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 Entengeschichten 18/21: Siebzig Jahr' und kein graues Haar
Vor knapp zwei Wochen besprachen wir an dieser Stelle das siebzehnte diesjährige Micky Maus Magazin, das sich als ein ganz ordentliches Heft erwies, wie ihr an dieser Stelle nach wie vor nachlesen könnt. In eurer Abstimmung gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, an dessen Ende »Heldenhund« mit knappem Vorsprung zum besten Comic der Ausgabe gewählt wurde. Am Freitag ist nun ein neues Heft erschienen, und es handelt sich um ein ganz besonderes.

Die Höhepunkte

Normalerweise nennen wir an dieser Stelle die ein, zwei Comics, die wir im jeweiligen Heft am besten fanden. Dieses Mal missbrauchen wir den Abschnitt, denn der eigentliche Höhepunkt der Ausgabe ist, dass es das Magazin tatsächlich geschafft hat, siebzig Jahre für Comicunterhaltung zu sorgen. Vermutlich sind einige Leser der ersten Generation inzwischen selbst Urgroßomas oder Urgroßväter (oder Urgroßdiverse), und sie konnten sich für die gleichen Figuren begeistern wie ihre Urgroßenkel. Klar: Die Auflage ist inzwischen rapide gesunken, die Abrafaxe erreichen inzwischen ein paar Leser mehr, und das mit den grauen Haaren in unserer Überschrift stimmt vermutlich auch nicht ganz - mit siebzig Jahren nicht wenigstens ein paar graue Strähnchen zu haben, das schafft nur Gerhard Schröder -, dennoch ist dies absolut bemerkenswert. Gerade wenn man bedenkt, wie viele Printmedien den Bach runtergegangen sind und wie viel schnellebiger Medien allgemein heutzutage sind, ist es schon erstaunlich, dass nach wie vor alle zwei Wochen mehr als 70.000 Exemplare über die Ladentische wandern.

Die übrigen Comics

Mit der 2020 von Jaakko Seppälä verfassten und von Daan Jippes und Ulrich Schröder in Bilder gegossenen Geschichte »Die Nummer Eins« feiert sich das Micky Maus Magazin selbst. Tick, Trick und Track gelingt es darin, die Erstausgabe der »Ricky Laus« zu ergattern. Donald reagiert unwirsch auf die Neuigkeit, und er kassiert das Heft ein. Seine Neffen sollen erst Hausarbeiten erledigen, ehe sie es lesen dürfen. Dummerweise zerstört Donald das Heft, woraufhin ihm eine schlaue Idee kommt: Er unternimmt eine Zeitreise ins Entenhausen des Jahres 1951, um eine Originalausgabe aufzutreiben. Eine schöne und zum Anlass sehr gut passende Idee, die sich Seppälä da hat einfallen lassen ... und nicht nur die Idee ist gelungen, auch die Story, die er daraus auf zehn Seiten entwickelt hat, weiß zu überzeugen. Das Ganze ist zum einen amüsant umgesetzt worden, zum anderen spricht daraus auch jede Menge Liebe für den Stoff, an dem hier seit siebzig Jahren gearbeitet wird.

Der Sechsseiter »Die App zum Erfolg« wurde in diesem Jahr von Monica Manzoni geschrieben und von Michaela Frare und Cristina Stella zeichnerisch umgesetzt. Es handelt sich dem Storycode nach um eine Geschichte von »Disney Publishing Worldwide«, also keine, die einem speziellen ausländischen Magazin entnommen wurde. Bisher ist uns dies noch nicht in einem anderen Micky Maus Magazin aufgefallen. Der Originaltitel lautete »Too Much Know-How«, und um Know-How geht es darin auch: Dagobert Duck gibt seine Erfahrungen aus der Geschäftswelt und sein Talent zum guten Wirtschaften mit Hilfe einer Smartphone-App an alle Menschen weiter, die für sein Programm bezahlen. Dass die Sache einen Haken hat, bedenkt er dabei nicht. Die Geschichte ist ein ganzes Stück simpler als »Die Nummer Eins«, aber durchaus auch unterhaltsam, da sie auf eine gelungene (und absolut schlüssige) Schlusspointe hingeschrieben wurde.

Jaakko Seppäläs zweiter Beitrag zu diesem Heft trägt den Titel »Hund gegen Katze«. Für die zeichnerische Umsetzung des Vierseiters waren Carmen Pérez und Tony Fernández verantwortlich. Gustav Gans möchte darin mit seinem Schoßhündchen an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen und war deshalb mit diesem in einem Hundesalon. Warum eigentlich - vertraut er seinem Glück etwa nicht genug, dass der Vierbeiner ohne einen Friseurbesuch gewinnen würde? Donald Duck möchte Gustav den Sieg streitig machen, wir erleben hier also ein weiteres Kapitel in der immerwährenden Fehde von Donald und Gustav, wenngleich es sich hier eher um einen »Stellvertreterkrieg« durch die Vierbeiner handelt. Im Vergleich zu Seppäläs erstem Comic in diesem Heft muss dieser hier dann doch deutlich zurückstecken, denn hier wird eigentlich nicht viel mehr gemacht, als eine mittelmäßige finale Pointe vorzubereiten.

Micky Maus feiert seinen ersten Auftritt in diesem Heft in dem Dreiseiter »Futter für Feinschmecker«, in dem er gemeinsam mit Goofy tauchen geht. Unter Wasser schießen die beiden jede Menge Fotos. Während sich Goofy nach und nach darauf versteift, Algen zu knipsen, springt Micky eine besondere Schildkröte ins Auge. Sie vor die Linse zu bekommen, erweist sich jedoch als alles andere als einfach. Schlussendlich ein Comic, der nicht lange in Erinnerung bleibt und bei dem man sich schnell ausrechnen kann, worauf es am Ende hinausläuft. Daher hakt man ihn schnell ab und fährt mit dem nächsten fort. Geschrieben wurde »Futter für Feinschmecker« anno 2020 von Andreas Pihl, die Zeichnungen erledigte Lourdes Rueda.

Auch der drei Seiten lange Daniel-Düsentrieb-Comic »Fallensteller« ist nagelneu. Nun ... zumindest was das Alter des Comics angeht, denn was darin thematisiert wird, gab es schon häufig: Dagobert Ducks Geldspeicher wird von den Panzerknackern belagert, woraufhin sich der emsige Erfinder diverse neue Methoden zur Verbrecherabwehr einfallen lässt. Wie man es nicht anders gewohnt ist, geht dabei einiges schief. Kennt man, hat man schon in besserer Form gelesen, aber auch schon in schlechterer. Gaute Moe schrieb das Skript zu dieser Geschichte, für die Zeichnungen waren erneut Carmen Pérez und Tony Fernández zuständig.

Der einzige Beitrag dieses Heftes, der schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat, ist der neun Seiten lange Micky-Maus-Comic »Die Spiele des Barons«. Ihn konnte man schon im fünfzigsten Heft des Jahres 2006 lesen. Während es bei recycelten Comics oft zu großen Änderungen der Sprechblasen und Kolorierung kommt, kam es in den vergangenen fünfzehn Jahren nur zu marginalen Anpassungen. So wurde aus dem Begriff »gediegen« dieses Mal »richtig klasse«, aus der »Megaversion« eines Videospiels wurde die »Luxusversion« bzw. »Sonderedition«, und aus einem »O-oh« wurde ein signifikant platzsparenderes »Oh«. Ansonsten tat sich so gut wie nichts, selbst die gehörig krumme Formulierung »Später erzähle ich Ihnen über meine Aktiengeschäfte« wurde beibehalten. Micky Maus muss in dem Comic gemeinsam mit Minnie zur elitären Feier einer Baronin gehen, und er findet inmitten gähnender Langeweile eine überraschende Ablenkung. Eine durchaus unterhaltsame Story, die Stefan Petrucha da erdacht hat, und die in den anderthalb Jahrzehnten nichts von ihrem Charme verloren hat. Die Zeichnungen erledigte César Ferioli.

Die Tiefpunkte

An Geburtstagskindern mäkelt man nicht herum.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Eigentlich hätte dieser Ausgabe ein Set zur Aufzucht von Urzeitkrebsen beiliegen sollen (Krebs-Eier, Kraftfutter und Nährstoffe). In unserem Heft fehlten diese. Wir vermuten, dass dies der Tatsache geschuldet ist, dass wir das Heft abonniert haben - womöglich dürfen die Eier lebender Tiere aus rechtlichen Gründen nicht als Heftbeilage in den Versand gegeben werden? Wir wissen es nicht, wir vermuten es nur. Unsere Extrabeilage war stattdessen eine knapp 150 Seiten umfassende Sonderausgabe des »Micky Maus Taschenbuchs«, die mit sechzehn Comics vollgestopft war. Und mal ehrlich: Das ist die viel, viel bessere Beilage, denn was gibt es für Comicfans Schöneres als noch mehr Comics? Neben dem Taschenbuch war auch noch eine von zehn Sammelfiguren (in unserem Fall Dagobert Duck) sowie ein kleiner Mini-Comic beigefügt. Ein Poster, das unzählige Covermotive aus siebzig Jahren Micky Maus Magazin darstellt, gab es obendrauf. Kurzum: Beilagentechnisch enthielt dieses Heft den Höhepunkt des bisherigen Jahres.

Fazit

Alles in allem kann man sagen, dass man mit dieser Ausgabe des Magazins nichts falschmachen kann. Die Comics wissen weitgehend zu überzeugen und sind dem Anlass qualitativ durchaus angemessen. Wenn man wie wir das Glück hat, keine Ausgabe mit Urzeitkrebsen zu erhaschen, sondern eine mit einem Extra-Comicband, dann ist das Gesamtpaket sogar nochmal eine Nummer besser. Daher: Ein schöner Geburtstag nicht nur für die Macher des Magazins, sondern auch für die Leser. Die nächste Ausgabe wird am 2. September erscheinen und 38 Comicseiten enthalten. Als Extra ist ein »heißer Draht« in Form von Micky Maus' Kopf angekündigt, also so ein Ding, wie man es aus dem zweiten Finalspiel der »100.000-Mark-Show« mit Ulla Kock am Brink kennt ... nun, zumindest dann, wenn man so alt ist, dass man in den Neunzigern Abendshows geschaut hat. Lineares Fernsehen, liebe junge Leser - das war damals so eine flimmernde Sache aus eckigen Kisten, mit der wir unsere Jugend verschwendet haben. Fragt mal eure Eltern!


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 217 (50,8%)
Die Nummer Eins
2
 
 108 (25,3%)
Die Spiele des Barons
3
 
 65 (15,2%)
Die App zum Erfolg
4
 
 15 (3,5%)
Hund gegen Katze
5
 
 9 (2,1%)
Fallensteller
6
 
 7 (1,6%)
Futter für Feinschmecker
7
 
 6 (1,4%)
Topfit
An der Umfrage haben 427 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz