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 Entengeschichten 19/21: Große Hexenparty
Etwas mehr als zwei Wochen sind verstrichen, seitdem wir an dieser Stelle das 18. Micky Maus Magazin dieses Jahres thematisiert hatten. Es hatte sich um eine Jubiläumsausgabe gehandelt, denn das Magazin war gerade siebzig Jahre alt geworden. Zum Glück schafften es die Macher des Magazins, eine dem Anlass angemessen gute Ausgabe auf die Beine zu stellen. Das Heft war wirklich lesenswert, wie wir euch an dieser Stelle geschildert haben. Ihr empfandet den Comic »Die Nummer Eins«, der passenderweise extra zum Geburtstag des Magazins verfasst worden war, mit Abstand am besten (50,8 Prozent). Vor einigen Tagen ist nun ein neues Heft erschienen, und auch das haben wir uns angesehen. Dabei war schon wieder ein Jubiläum angesagt, denn Gundel Gaukeleys erster Auftritt jährte sich zum sechzigsten Mal.

Der Höhepunkt
(der unter Umständen auch der Tiefpunkt ist)

Passend zum Geburtstag von Gundel Gaukeley wurde in diesem Heft der Comic abgedruckt, in dem die Hexe vom Vesuv einst ihren ersten Auftritt gefeiert hatte. (Fräulein Rührig im Übrigen auch, aber ihr Jubiläum war den Machern des Heftes keine spezielle Würdigung wert.) Der Midas-Effekt alias »The Midas Touch« wurde im April 1961 von Carl Barks geschaffen und am 28. September des gleichen Jahres in der 36. Ausgabe der Reihe »Uncle Scrooge« abgedruckt. Hierzulande erschien die Geschichte 1974 unter dem Titel »Onkel Dagobert und die Hexe« in der Publikation »Ich Onkel Dagobert« des Melzer Verlages, 1982 landete die Story dann in einer von Frau Dr. Erika Fuchs angefertigten Neuübersetzung erstmals im Micky Maus Magazin.

Und da sind wir schon bei dem Punkt, warum wir den Comic sowohl als Höhe- als auch als Tiefpunkt dieser Ausgabe einstufen. Dass Comics zum zweiten oder dritten Mal im Micky Maus Magazin erscheinen, ist keine Seltenheit und in der Regel auch kein Problem, da sie ja zumeist nur wenige Seiten lang sind und somit viel weiterer Platz für neues Material bleibt. Hier entschied man sich jedoch dafür, die kompletten siebzehn Seiten am Stück abzudrucken. Heißt also: Wenn man den Comic schon kennt, dann kennt man auch beinahe die Hälfte dieses Heftes. Und dann wäre das Ganze zwangsläufig eine ziemliche Enttäuschung. Da der Comic inzwischen schon häufig in unterschiedlichen Publikationen verwendet wurde, dürfte er schon einer recht hohen Quote an Disney-Fans in die Hände gefallen sein.

Kennt man den »Midas-Effekt« hingegen nicht, dann bekommt man hier einen der herausragendsten Geschichten der Duck'schen Comichistorie präsentiert. Die Geschichte ist nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern lieferte den späteren Gundel-Gaukeley-Storys schon nahezu vollständig das Gesamtkonzept, das in den Folgejahrzehnten tausende und abertausende Male wieder aufgegriffen wurde. Gegenüber dem 1982er Abdruck im Micky Maus Magazin wurde wie gewohnt nicht nur die Kolorierung deutlich aufgemotzt, auch die Sprechblasen wurden massiv geändert, auch wenn nach wie vor Erika Fuchs als Übersetzerin angegeben ist. Der erste selbstverdiente Zehner war damals beispielsweise noch ein Taler, Dagobert bezeichnete sich noch als »Plutokraten«, heute als »Reichen«. König Midas wird nicht mehr als »alter Grieche«, sondern als »antiker König« bezeichnet, was womöglich daran liegt, dass der Neuübersetzer aus der Wikipedia weiß, dass Midas Phryger war. Statt »Kinderglauben« ist nun von »Märchenglauben« die Rede, da man vermutlich gemerkt hat, dass die Haupt-Zielgruppe des Heftes für einen denunzierend gemeinten Begriff etwas ungünstig gewählt ist. Und warum Dagoberts 1982er Aussage »Na ja, Frauen! Zu kleines Gehirn!« ersatzlos gestrichen wurde, dürfte sich von selbst verstehen. Was hat sich Erika Fuchs damals wohl gedacht, als sie bei der Sprechblase angelangt war?

Die übrigen Comics

Der eigentliche Gundel-Geburtstagscomic, der speziell zu diesem Anlass geschrieben wurde und auch auf der Titelseite des Heftes so beworben wurde, ist »Die Suche nach Nimmermehr«, ein von Maya Astrup ersonnener und von Carlos Mota gezeichneter Zehnseiter. Gundel versucht darin einen Teleportationstrank zu brauen, um sich in Dagoberts Geldspeicher zu beamen, sich den Zehner zu schnappen und gleich wieder zu verschwinden. Für die richtige Rezeptur fehlt noch eine Zutat. Unerwarteterweise funktioniert das Gebräu dann aber durch ein Missgeschick doch. Dommerweise wird dabei Nimmermehr an einen fernen Ort verfrachtet. Gundel versucht anschließend die Rezeptur zu rekonstruieren, bis sie erkennt, dass sie sich auf die Suche nach Nimmermehr begeben muss, um das Rätsel zu entschlüsseln. Tatsächlich handelt es sich auch hierbei um einen ordentlichen Comic, wenngleich eigentlich gar nicht Gundel allgemein hier gefeiert wird, sondern eher ein spezieller Charakterzug von ihr bzw. das Verhältnis, das sie hinter ihrer düsteren Fassade zu ihrem Raben pflegt. Dennoch: Unterhaltsam ist das allemal.

Der Fünfseiter »Groß genug« ist ein halbes Jahrzehnt alt, wurde aber erst im April 2020 im niederländischen Donald-Duck-Magazin erstmals veröffentlicht. Damals hatte der von Gaute Moe geschriebene, von Xavier Vives Mateu skizzierte und von den Inkern des Comicup Studios finalisierte Comic keinen Namen, der internationale Titel lautet jedoch »Big desires« (Große Wünsche). Tick, Trick und Track leiden darin darunter, dass sie immer noch so klein sind, und sie erzählen Donald, dass sie gerne viel größer wären. Dieser schildert ihnen daraufhin eine alte Legende von einem kleinen Jungen, der mittels Alchemie immer weiter wuchs, bis er sogar an den Mond heranreichte. Nun ... nicht unbedingt der beste Comic, da die eigentliche Moral - auf die Größe kommt es nicht an (that's what she said) - nicht sinnvoll rübergebracht wird, und der Schlussgag ist auch eher mager.

Der Zweiseiter »Streng geheim« wurde im vergangenen Jahr von Kari Korhonen geschrieben und gezeichnet, und offenbar wurde er zuvor noch in keinem anderen (internationalen) Magazin abgedruckt. Donald kehrt darin von der Teilnahme an einer Reality-TV-Show nach Hause zurück und wird in Daisy in Empfang genommen. Diese will unbedingt wissen, wie er abgeschnitten hat, er hält sich jedoch an seinen Vertrag und schweigt beharrlich. Letztlich wurde die komplette Story einzig auf den Schlussgang zugeschnitten ... und der ist nicht sonderlich gelungen.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als Extrabeilage lag dem Heft ein »heißer Draht« in Micky-Maus-Kopfform bei, also eines jener Dinger, wie sie in den neunziger Jahren in der »100.000-Mark-Show« mit Ulla Kock am Brinck verwendet wurden. Zwei AAA-Batterien werden benötigt, dann kann man versuchen, eine kleine Gabel rund um den Draht zu führen. Berührt man ihn, gibt es ein unangenehmes Geräusch. Nett, für die zappeligen Erwachsenenhände unserer Teammitglieder jedoch ein Stück zu filigran.

Fazit

Diese Ausgabe des Micky Maus Magazins steht und fällt mit der Frage, ob man den Comic »Der Midas-Effekt« schon kennt oder nicht. Kennt man ihn nicht, erhält man einen der besten Disney-Comics aller Zeiten (Platz 22 von 41.035 bewerteten Comics bei I.N.D.U.C.K.S.). Dann wird man auch große Freude an dem Heft als Ganzes haben. Kennt man ihn schon, dann wird man aufgrund der Tatsache, dass er einen solch großen Anteil dieses Hefts einnimmt, eher weniger begeistert sein. Die nächste Ausgabe wird am 17. September erscheinen und vierzig bunte Comicseiten sowie einen »coolen DIY-Roboter« (naja) enthalten.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 277 (74,9%)
Der Midas-Effekt
2
 
 69 (18,6%)
Die Suche nach Nimmermehr
3
 
 7 (1,9%)
Groß genug
3
 
 7 (1,9%)
Streng geheim
5
 
 5 (1,4%)
Lesen wirkt
5
 
 5 (1,4%)
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Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz