieblingsserviette von Franz und einen Handspiegel von Mindy in das Wasser. Das Wunder geschieht: Mindy gibt sich wieder mit Dolly ab, Donald übergibt seinen Chauffeursjob an Dussel und lädt Daisy zu einer Ballonfahrt ein, und Franz ernennt Oma Duck zu seiner Lieblingsköchin. Nach und nach werden die Zuwendungen jedoch regelrecht nervig, da sich Mindy, Donald und Franz nicht bremsen lassen. Die Damen suchen deshalb händeringend nach einer Möglichkeit, den Zauber wieder aufzuheben. Passenderweise fällt ihnen in dem Moment Gundel Gaukeley vor die Füße, die gerade mit einer Kanone durch Dagobert Duck vom Himmel geholt wurde. Im Austausch gegen einen neuen Besen spricht Gundel einen Aufhebungszauber aus. Als die Damen daraufhin Oma Ducks Bauernhof betreten, stoßen sie auf Donald, Franz und Mindy, die erklären, sie hätten sich einen Scherz mit ihnen erlaubt: Weil Daisy nach einem Telefonat mit Donald vergessen hatte, ihr Handy abzuschalten, hatte dieser den Plan belauscht, zum Wunschbrunnen zu fahren. Fortan hatten er, Mindy und Franz vorgespielt, dass der Wunsch funktioniert hätte. Auch der vergesslichen Helena fällt inzwischen ein, dass die Geschichte mit der Quelle eigentlich nur ein Kindermärchen ist. Was hingegen funktioniert, ist Gundels Zauber, und der setzt in diesem Moment ein, zwangsläufig aber auf genau die umgekehrte Weise. So kommt es, dass Oma Duck, Daisy und Dolly schlussendlich vor Mindy und den Männern flüchten. Der Comic schließt damit, dass Gitta Gans, welche zwischenzeitlich die Geschichte mit dem Wunschbrunnen belauscht hatte, vor Dagoberts Geldspeicher aufkreuzt, nachdem sie eine Feder des reichsten Erpels der Welt in den Brunnen getaucht hat. Wie ihr Auftritt ausgeht, wird offengelassen.

Die Einschätzung

Diese Geschichte ist nicht wirklich perfekt, etwa was den Einsatz von Gundel Gaukeley eingeht: Der passt zwar durchaus in die Story und hat amüsante Momente, aber irgendwie will es einem nicht so recht behagen, dass eine über Jahrzehnte etablierte »böse« Figur und Erzfeindin des Duck-Clans mal eben mit »Gundel? Was machst du denn hier?« begrüßt und wenig später in Oma Ducks altem Auto mitgenommen wird. Genausowenig passt es beispielsweise zu Daisy Ducks Charakter, dass sie Donald plötzlich derart nachläuft. Sieht man von den verqueren Verhaltensweisen ab, ist »Einfach unwiderstehlich« eine durchaus lesenswerte Geschichte, die aus altbekannten Motiven - etwa dem eines Wunschbrunnens - durch kreative, absurde und teils aberwitzige Einfälle eine unverbraucht rüberkommende und unterhaltsame Story macht. Vito Stabile hat sich für den Verlauf des Ganzen ein paar geschickt eingeflochtene Wendungen ausgedacht, die dem Comic einen unvorhersehbaren Touch geben, die eingebauten Personenkonstellationen sind noch nicht ausgelutscht, und die humoristischen Momente - etwa als Gitta Gans ihren Dagobert mit einer gebrauchten Zeitung und einem Pappkarton im Park »fangen« will - wissen zu zünden. So entschieden sich am Ende jeweils zwei unserer Mitarbeiter für die Schulnoten Zwei und Drei, einer vergab die Note Vier, so dass summa summarum eine 2,8 zu Buche stand. Damit ist die Serie der von Comic zu Comic immer höheren Qualität des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 537 zwar gerissen, aber auch »Einfach unwiderstehlich« bewegte sich wieder auf ordentlichem Niveau.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz