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 Entengeschichten 14/21: Surfende Strolche, flexible Flughunde und brennende Banknoten
Vor zwei Wochen besprachen wir an dieser Stelle die dreizehnte Ausgabe des Micky Maus Magazins dieses Jahres. Es handelte sich um ein Heft, das nicht enttäuschte ... zumindest dann, wenn man die beste darin enthaltene Story noch nicht kannte, denn diese war in der Vergangenheit schon einmal in der - damals - größten Jugendzeitschrift der Welt abgedruckt worden. Ihr findet unseren Artikel an dieser Stelle. Leider hatten wir vor zwei Wochen vergessen, die geplante Abstimmung zu starten, so dass wir nicht wissen, welchen Comic ihr am besten fandet. Am 25. Juni ist ein neues Heft in den Handel gekommen, und wir haben es natürlich auch wieder unter die Lupe genommen.

Die Höhepunkte

Zu Ehren von Don Rosa, der am 29. Juni siebzig Jahre alt werden wird, wurde der von ihm geschriebene und von Mau Heymans gezeichnete Comic »Der magische Tunnel« als Schlusscomic des Heftes abgedruckt. Laut der zugehörigen Abstimmung bei der Comicplattform I.N.D.U.C.K.S. zählt er zu den hundert besten Disney-Comics überhaupt, und in der Tat ist er auf der ganzen Linie überzeugend. Nicht nur, dass er wunderbar gezeichnet ist, wird hier ein von Gundel Gaukeley erschaffenes magisches Instrument auf eine äußerst kreative Weise zum Einsatz gebracht. Was dabei herausgekommen ist, ist nicht nur sehr amüsant, sondern deutlich außergewöhnlicher als die meisten anderen Gundel'schen Angriffe auf den Glückszehner. Einziges Manko: Womöglich kennt der ein oder andere Leser den Comic bereits, denn er erschien schon mehrfach in deutschsprachigen Publikationen. Auch in der Micky Maus selbst, denn in der Ausgabe Nummer Fünf des Jahres 1994 war er die Hauptgeschichte. Seitdem wurde die (damals schon überzeugende) Kolorierung nochmal leicht aufgemotzt, und die Sprechblasen wurden modifiziert. Sprüche wie Gundels Ausruf »Schimmlige Schlagenwurz!« gab es damals noch nicht, »Bowling« hieß damals noch »Kegeln«, und da man Frauen heutzutage nicht mehr wegen ihres Aussehens beleidigt, wurde aus Dagoberts wütendem »Häßliche Hexe!« in der neuen Version ein »Du miese Magierin!« Was noch ganz interessant ist: In Fällen wie diesen wurden die Sprechblasen zumeist verschlankt, dieses Mal wirkten sie eher umfangreicher befüllt als vor 27 Jahren.

Die übrigen Comics

Der zehnseitige Dussel-Duck- und Phantomias-Comic »Woge des Verbrechens« wurde schon auf dem Deckblatt als »Super-Comic« angepriesen. Er wurde im vergangenen Jahr von Peter Snejbjerg geschrieben und von Fabrizio Petrossi zeichnerisch umgesetzt. Dussel und Donald Duck begeben sich darin an den (überfüllten) Strand, um die Sonne zu genießen. Die Küste wird gerade von einer Verbrecherbande unsicher gemacht, die auf Surfbrettern unterwegs ist. Als diese auch an der »Flamingobucht« ihr Unwesen treibt, an der die beiden Ducks herumlungern, kommt Phantomias zum Einsatz. Insgesamt löst sich die Sache rasch auf, aber bei zehn Seiten erwartet vermutlich ohnehin niemand eine allzu komplexe Story. Für einen Comic mit Beteiligung von Dussel Duck gab es erfreulich wenig schlechte Slapstick-Kost, und die Andeutungen, dass Dussel einen Verdacht haben könnte, wer Phantomias ist, waren ein netter kleiner Nebenaspekt.

Kaum hat man die Story mit Donalds Superhelden-Alter-Ego hinter sich gebracht, geht es mit einer Story über Goofys Superhelden-Alter-Ego weiter ... vielleicht nicht unbedingt die abwechslungsreichste Reihenfolge. In »Weiche Nüsse« kommt Goofy gerade vom Zahnarzt, als er Zeuge eines Überfalls wird, der sein Einschreiten als Supergoof benötigt. Dummerweise kann er mit den frisch reparierten Beißerchen noch keine Supernuss essen, da diese zu hart sind. Er entscheidet sich deshalb, sie erst zu kochen und dann zu essen, was ungeahnte Folgen hat. Was dabei herauskommt, ist an sich eine witzige Idee, die allerdings dann doch ein Stück zu abstrus ist, um richtig gut zu wirken. Allerdings ist es immer wieder nett, eine Supergoof-Story serviert zu bekommen, denn da es diese (gefühlt) nicht mehr so oft gibt, hat das Ganze einen netten nostalgischen Effekt. Der Fünfseiter wurde im Übrigen 2020 von Jaakko Seppälä geschrieben und von Lourdes Rueda gezeichnet.

Der vierseitige Gundel-Gaukeley-Comic »Mitgefühl« stammt von Gaute Moe und wurde von Pablo Reche gezeichnet. Er erschien unter dem Titel »Stilte na de storm« (Ruhe nach dem Sturm) im vergangenen Juni erstmals im niederländischen Donald-Duck-Magazin. Gundel schleicht sich darin in der Tarnung einer Putzfrau ins Duck'sche Anwesen, um den Glückszehner zu stehlen. Dort erfährt sie von Dagobert Duck, dass in Geldmünzen mehr Charakter steckt, als man es auf den ersten Blick meinen könnte. Natürlich wieder eine ziemlich absurde Idee, aber eine mit ein paar gelungenen rührseligen Momenten und einer durchaus funktionierenden Klammer aus dem Auftakt am Vesuv und dem Schlussgag.

Auch der Sechsseiter »Bügelschaden« wurde dem holländischen Donald-Duck-Wochenmagazin entnommen, er erschien dort am 27. August des letzten Jahres unter dem Titel »Het Geblakerde Bankbiljet«, was »Die verbrannte Banknote« bedeutet. Er wurde von Oscar ten Houten ersonnen und von Núñez gezeichnet. Donald ist darin mal wieder im Geldspeicher am Schuften. Nachdem er alle Zehn-Kreuzer-Münzen poliert hat, soll er Geldscheine bügeln, und da er in Gedanken abschweift, unterläuft ihm ein Missgeschick. Wieder kein Überflieger, aber eine ganz ordentliche Story, bei der man positiv festhalten kann, dass es einem Duck darin endlich (!) mal gelingt, die Verkleidung eines nahen Verwandten zu enttarnen, was viel zu selten geschieht. Die Pointe ist auch gar nicht mal so schlecht.

Der 2020er Dreiseiter »Im Reisefieber«, der von Kari Korhonen geschrieben und gezeichnet wurde, entführt seine Leserschaft in die Jugend von Donald Duck. Der junge Donni schaut sich mit einem Freund ein Fotoalbum an und wird von Fernweh gepackt, woraufhin sich die beiden in einen Zug schleichen und herumfahren lassen. Die Realität erweist sich als nicht ganz so erfreulich, wie es die Fotos angedeutet hatten. Herausgekommen ist eine relativ nichtssagende Geschichte, deren Schlussgag man früh erahnt, weil man Storys dieser Art gefühlt schon hundert Mal gelesen hat.

Die Tiefpunkte

Die Extrabeilage dieses Heftes war - wieder einmal - ein Schießspielzeug, nämlich eine »Doppel-Armbrust«. Wie wir schon vor zwei Wochen mutmaßten, war der Hinweis beigefügt, damit nicht auf Menschen oder Tiere zu zielen, der pro forma jedes Mal ins Heft gedruckt wird, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass damit fast ausschließlich auf Menschen und Tiere gezielt werden wird. Unsere »Doppel-Armbrust« funktionierte schlicht und ergreifend nicht, der zum Spannen zu ziehende Hebel bewegte sich nicht, sondern war verklemmt, und beim Versuch, ihn trotzdem zu ziehen, ist das ganze Ding zerbrochen. Die Quote an dysfunktionalem Plastikabfall, der dem Heft beigelegt wird, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Das Heft enthält ein Gewinnspiel, mit dem man eines von fünf Exemplaren von Don Rosas Meisterwerk »Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden« gewinnen kann, und dafür ist es lediglich notwendig, eine Mail an eine bestimmte E-Mail-Adresse zu schicken. An welche, das erfahrt ihr in der Fußnote auf Seite 49 des Heftes.

Fazit

Alles in allem entpuppte sich die Nummer Vierzehn als eine der besseren Ausgaben des Micky Maus Magazins dieses Jahres. Neben dem absolut hervorragenden Don-Rosa-Comic enthielt das Heft keine einzige Enttäuschung in Comicform. Lediglich die Armbrust war mal wieder ein Stück Ramsch ... aber damit hat man vermutlich auch rechnen können. Das nächste Heft wird am 9. Juli erscheinen, vierzig bunte Comic-Seiten sowie »Ball-Catcher« enthalten. Sollten sich diese nicht als minderwertig herausstellen, könnte es sich um ein Spielzeug handeln, das Kinder vielleicht wirklich in der Praxis benutzen können ... wir sind gespannt.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 276 (67,3%)
Der magische Tunnel
2
 
 32 (7,8%)
Woge des Verbrechens
2
 
 32 (7,8%)
Mitgefühl
4
 
 25 (6,1%)
Bügelschaden
5
 
 22 (5,4%)
Weiche Nüsse
6
 
 12 (2,9%)
Seeungeheuer
7
 
 11 (2,7%)
Im Reisefieber
An der Umfrage haben 410 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz