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 Entengeschichten 20/21: Große Verbrecherparty
Während des »Triells« war Linda Zervakis so freundlich, uns auf subtile Weise darauf hinzuweisen, dass unsere Betrachtung des aktuellen Micky Maus Magazins noch ausstand. Vielen Dank dafür - da leisten wir natürlich gerne Folge. Zwei Wochen sind verstrichen, seitdem wir die letzte Ausgabe hier thematisiert hatten. Je nachdem, ob man den längsten darin abgedruckten Comic schon kannte oder nicht, handelte es sich um eine entweder sehr gute oder sehr enttäuschende Ausgabe, wie wir an dieser Stelle berichteten. 74,9 Prozent von euch wählten eben jenen langen Comic - Gundel Gaukeleys Debüt »Der Midas-Effekt« - zum besten Beitrag des Heftes.

Die Stafette der Feierlichkeiten geht weiter: Vor vier Wochen wurde der siebzigste Geburtstag des Micky Maus Magazins gefeiert, vor zwei Wochen wurde Gundel Gaukeleys sechzigstes Jubiläum gefeiert, und dieses Mal zelebrierte man den siebzigsten Geburtstag der Panzerknacker.

Die Höhepunkte

Die sechsseitige Geschichte »Wahre Wohltäter« wurde im vergangenen Jahr von Herman Roozen geschrieben, von José Antonio González skizziert und von den Inkern des Comicup Studios in die endgültige Form gebracht. Am 20. September 2020 wurde sie im holländischen Donald-Duck-Magazin unter dem Titel »Wees lief« (Freundlich sein) erstmals veröffentlicht. Gustav Gans möchte Daisy darin zum Essen einladen, während Donald traurig zurückbleibt. Er ist zu arm, um ihr Ähnliches bieten zu können, und er muss stattdessen Dagobert Ducks Taler wienern. Aus dem Essen wird in der geplanten Form nichts, da der Restaurantbesitzer einen Film über Nächstenliebe gesehen hat, der seine komplette Lebenseinstellung umgekrempelt hat, weswegen er sein Etablissement schließt. Die Begegnung bringt auch Gustav und Daisy ins Grübeln. Was dabei herauskommt, mag vielleicht nicht der allergrößte Wurf der Comicgeschichte sein, jedoch ein netter kleiner warmherziger Beitrag, der unterhaltsam ist, der das Gute in den Vordergrund rückt und ein bißchen aus der Zeit gefallen wirkt, denn eine Story wie diese hätten Disneys Comicmacher wahrscheinlich auch schon vor vierzig, fünfzig Jahren in ähnlicher Form schreiben können. Schön, dass auch so was noch gefertigt wird.

Die übrigen Comics

Das Panzerknacker-Jubiläum wurde in Form eines sechzehn Seiten langen Comics namens »Erfolgreich beraten« zelebriert. Nachdem »Der Midas-Effekt« in der vergangenen Ausgabe bereits eine solche Länge hatte, könnte man glatt den Eindruck bekommen, es gäbe eine neue Comiclängen-Politik beim Micky Maus Magazin, denn dass die Zehn-Seiten-Marke überschritten wurde, kam sonst nur sehr selten vor, seitdem wir das Heft regelmäßig unter die Lupe nehmen. Unserer Meinung nach ist das eine durchaus positive Entwicklung, denn auf sechzehn Seiten kann eben auch deutlich komplexer erzählt werden. Das quantitative Potenzial wurde durch »Erfolgreich beraten« allerdings noch nicht so ganz in qualitative Klasse umgemünzt, dafür wirkte die Geschichte ein wenig unrund. So wirkten beispielsweise die eingeflochtenen Rückblicke von Opa Knack (der seltsam dick gezeichnet wurde) erzwungen und wie Fremdkörper. Storytechnisch dürfte klar sein, worum es in der Geschichte geht: Die Panzerknacker versuchen mal wieder an Dagoberts Geld zu gelangen. Nachdem eine Attacke auf den Geldspeicher fehlschlägt, wird die Bande von einer »Beraterin in Kriminalsachen« unter die Fittiche genommen, die den Panzerknackern aufzeigt, wie man als Verbrecher richtig vorgeht. Gezeichnet wurde der Comic von Arild Midthun, das Skript stammt von Tormod Løkling und Knut Nærum. Letzterer ist laut seinem Wikipedia-Eintrag nicht nur Autor und Satiriker, sondern auch marxistischer Politiker. Kein Wunder also, dass er Comics über Personen verfasst, die den schwerreichen Kapitalisten das Geld wegnehmen wollen.

Der dreiseitige Daniel-Düsentrieb-Comic »Der Formelvogel« entstammt der 43. Ausgabe des Jahres 2020 des niederländischen Donald-Duck-Magazins. Damals hieß er einfach nur »Papegaai«, zu Deutsch also »Papagei«. Er wurde von Oscar ten Houten verfasst, von Daniel Pérez skizziert und von den Inkern des Comicup Studios in Tinte getaucht. Daniel Düsentrieb kauft darin einen Papagei, der einst einem Mathematiker gehörte und deshalb die ganze Zeit Formeln aufsagt. Daniel erhofft sich von ihm, die Formel zur »Maschenhypothese« eines Professors namens Sockequirl zu erfahren. Dass diese nicht in den Büchern steht, die Daniel eingangs speziell zu dem Thema liest, ist etwas rätselhaft ... und die Idee mit dem Papagei ziemlich hanebüchen. Insgesamt ein nichtssagender kleiner Comic mit einem dünnen Schlussgag.

Mit »Gestärktes Selbstvertrauen« beinhaltet das Heft einen zehnseitigen Comic, der anno 1978 (auf Basis einer Story von Werner Wejp-Olsen und Tom Anderson) vom großen Vicar gezeichnet und von Dr. Erika Fuchs übersetzt wurde. Normalerweise sollte man angesichts des Zeichners davon ausgehen, dass es sich um einen klaren Anwärter auf den »Höhepunkte«-Bereich handelt, jedoch ist die Geschichte nicht unbedingt die Beste, die Vicar umgesetzt hat. Donald kauft sich darin ein Amulett, nachdem er von Dagobert und einigen anderen negativ behandelt wurde, und er gewinnt prompt neues Selbstbewusstsein. Dieses setzt er ein, um erfolgreich zu arbeiten, ohne jedoch seine Menschlichkeit gänzlich einzubüßen. Dagobert Duck schiebt der Sache am Ende den Riegel vor. So richtig amüsant ist das Ganze nicht, insbesondere gingen die Charaktere hier ein wenig überzogen grob miteinander um, und die Wirkung des gestärkten Selbstvertrauens ist ein wenig albern. Schon in der zwölften Ausgabe des Micky Maus Magazins des Jahres 1979 war der Comic abgedruckt worden, damals sogar als Startgeschichte. Die neue Kolorierung ist (selbstverständlich) signifikant besser als die damalige, und wie gewohnt, so wurden auch dieses Mal einige Sprechblasen umgearbeitet, die Erika Fuchs damals eingedeutscht hatte. Im Vergleich zu anderen Neuübersetzungen in vorausgegangenen Heften dieses Jahres hielt man sich jedoch stark zurück. Beispielsweise heißt es heute nicht mehr »auf dem Kieker haben«, sondern »im Visier haben«, aus »Klar der Fall?« wurde »Haben wir uns verstanden?«, ein roter Knopf wurde genauer spezifiziert, und ein »Interview« in ein »Gespräch« verwandelt. Nach welchen Maßstäben wohl entschieden wird, wann es mal richtig ist, jede zweite Sprechblase umzuändern, und mal nur ein paar ausgesuchte wie dieses Mal!?

Die Tiefpunkte

Dem Heft war ein »Roboter-Bausatz« beigelegt. Dabei handelte es sich um die Teile für einen knapp sieben Zentimeter hohen Plastikroboter, den man aufziehen kann und der vermutlich ein paar Zentimeter laufen würde ... tja, wenn man ihn denn zusammenbauen könnte. In unserem Fall war dies nicht möglich, da die beiden Schrauben fehlten, die eigentlich Teil des Bausatzes hätten sein sollen. Wie die Dinger abhanden kommen konnten, obwohl das Magazin in einer (nicht beschädigten) Plastikhülle daherkam, ist uns ein Rätsel. Immerhin: Jetzt haben wir einen neuen kleinen Kreuzschraubenzier. Wer weiß, wofür man den mal brauchen kann.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

In einer Fußnote wird erwähnt, dass nicht nur ein rundes Jubiläum des ersten Auftauchens der Panzerknacker anstand, sondern dass Primus von Quacks sechzigster »Geburtstag« stattgefunden hat. In der letzten Ausgabe war Gundel Gaukeleys Jubiläum mit dem von Fräulein Rührig zusammengefallen, und die emsige Sekretärin tauchte wenigstens in einem Panel auf. Von Primus fehlte in diesem Heft hingegen jede Spur ... hat der schlaue Wissenschaftler das denn verdient?

Fazit

Vielleicht war diese Ausgabe des Micky Maus Magazins nicht so denkwürdig, dass sie in ein paar Jahren bei einem Kanzler-Duell oder -Triell von Linda Zervakis in die Kamera gehalten werden wird, jedoch handelte es sich trotzdem um eine ziemlich gute Ausgabe. Der Daniel-Düsentrieb-Comic war qualitativ eine ganze Spur dürftiger als der Rest, mit seinen drei Seiten störte er aber auch nicht. Alle längeren Comics bewegten sich zwischen solide und gut. Das nächste Heft wird am 1. Oktober erscheinen, vierzig Seiten Comics, fünf Minecraft-Sticker und eine »Grusel-Spinne« enthalten. Man sieht: Halloween beginnt in Entenhausen immer etwas früher als andernorts.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 217 (49,5%)
Gestärktes Selbstvertrauen
2
 
 100 (22,8%)
Erfolgreich beraten
3
 
 93 (21,2%)
Wahre Wohltäter
4
 
 18 (4,1%)
Der Formelvogel
5
 
 5 (1,1%)
Laufzwang
5
 
 5 (1,1%)
Vergraben
An der Umfrage haben 438 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz