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 Entengeschichten 21/21: Eine horizontale Ausgabe
Zwei Wochen sind verstrichen, seitdem wir hier das zwanzigste Micky Maus Magazin dieses Jahres thematisiert haben. Dieses war dem sechzigsten »Geburtstag« der Panzerknacker gewidmet. Der Panzerknacker-Jubiläumscomic »Erfolgreich beraten« war eurer Meinung nach allerdings nur der zweitbeste Beitrag der Ausgabe, mit Abstand am besten fandet ihr den mehr als vierzig Jahre alten Vicar-Klassiker »Gestärktes Selbstvertrauen« (49,5 Prozent von euch waren dieser Meinung). Den zugehörigen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Zum Monatsersten ist nun eine neue Ausgabe erschienen, und auch die haben wir unter die Lupe genommen.

Die Höhepunkte

Wie gut oder wie schlecht man dieses Heft findet, hängt ganz davon ab, ob man den 1996er Don-Rosa-Comic »Alles schwer verquer« schon kennt oder nicht. Er umfasst sechzehn Seiten und damit beinahe die Hälfte des Comicanteils dieser Ausgabe. Kennt man ihn bereits, dann hat man also Geld für einen großen Anteil an Wiederholungen ausgegeben. Kennt man ihn nicht, dann bekommt man einen der besten Disney-Comics aller Zeiten präsentiert. Bei I.N.D.U.C.K.S. rangiert er in der Benutzerabstimmung nicht umsonst aktuell auf dem 52. Platz von insgesamt 41.112 Geschichten. Verdient hat er sich diesen Platz, weil er mit einer der gleichsam abstrusesten wie einfallsreichen als auch amüsantesten Ideen der Entenhausener Comichistorie daherkommt: Beim Versuch, den Glückszehner zu rauben, wendet Gundel Gaukeley die persönliche Schwerkraft von Donald und Dagobert Duck ins Horizontale um. Dadurch verläuft die sich daraus ergebende Verfolgungsjagd anders als alles andere, was ansonsten tagein, tagaus aus der üblichen Gundel-Glückszehner-Basis herausgeholt wird. Und nicht nur die grundsätzliche Storyidee ist überzeugend, auch alles andere, was Don Rosa in die sechzehn Seiten hineingezeichnet hat, gleicht einem sprudelnden Springbrunnen, aus dem die Ideen nur so spratzeln.

Hier kommt nun aber das große Aber: Als ein Don-Rosa-Klassiker wurde auch dieser Comic (selbstverständlich) schon wiederholt in deutschen Publikationen abgedruckt, so dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass man schon mal darauf gestoßen ist. Auch im Micky Maus Magazin selbst wurde der Comic schon mal verwendet, nämlich in der 49. Ausgabe des Jahres 1996. Bei den meisten Comic-Recyclings wird stark an der Kolorierung geschraubt, hier war sie schon vor 25 Jahren so gut, dass es kaum etwas zu verbessern gab. Dafür wurden die Sprechblasen noch ein wenig stärker umgeschrieben als sonst. Dabei sind eine Reihe neuer Gags entstanden, die sich gut ins Gesamtbild einfügen. Die Sprache ist ein wenig internationaler geworden, so wurde aus »Tag Bertel« ein »Buon giorno«, und aus dem Lautwort »Romms« wurde »Crash«. Auch die Ausrufe wurden umgeschrieben, um sie zeitgemäßer wirken zu lassen, was manchmal geklappt hat (so wurde »Heiliger Strohsack!« in »Was um alles in der Welt?« umgewandelt), manchmal ist der Versuch jedoch zu einer Überführung einer alten Seltsamkeit in eine neue Seltsamkeit verkommen (aus »Schlimmlinger Schierling« wurde beispielsweise ein »Bei Circe!« gemacht). Ob in der alten oder in der neuen Sprechblasenversion: Ein ganz toller Comic.

Die übrigen Comics

Als »Top-Comic« wird auf dem Titelblatt die elfseitige Daniel-Düsentrieb-Geschichte »Der Traumbetrachter« beworben, die von Kari Korhonen ersonnen und auch zeichnerisch umgesetzt wurde. Ganz Entenhausen ist darin in einen seltsamen Tiefschlaf verfallen. Der wach gebliebene Daniel Düsentrieb versucht zu ermitteln, was geschehen ist und dringt dazu mittels einer Erfindung in die Träume der Einwohner ein. Tatsächlich entdeckt er eine auffällige Gemeinsamkeit. Alles in allem eine zum Ende hin merkwürdig verlaufende Geschichte, denn ihre Auflösung kommt so schnell, dass sie geradezu wie ein Abwürgen wirkt. Das schien auch Korhonen bewusst zu sein, weswegen es noch eine Art einseitigen Prolog gibt ... der die Sache aber auch nicht wieder herausreißen kann.

Der 2020 entstandene Sechsseiter »Die gute Tat« berichtet von einem Tag, an dem Micky Maus von Klarabella dazu genötigt wird, das Haus eines älteren Mannes zu streichen. Dabei ist er nicht allein: Auch Kater Karlo soll mitstreichen. Natürlich hat der Berufsganove nicht wirklich Handwerk im Sinn, vielmehr plant er, den Herrn des Hauses auszurauben ... und Micky versucht dies zu vereiteln. Eine unspektakuläre und recht trivial aufgelöste Geschichte, die niemandem wehtut und die man vermutlich nicht sehr lange in Erinnerung behalten wird. Ersonnen wurde sie von Andreas Pihl, für die zeichnerische Umsetzung war Maximino Tortajada Aguilar im Einsatz.

Die ebenfalls sechs Seiten lange Geschichte »Warnung der Sterne« wurde ursprünglich vor ziemlich genau einem Jahr im holländischen Donald-Duck-Magazin abgedruckt und trug damals den Titel »Horoscoop«, der keine kreative Verschmelzung aus einer Weissagung und einem Scoop war, sondern einfach nur das niederländische Wort für »Horoskop«. Tjarko Evenboer schrieb die Storyline, Mau Heymans setzte sie um. Natürlich sind Horoskope ein Thema, das schon - vorsichtig ausgedrückt - sehr häufig in Disney-Comics verarbeitet wurde, und natürlich kann man sich den Ausgang des Ganzen recht früh ausrechnen, aber an sich war das eine ganz amüsante kleine Geschichte. Donald erfährt darin durch sein Tageshoroskop, dass ihm Gefahr droht, und versucht diese so gut wie möglich zu umgehen.

Die Tiefpunkte

Hier können wir guten Gewissens schreiben, dass - abgesehen vom ohnehin standardmäßig grausigen »Entenkurier« - nichts in diese Kategorie passt. Allenfalls diejenigen Leser, die »Alles schwer verquer« schon in- und auswändig kannten, hätten einen berechtigten Grund zum Herummosern.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Man merkt, dass Halloween nicht mehr lange hin ist: Als Extrabeilage enthielt diese Ausgabe eine große Spinne, deren Augen man zum (flackernden) Leuchten bringen kann. Ganz nett, denn (a) funktioniert das gute Stück wie gewünscht, was man ja nicht bei jedem Micky-Maus-Extra sagen kann, und (b) ist es kein Schießspielzeug. Was will man mehr.

Sieht man mal von den beiden Rätselcomics ab, gab es dieses Mal keinen einseitigen Comic, um auf die gewünschte Gesamtzahl an Seiten zu kommen.

Fazit

Wenn man »Alles schwer verquer« noch nicht kennt, dann sollte man dringend zu dieser Ausgabe greifen, um die eklatante Wissenslücke zu stopfen. Der Rest des Magazins ist dann auch ordentlich genug, um den Kauf des Heftes zu rechtfertigen. Allerdings gehört der Rest eher in die Kategorie »kann man lesen, muss man aber nicht«. Wenn man »Alles schwer verquer« schon kennt, dann wird man deshalb nicht sonderlich zufrieden mit dem Heft sein. Die nächste Ausgabe wird am 15. Oktober erscheinen, mit vierzig bunten Comicseiten daherkommen und eine »Gorilla-Hand« als Extra beinhalten. Danach dürfte dann Halloween 2021 im Micky Maus Magazin abgehakt sein.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 290 (72,0%)
Alles schwer verquer
2
 
 57 (14,1%)
Warnung der Sterne
3
 
 42 (10,4%)
Der Traumbetrachter
4
 
 14 (3,5%)
Die gute Tat
An der Umfrage haben 403 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz