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 Entengeschichten 26/21: Weihnachten von A bis Z
Zwei Wochen sind vergangen, seitdem wir hier das 25. Micky Maus Magazin dieses Jahres besprochen haben. Es handelte sich um ein recht durchschnittliches Magazin, das unserer Meinung nach durch den Comic »Gefahr auf der Gumpe« noch einen starken Schwenk nach oben bekommen hatte, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Ihr empfandet laut eurer Abstimmung die Geschichte »Fest der Verwechslungen« noch etwas besser als unseren Favoriten (34,1 Prozent vs. 29,9 Prozent). Seit dem 10. Dezember gibt es eine neue Ausgabe, und auch diese haben wir unter die Lupe genommen.

Die Höhepunkte

Dieses Mal können wir keinen Comic als Höhepunkt der Ausgabe bezeichnen, allerdings aus einem anderen Grund als sonst: Die Nummer 26 und die in ihr abgedruckten Geschichten wurden derart stark auf das Thema Weihnachten fokussiert, dass sich die Comics sehr stark ähneln ... und das nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ. Das Gute ist: So wie es keine Ausbrecher nach oben gab, so gab es auch keine nach unten.

Die übrigen Comics

Die zehnseitige Einstiegsgeschichte »Freude am Fest« wurde auf der Titelseite als »Top-Comic« beworben und stammt aus der Feder von Carol und Pat McGreal. Die Story ist auf 2021 datiert und muss daher sehr kurz vor Pat McGreals Tod entstanden sein. Für die Zeichnungen war Wanda Gattino zuständig. Dagobert Duck hasst darin Weihnachten und weigert sich, es mit seiner Familie zu verbringen. Stattdessen geht er der Frage nach, welches mysteriöse Unternehmen sein sonst so lukratives Weihnachtsbaumgeschäft kaputtmacht. Schlussendlich muss man sagen: Sonderlich kreativ ist es ja nicht, Dagobert als Weihnachtsgegner hinzustellen, denn gefühlt erlebt man in jedem Jahr einen solchen Comic. Schon in seinem ersten Auftritt überhaupt - dem Carl-Barks-Comic »Christmas on Bear Mountain« (»Die Mutprobe« bzw. »Weihnachten auf dem Bärenberg«) - sah man ihn in dieser Rolle. Und natürlich kann man sich auch denken, wie das Ganze am Ende ausgeht. Immerhin: Dagoberts »Fehde« gegen das Konkurrenzunternehmen lockert die althergebrachte Idee ein wenig auf und gibt ihr einen Dreh in die richtige Richtung.

Der 1974 von Jack Bradbury geschaffene Goofy-Dreiseiter »Hallo, Dienstmann!« wurde bereits zum zweiten Mal im Micky Maus Magazin verwendet. Allerdings dürften sich nur wenige daran erinnern: In der 33. Ausgabe des Jahres 1977 war es soweit. Optisch sieht man dem Comic trotz der stark verbesserten Kolorierung sein Alter an ... und auch inhaltlich, denn dass der Entenhausener Bahnhof beispielsweise als kleine Bretterbude dargestellt wird, an der eine Dampflok hält, wirkt massiv aus der Zeit gefallen. Die Sprechblasen wurden teils grob geändert. Bei einigen ist der offensichtliche Grund amüsant, so begleitet Micky Maus Minnie nicht mehr wegen eines Einkaufsbummels in die Stadt, sondern wegen eines Museumsbesuchs. Offenbar hatte die erste Version aus heutiger Sicht zu klischeehaft und zu stark an einem veralteten Frauenbild orientiert gewirkt. Dass »Dienstmann« Goofy keinen Apfelkuchen mehr besorgen soll, sondern eine Apfeltasche, ist augenscheinlich der Evolution der Backkultur geschuldet. Dass dafür nicht mehr 50 Kreuzer, sondern 2,50 Taler nötig sind, spricht für eine trabende Inflation in Entenhausen. Auch interessant: Wechselgeld wurde anno 1977 offenbar »Rausgeld« genannt. Insgesamt ein netter kleiner Comic, der nicht lange in Erinnerung bleibt.

In »Freude am Fest« gab es einen Weihnachten verschmähenden Dagobert, der verkleidet in Erscheinung trat. In »Weihnachten zu Hause« gibt es ... einen Weihnachten verschmähenden Dagobert, der verkleidet in Erscheinung tritt. Ähem. In dem Sechsseiter versteckt sich Dagobert daheim, weil er seinen Verwandten keine Geschenke kaufen möchte. Dabei wird er für einen Einbrecher gehalten und verhaftet. Der Comic wurde 1982 von Jordi Alfonso und Bob Bartholomew geschrieben und von Daniel Branca gezeichnet. Auch hier wurde recycelt: In der 51. Ausgabe des Jahres 1988 konnte man ihn erstmals auf Deutsch lesen, seitdem erschien er mehrmals in anderen deutschsprachigen Publikationen. Gegenüber 1988 wurde nicht ganz so viel geändert wie im gerade erwähnten Goofy-Comic. Hie und da gab es Entschärfungen, etwa die Streichung des Wortes »Widerling« und die Verwendung des Begriffs »Haus« statt »Bude«. Statt »armer Schlucker« (in einem von drei Fällen) und »mittelloser Kerl« ist von einem »Obdachlosen« die Rede. Der Begriff »in flagranti« wurde ersatzlos gestrichen ... womöglich traut man der Leserschaft von heute so viel Sprachkenntnis nicht mehr zu. ;) Der Comic selbst ist an sich ganz amüsant, allerdings extrem vorhersehbar. Womöglich wirkte dies vor vierzig Jahren noch anders. Abschließende kannibalische Randnotiz: Im Hause Duck wird zum Weihnachtsfest Gans gefuttert.

«Schlitternder Schneemann« ist dann endlich wieder eine neue Geschichte. Der Sechsseiter wurde von Peter Snejbjerg geschrieben, von Carmen Pérez und Tony Fernandez skizziert und von den Inkern des Comicup Studios fertiggestellt. Das Fähnlein Kohlmeisen versucht darin einen Schneemann zu bauen und wird von den Fieselschweiflingen unterstützt. Der Oberstwaldmeister heizt die Kinder dazu an, eine gigantische Emil-Erpel-Schneefigur daraus zu machen. Das Ganze ist ein wenig übertrieben worden und am Ende nicht übermäßig witzig, aber das nächste Stück kleiner heiler Welt, wie es die gesamte Ausgabe zu vermitteln versucht. Was ein wenig Stirnrunzeln verursacht: In dem Comic wird erwähnt, dass »Politiker schon sehr viel schlimmeres gemacht« hätten als der Entenhausener Bürgermeister. In »Weihnachten zu Hause« war ein paar Seiten zuvor von einer »Pressemeute« die Rede, die in der 1988er Originalübersetzung nicht so bezeichnet wurde, sondern erst 2021. Wir gehen freundlicherweise mal davon aus, dass dies einfach nur Zufall ist und keine kleine Andeutung, dass sich Querdenker beim Micky Maus Magazin einschleichen. So oder so wäre es vielleicht angesichts der aufgeheizten Stimmung im Lande, jegliche Spitzen gegen Politik und Medien wenigstens gegenüber den Lesern einer Kinderzeitschrift steckenzulassen.

Den Abschluss des Heftes bildet der Elfseiter »Zweinachten«, der 2018 von Gaute Moe ersonnen wurde, von Carmen Pérez skizziert wurde und von den Inkern des Comicup Studios abgeschlossen wurde. Er wurde einer Weihnachts-Spezialausgabe des niederländischen Donald-Duck-Magazins entnommen, in der er am 18. November des Jahres 2019 ohne Titel erschienen war. Der internationale Name des Comics lautet »Santa goes Reality«, da es hier darum geht, dass eine Realityshow über den Weihnachtsmann und seine Arbeit am Nordpol für Dagobert Ducks Fernsehunternehmen gedreht werden soll. Donald und die Kinder reisen also ins ewige Eis, stoßen dort aber nicht auf denjenigen, den sie erwarten. Schlussendlich ist auch diese Story unspektakulär, aber als feierlicher »Rausschmeißer«, der die Botschaft vermittelt, dass es beim Weihnachtsfest (unter anderem) auch darum geht, anderen zu vergeben, ist sie doch ganz gut für diese Position gewählt worden.

Die Tiefpunkte

Sollte man ein Weihnachtsmuffel sein, der nichts von den kommenden Feiertagen wissen will, dann empfindet man vermutlich die gesamte Ausgabe ein einziger Tiefpunkt. Allerdings dürfte man in so einem Fall auch nicht zu einem Comicheft mit einem weihnachtlichen Cover greifen. Wenn man unbedingt Salz in der Suppe finden möchte, dann könnte man die Ähnlichkeit einiger Storykomponenten kritisieren, aber so schlimm ist das alles nicht. Unserer Meinung nach gab es jedenfalls dieses Mal keine Tiefpunkte.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als Extrabeilage enthielt das Heft einen beleuchtbaren Pfeil sowie einen Stift, mit dem man den Pfeil beschreiben kann. Er funktioniert nur, wenn man zwei AAA-Batterien zur Hand hat. Wir haben den Pfeil nicht extra getestet, aber immerhin ist solch eine Beilage ganz nett. Vielleicht werden wir sie irgendwann als Requisite für ein Bild mit unserem Webseiten-Maskottchen gebrauchen können. ;)

Fazit

Wenn man nach einem Comicheft sucht, das sich von vorn bis hinten mit Weihnachten beschäftigt, dabei durchweg harmlos ist und dem kleinen Leser eine heile Welt vermitteln will, dann macht man mit dem 26. Micky Maus Magazin dieses Jahres nichts falsch. Hier ist zwar nichts enthalten, was einem dauerhaft in Erinnerung bleibt, aber eine schöne kleine Portion Weihnachtsstimmung in gezeichneter Form wird hier serviert. Die nächste Ausgabe wird am 27. Dezember erscheinen, dann aber schon als Nummer 1 des kommenden Jahres gelten. Als Extrabeilage zu den geplanten 43 Comicseiten ist eine Überraschung vorgesehen ... wir sind gespannt.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 161 (37,8%)
Freude am Fest
2
 
 132 (31,0%)
Weihnachten zu Hause
3
 
 61 (14,3%)
Zweinachten
4
 
 34 (8,0%)
Hallo, Dienstmann
5
 
 27 (6,3%)
Schlitternder Schneemann
6
 
 6 (1,4%)
Tauwerk
7
 
 5 (1,2%)
Wunschfahrzeug
An der Umfrage haben 426 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz