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 Entengeschichten 22/21: Tanzwut und Theaterwahn
Vor zwei Wochen haben wir hier das 21. Micky Maus Magazin dieses Jahres besprochen. Es enthielt einen Don-Rosa-Comic, der das gesamte Heft überragte ... nun, sofern man ihn nicht vorher schon kannte, denn da er in der Vergangenheit auch an anderen Stellen schon veröffentlicht wurde, bestand die Gefahr, dass es sich um einen sechzehnseitigen Déjà-Vu-Moment handelte. Immerhin: 72 Prozent unserer Leser empfanden »Alles schwer verquer« als besten Teil der Ausgabe, für viele scheint er somit noch neu gewesen zu sein. Den Beitrag und das Abstimmungsergebnis findet ihr an dieser Stelle. Seit dem 15. Oktober gibt es die 22. Ausgabe, und auch diese haben wir uns angesehen.

Die Höhepunkte

Das Manko dieses Hefts vorneweg: Ein Comic, den man unbedingt gelesen haben muss, ist dieses Mal nicht enthalten. Zwar gibt es dieses Mal sogar eine Carl-Barks-Geschichte, aber selbst bei der ist nicht alles Gold, was glänzt ... doch dazu später mehr. Immerhin: Die Abwesenheit eines Spitzencomics muss nicht zwingend bedeuten, dass das Heft als Ganzes dadurch nicht trotzdem lesenswert sein kann.

Die übrigen Comics

Obgleich es sich nominell um eine Halloween-Ausgabe des Micky Maus Magazins handelt, enthält das Heft nur einen Comic, der einen echten Halloween-Bezug hat. »Keine Lust auf Halloween« ist passenderweise der Titel. Die Geschichte wird auf dem Titelblatt als »Grusel-Comic« bezeichnet, aber selbst unter Einbeziehung der Tatsache, dass man in einem Micky Maus Magazin nicht die allergrößten Gruselmomente erwarten kann, trifft der Begriff auf den Comic nicht ernsthaft zu. Donald Duck fährt darin mit seinen Kindern in ein abgelegenes Haus im Nirgendwo, um den bettelnden Kindern und anderen Halloween-Erscheinungen der Großstadt zu entkommen. In dem Haus bekommen es die Ducks dann mit einem echten Monster und mit zwei Verbrechern zu tun. Eine ziemlich unspektakuläre Geschichte mit einem nicht sonderlich überzeugenden Schlussgag, die zehn Seiten lang ist und von Gaute Moe verfasst wurde. Wanda Gattino steuerte die Zeichnungen bei.

So richtig erwähnenswert ist eigentlich nur eine Sache daran: Der erste und zweite Comic des Hefts haben einen irritierenden storytechnischen Zusammenhang. In »Keine Lust auf Halloween« bringt das Monster mit einem magischen Akkordeon die Leute dazu, unkontrolliert zu tanzen, in »Schräge Töne« bringt ein magisches Grammophon die Leute dazu, unkontrolliert zu tanzen. Auch dieser Comic wurde von Gaute Moe erschaffen. Vermutlich hielten es die Macher des Micky Maus Magazins für eine witzige Idee, diese beiden Geschichten direkt hintereinander abzudrucken, allerdings wirkt es nicht amüsant, sondern reichlich unkreativ. In dem Sechsseiter kauft Donald Duck das erwähnte Grammophon, woraufhin es von den Panzerknackern gestohlen wird, die es für einen Angriff auf den Geldspeicher nutzen wollen. Klar: Die Story geht in eine ganz andere Richtung, aber letztlich liegt ihr die gleiche merkwürdige Idee zugrunde. Sonderlich unterhaltsam ist auch »Schräge Töne« leider nicht. Der von Mau Heymans gezeichnete Comic wurde im Übrigen dem neiderländischen Donald-Duck-Magazin entnommen. Dort wurde er im September 2014 erstmals veröffentlicht.

Vorher noch gar nicht veröffentlicht wurde der Comic »Sabotage auf hoher See«, der erst in diesem Jahr entstanden ist. Das zehn Seiten lange Werk wurde von Lars Jensen erdacht und von Paco Rodriguez zeichnerisch umgesetzt. Der im klassischen Rote-Hose-Look gehaltene Micky Maus ist darin auf einem Segelschiff unterwegs. Sein Kapitän rettet einen anderen Seemann, der in Not geraten ist: Mortimer Maus, der kurze Zeit zuvor durch eine Fügung des Schicksals zum Millionär geworden ist. Nachdem Mortimer auf ihr Schiff übergesetzt habt, entbrennt die Fehde zwischen Micky und ihm mal wieder aufs Neue, und es tragen sich seltsame Dinge an Bord zu. Dass es sich hierbei mal um eine Mortimer-Story handelt, ist einerseits eine nette kleine Abwechslung gegenüber den üblichen Micky-gegen-Karlo-Geschichten, aber so richtig unterhaltsam ist auch dieser Beitrag leider nicht. Hinzu kommt noch, dass das historisch anmutende Segelschiff und das dazu passende Micky-Erscheinungsbild überhaupt nicht zu dem passen, das am Ende für die eigentümlichen Ereignisse an Bord sorgt ... um es mal schwammig zu formulieren, um einen Spoiler zu vermeiden.

«Theaterfimmel« ist ein echte Carl-Barks-Comic. Er wurde von ihm anno 1957 erschaffen und drei Jahre später von Erika Fuchs ins Deutsche übersetzt. In dem Zehnseiter ist Donald Duck von der Kunst des Theaterspielens begeistert und möchte sie selbst einmal umsetzen. Passenderweise bietet Daisy ihm an, die Hauptrolle des »Prinz Güldenschwert« in einem echten Theaterstück zu übernehmen ... wenn er sich denn gegen Gustav Gans im Ringen um die Hauptrolle durchsetzen sollte. Der Comic selbst ist in Ordnung, wenn er auch nicht Carl Barks' größter Wurf ist. Das Problem ist hier aber ein anderes: Nicht nur, dass der Comic schon selbst sehr oft veröffentlicht wurde (im Micky Maus Magazin kam er auch schon zweimal vor, nämlich in der Ausgabe 21 des Jahres 1960 und in der Halloween-Ausgabe des Jahres 2008), er überschneidet sich inhaltlich stark mit weiteren Geschichten. Einerseits verarbeitete Barks selbst die Idee schon einige Jahre vorher in dem Comic »Knightly Rivals«, der hierzulande »Ritter Eisenbeiß« heißt und ebenfalls schon mehrfach im Micky Maus Magazin abgedruckt wurde, zuletzt vor rund zwei Jahren, zum anderen wurde die Idee auch von anderen Disney-Comicschöpfern aufgegriffen, etwa in der von Daniel Branca gezeichneten Geschichte »Viel Theater um Daisy«. Kurzum: Es dürften schon sehr viele Comicfans Donald und Gustav im Ringen um eine Theater-Hauptrolle erlebt haben.

Interessant ist natürlich die Veränderung von Feinheiten von Veröffentlichung zu Veröffentlichung. 1960 »deklamierte« Donald Duck seinen Neffen beispielsweise etwas vor, 2008 »trug« er seinen Neffen etwas vor, 2021 »deklamiert« er es ihnen wieder vor. Ob man den Sprachschatz der Leser des Magazins zwischenzeitlich für ein Stück eingeschränkter hielt, ihnen jetzt aber wieder mehr zutraut? Im Vergleich zu 1960 wurden obendrein die Geräusche internationalisiert: »Puff« heißt jetzt »Poof«, aus »Quietsch« wurde »Skreek«, und Telefone machen nicht mehr »Kling«, sondern »Ring«.

Die Tiefpunkte

Und damit wären wir bei dem Punkt angelangt, der die Abwesenheit der Höhepunkte wieder ausgleicht: Zwar war kein Comic dabei, den man unbedingt gelesen haben muss, es gab aber auch keinen, der einem beim Lesen die Laune verderben konnte. In anderen Worten: Es gab jede Menge Lesestoff von durchschnittlicher Qualität ohne Ausbrecher nach oben oder nach unten.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als Extrabeilage enthielt das Heft einen »Gorilla-Greifarm«, der laut den Machern des Magazins ein »super Halloween-Schocker« sein soll. Nun ja ... schocken wird das gute Stück vermutlich niemanden, aber immerhin ist es voll funktionstüchtig - das kann man bekanntermaßen nicht über jedes Micky-Maus-Extra sagen -, und vielleicht finden sich ja andere Verwendungsmöglichkeiten. Man kann sich beispielsweise damit selbst den Rücken kratzen. ;)

Fazit

Alles in allem kann man über das Heft das gleiche sagen, das man zu jedem einzelnen darin enthalten Comic sagen kann: Das war Durchschnittskost. Kann man lesen, muss man aber nicht. Das kommende Heft wird am 29. Oktober erscheinen, vierzig Comicseiten enthalten sowie ein »Leuchtschwert«. Allzu hohe Plastikspielzeug-Qualität sollte man vermutlich besser nicht erwarten. ;)


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 249 (67,5%)
Theaterfimmel
2
 
 66 (17,9%)
Sabotage auf hoher See
3
 
 40 (10,8%)
Keine Lust auf Halloween
4
 
 14 (3,8%)
Schräge Töne
An der Umfrage haben 369 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz