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  Entenmoderne 10: Der mysteriöse Fall des Mister Myst
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Der Micky- und Goofy-Comic, den wir heute im Rahmen unserer Rubrik »Entenmoderne« thematisieren möchten, passt thematisch zu unserer Seite so gut wie die Faust aufs Auge, denn es geht darin um ein sehr erfolgreiches Buch und um einen anonymen Autor, der aufgespürt werden soll. Wie gewohnt, so haben wir fünf Mitarbeiter, die eigentlich schon viel zu alt dafür sind, auf diese Story aus dem aktuellen Lustigen Taschenbuch angesetzt.

Der mysteriöse Fall des Mister Myst

Die dreißigseitige und dreireihige Geschichte ist - wie so viele - dem italienischen »Topolino«-Magazin entnommen worden. Dort wurde sie am 9. Juli des vergangenen Jahres erstmals veröffentlicht. Der damalige Titel der von Fausto Vitaliano verfassten und von Valerio Held gezeichneten Geschichte war »Topolino e il mistero dell'ultima pagina«, was zu Deutsch »Micky und das Geheimnis der letzten Seite« bedeutet. Hierzulande erschien sie am 23. Juni im 534. Lustigen Taschenbuch, das den Titel »Einfach mal abtauchen« trägt.

Worum geht es?

Während sich die Autos der Ferienreisenden auf Entenhausens Straßen stauen, hat sich Micky für einen Sommer in der Hängematte entschieden. Dort liest er »Der mysteriöse Fall des Mister Myst«, den neuesten Krimi des Autors »G. Heim«. Ausgerechnet die letzte Seite der Geschichte, auf der sich alles auflösen würde, wurde in seiner Ausgabe des Buches nicht bedruckt. Micky begibt sich daraufhin in seine Stammbuchhandlung, wo festgestellt wird, dass die Seite in allen dort erhältlichen Exemplaren fehlt. In weiteren Buchhandlungen sieht es auch nicht anders aus, und auch der Verlag hat kein vollständiges Manuskript zur Verfügung: Da das Buch unter großem Zeitdruck veröffentlicht werden musste, hatte es niemand kontrollgelesen, so dass das Fehlen des Textes unbemerkt blieb. Micky entscheidet sich daraufhin, den Autor selbst aufzusuchen und ihn um die Auflösung der Geschichte zu bitten.

Spoiler

Da sich im Telefonbuch kein »G. Heim« finden lässt, begibt sich Micky in den Verlag, wo er erfährt, dass es sich bei dem Namen um ein Pseudonym handelt. Da der Autor nur per E-Mails und per Post mit dem Herausgeber kommuniziert, kennt nicht mal der Verlagschef die wahre Identität des Schreibers. Micky und Goofy beginnen deshalb die Schauplätze aus »Der mysteriöse Fall des Mister Myst« nach und nach abzufahren und dort nach Spuren zu suchen. In dem Ort Hintertupfingen erfahren sie, dass es eine Person gibt, die kiloweise weißes Papier kauft, weshalb sie davon ausgehen, dass es sich um den Autor handelt. Ehe sie die Adresse aufsuchen können, werden sie überfallen, niedergeschlagen und um den Zettel mit der Adresse erleichtert. Sie schaffen es, den Täter zu stellen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den Autor, der seine Identität schützen will, sondern um den Leiter eines erfolglosen Konkurrenzverlages, der auf diese Weise an G. Heim herantreten wollte. Nachdem der Übeltäter abgerauscht ist, finden Micky und Goofy den wahren G. Heim. Dieser ist gar kein Mann, sondern eine Programmiererin namens Gina Hellkopp. Sie hat einen Literatur-Algorithmus erdacht, diesen mit Infos gefüttert und anschließend einen Roboter den Krimi automatisiert schreiben lassen. Durch eine Überlastung mit Informationen gab der Roboter den Geist auf, ehe er fertig war, und so blieb die letzte Seite leer. Kurzerhand tippt Goofy auf seiner alten Schreibmaschine eine neue Abschlussseite, und mit dieser löst die Neuauflage des Krimis Begeisterungsstürme unter den Lesern aus.

Die Einschätzung

Eine sinnvolle Information vorweg: Auf der drittletzten Seite der Geschichte findet man einen Sternchenverweis, der anmerkt, dass sich Goofy auch schon mal als Autor versucht hat. Im italienischen »Topolino«-Magazin war man an dieser Stelle etwas konkreter und merkte an, dass dies auf den Comic »Eine geheimnisvolle Geschichte« anspielt. Dieser ist in Italien offensichtlich deutlich bekannter als hierzulande, wo er 1993 in der achtzigsten Ausgabe der Dagobert-Duck-Büchlein und zwanzig Jahre später in der 29. Ausgabe von »Donald Duck & Co.« veröffentlicht wurde. In Italien wurde die Geschichte, die den Auftakt zur mittlerweile 32 Comics umfassenden Reihe »Mittwochs bei Goofy« markiert, deutlich häufiger publiziert. Ohne die Vorkenntnis der Geschichte wirkt es ein wenig merkwürdig, dass sich der ansonsten eher überschaubar begabte Goofy am Ende ohne weitere Erklärung als meisterlicher Roman-zu-Ende-Schreiber entpuppt.

Eine unsinnige Information soll auch nicht fehlen: Nachdem wir in der letzten Ausgabe der »Entenmoderne« festgestellt hatten, dass die Datenschutzgrundverordnung in Entenhausener Fitnessstudios missachtet wird, erfährt man nun, dass es in den Papier- und Druckpatronengeschäften des Örtchens Hintertupfingen auch nicht anders läuft: Auch hier werden Adressen von Kunden einfach ohne weiteres herausgerückt. ;)

Aufgrund des Literaturbezugs gefiel uns die Geschichte vermutlich ein Stück besser, als sie es anhand ihres recht überschaubaren Spannungsbogens eigentlich getan hätte. Doppelt interessant wird die Geschichte durch die Thematisierung des automatischen Romanschreibens, denn diese Sache wird ja auch in regelmäßigen Abständen immer wieder in den Medien thematisiert. Und wenn man dann noch wie wir an einer Webseite arbeitet, für die es nötig ist, täglich einige hundert neue Bücher ins System einzutragen und deren Klappentexte zu lesen, dann könnte man auch tatsächlich den Eindruck bekommen, dass öfters - in manchen Genres gehäuft - keine Autoren, sondern Maschinen am Werk sind, die Ideen nach dem Schema F abarbeiten und nach dem Gießkannenprinzip über die Buchwelt auskippen. Eine Sache, die wir regelmäßig ratlos zur Kenntnis nehmen. Kurzum: Das ist ein Comic, mit dem wir wirklich sehr viel anfangen konnten und bei dem wir vermutlich weit weniger objektiv waren, als wir hätten sein sollen. Drei unserer Mitarbeiter gaben ihm am Ende eine Eins, und je einmal wurden die Noten Zwei und Drei vergeben. Das bedeutete am Ende die Durchschnittsnote 1,6.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz