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 Entengeschichten 13/21: Schrumpfpumper, Shoppingmuffel und Limosüchtige
Vor zwei Wochen thematisierten wir hier an dieser Stelle das zwölfte Micky Maus Magazin dieses Jahres, das auf dem Titelblatt damit beworben worden war, dass es eine Geschichte enthalten sollte, die vom finnischen Fußballer Teemu Pukki stammte ... was dann gar nicht (erkennbar?) der Fall war. Trotzdem war es ein ganz ordentliches Heft, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Ihr empfandet den darin vorkommenden Comic »Geburtstagsschock« mit großem Abstand am besten (45,2 Prozent eurer Stimmen), der 2010 schon einmal im Micky Maus Magazin abgedruckt woren war. Seit dem 11. Juni ist nun ein neues Heft im Handel, und auch dieses haben wir unter die Lupe genommen.

Die Höhepunkte

Ganze elf Seiten umfasst der Comic »Verrückt nach Blubberlutsch«, in dem Donald Duck von der titelgebenden süßen Limonate geradezu abhängig geworden ist. Flasche um Flasche kippt er in sich hinein, und man sieht seinem Körper und seiner Konstitution an, dass dies nicht ohne Spuren geblieben ist. Daisy Duck reagiert wütend, verordnet ihrem Verlobten sowohl einen Blubberlutsch-Entzug als auch ein Fitnesstraining, das sie selbst anleitet. Eine ziemlich amüsante Geschichte mit jeder Menge gelungenen Slapstick-Einlagen, die mit einer guten Dynamit daherkommt und bis zu ihrem Finale überzeugt ... und das trotz eines Deus-ex-Machina-Moments. Einziger Wermuts- oder Blubberlutsch-Tropfen: Die Geschichte ist nicht neu, sondern wurde recycelt. Bereits im Jahre 1984 wurde sie von Philippe Le Bars und Jack Sutter geschrieben und von Daniel Branca gezeichnet, und bereits im Micky Maus Magazin 36 des Jahres 1985 wurde sie hierzulande erstmals veröffentlicht. Zwischenzeitlich folgten weitere Veröffentlichungen in anderen deutschen Publikationen. 1985 hieß der Comic noch »Verrückt nach Limonade«, und auch darüber hinaus wurden diverse Änderungen vorgenommen. Die Kolorierung von heute ist beispielsweise (natürlich) viel schöner ausgefallen. »Fußballfans« wurden damals noch als »Fußball-Rowdys« bezeichnet, dass Daisy ihren Verlobten als »widerwärtig« sowie als »aufgeschwemmt und abstoßend« bezeichnete, wurde ersatzlos gestrichen, und aus einem christlichen »Mein Gott« wurde ein ganz und gar unchristliches »Weia«. Und Blubberlutsch hieß damals eben nur »Löhlein-Limonade«. Letzteres klang tatsächlich noch extrem nach altbackener Bundesrepublik.

Die übrigen Comics

Der auf dem Heftcover als »Top-Comic« angepriesene Zehnseiter »Ein kleiner Streich« aus dem Jahre 2020 stammt von Tormod Løkling und Knut Nærum, womit der erste Streich schon darin bestand, die Autorin dieses Textes auf die Suche nach der richtigen Tastenkombination für Ligaturen und nordische Vorderzungenvokale zu schicken. Die Zeichnungen steuerte Arild Midthun bei. Nachdem Donald Duck eine Aussage Daisys so deutet, dass er mehr Muskelmasse ansetzen soll, beginnt er darin zu trainieren. Die Kinder machen sich daraufhin einen Spaß aus der Sache und täuschen Donald vor, dass er nicht zulegt, sondern vielmehr immer weiter schrumpft. Streckenweise ist die Geschichte ziemlich albern, aber man kann ihr den Unterhaltungsfaktor nicht absprechen. Dass Tick, Trick und Track vortäuschen, dass sie wieder zu Eiern geworden sind, indem sie Eier aus dem eigenen Kühlschrank verwenden, ist im Übrigen eine fragwürdige Idee - dass die Ducks Enteneier im Kühlschrank haben, ist schließlich so, als hätte unserereins ein paar Föten gefrostet ... brrr.

Der sieben Seiten lange Comic »Taktvoll spioniert« aus dem Jahre 2019 berichtet von einem eifersüchtigen Micky Maus. Als er nach einem seiner Abenteuer nach Hause zurückkehrt, erfährt er, dass Minnie inzwischen einen Tango-Intensivkurs belegt ... und zwar mit Mortimer Maus. Daraufhin beginnt Micky seiner eigenen Freundin hinterherzuschnüffeln, um herauszubekommen, was es damit auf sich hat. Für das bißchen Storyline, das hier drinsteckte, waren die sieben Seiten fast schon zu lang, zumal keinerlei Spannung aufkam, da man natürlich nie ernsthaft glaubte, Mickys Beziehung sei in Gefahr. Der Schlussgag fiel auch ziemlich mau aus. Gezeichnet wurde der Comic von Massimo Fecchi auf Basis einer Idee von Maya Åstrup. Mal schauen, welches Sonderzeichen als nächstes an der Reihe ist.

Der Oma-Duck-Vierseiter »Mond gegen Maschine« berichtet davon, dass Dorette Ducks Nachbar ein neues landwirtschaftliches Gerät gekauft hat, das gleichzeitig ernten, säen und düngen kann. Kurzum: Wir haben hier mal wieder eine Geschichte bekommen, in dem die alte Landwirtin mit moderner Technik konfrontiert wird und dieser mit großer Skepsis gegenübertritt. Man kann der Geschichte nicht ihre humoristischen Momente absprechen, was vor allem den tierischen Nebenfiguren zu verdanken ist, die nahezu durchweg amüsante Dinge machen. Der eigentliche Kern der Geschichte wurde jedoch in ähnlicher Form schon gefühlte tausend Mal erzählt. Die Idee zum Comic stammte von Wouter Goudswaard, für die zeichnerische Umsetzung waren Daniel Pérez (Sonderzeichen!) und das Comicup Studio zuständig. Die Erstveröffentlichung erfolgte am 27. Februar 2020 im niederländischen Donald-Duck-Magazin unter dem Titel »Maanstanden« (Mondphasen).

Die Tiefpunkte

In dem Vierseiter »Das Fußballkleid« werden von vorn bis hinten Klischees bedient, die einen vom ersten bis zum letzten Panel die Augen rollen lassen. Donald begleitet Daisy zum Kleiderkaufen, will aber nur Fußball schauen. Die Dame will also shoppen, sie kauft Dinge, die sie nicht kaufen wollte, sie kann sich beim Kauf nicht entscheiden, Stunden vergehen. Der Mann ist von der Frau genervt, will nur Fußball schauen und nutzt dafür während des Wartens auf die Frau jede sich bietende Gelegenheit. Ach ja, und am Ende triumphiert der Erpel. Was soll uns das alles sagen? Der Comic stammt aus dem Jahre 1908 ... sorry, aus dem Jahre 2008 und wurde von Frans Leenheer geschrieben. Die Skizzen fertigte Robbert Damen an, anschließend waren die Inker des Comicup Studios im Einsatz. Zwischen der Erschaffung und der Veröffentlichung des Comics, der im niederländischen Original »Voetbal kijken« (Fußballgucken) hieß, lagen übrigens acht Jahre: Erst am 19. Mai 2016 konnte man sich durchringen, ihn im holländischen Donald-Duck-Magazin abzudrucken.

Die Extra-Beilage des Heftes ist ein »toller Flugdrache«. Als dies vor zwei Wochen angekündigt worden war, hatten vermutlich viele kleine Leser erwartet, sie würden eines jener Spielgeräte bekommen, die an einer langen Schnüre hängen und die man durch den Wind flattern lassen kann. Tatsächlich handelt es sich um ein Stück Stoff, an dem ein Schnipsgummi baumelt, mit dem man das Ding zwei, drei Meter durch die Wohnung schnipsen kann, ehe es auf den Boden plumpst. Man braucht aber auch nicht den Gummi benutzen, man kann es einfach nach vorn werfen. Oder in den Papierkorb. Immerhin: Ein zusätzlicher Haushaltsgummi kann in der Küche nicht schaden.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Im »Startlacher« wurde darauf Bezug genommen, dass Donald Duck eine Comicfigur ist. Wer hätte Meta-Humor an so einer Stelle erwartet?

Fazit

Alles in allem war dies eine Ausgabe, die nicht enttäuscht hat, was vor allem daran lag, dass die beiden längsten darin abgedrucktesten Geschichten die unterhaltsamsten waren. Wenn man die Limonaden-Story schon kennt, ist der positive Eindruck natürlich ein wenig geschmälert. Und über die Einkaufs-Klischee-Breitseite hüllen wir besser den Mantel des Schweigens. Die nächste Ausgabe wird am 25. Juni erscheinen, mit Phantomias auf dem Cover aufwarten und sowohl vierzig Comicseiten als auch eine »Doppel-Armbrust« beinhalten. Hey, endlich mal wieder ein Schießspielzeug - der obligatorische (nutzlose) Hinweis auf das Nichtbeschießen von Menschen und Tieren ist also schon mal fest eingeplant, ebenso die Platzierung des Schießspielzeugs in unserer »Tiefpunkte«-Rubrik.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz