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 Entengeschichten 08/21: Upcycling und Retrocomics
Zwei Wochen ist es her, dass wir die siebte 2021er Ausgabe des Micky Maus Magazins hier thematisierten. Es handelte sich um eine ganz ordentliche Ausgabe, an der uns eigentlich nur ein Comic zum Thema Aprilscherze störte. Unseren damaligen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Seit dem 1. April ist eine neue Ausgabe im Handel, und auch diese haben wir unter die Lupe genommen.

Die Höhepunkte

Der Zehnseiter »Im Dunkeln verschwunden« wurde im August 1986 von Joel Katz und Jack Sutter geschrieben und von Antoni Bancells Pujadas gezeichnet. Glaubt man den Quellen, die man dazu im Internet finden kann, dann wurde er in diesem Micky-Maus-Heft erstmals überhaupt abgedruckt, und es soll international noch keine Veröffentlichung gegeben haben. Das können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen, womöglich war »A Safe Boat Ride« einfach nur unter einem anderen Namen bekannt. Sollte es tatsächlich noch keine Veröffentlichung gegeben haben, dann wäre das ziemlich frevelhaft, denn im Vergleich zu vielen anderen Storys dieser Länge ist sie absolut überzeugend. Micky und Goofy befinden sich darin im Urlaub und unternehmen eine Bootsrundfahrt auf einem städischen Wasserkanal. Unter einer Brücke kommt ein der Mann, der hinter Goofy saß und der sich als Geldschrankexperte entpuppt, abhanden. Eine wirklich ordentliche kleine Ermittlergeschichte mit einem gelungenen Schlussgag.

Die ebenfalls zehn Seiten lange Geschichte »Gang in die Vergangenheit« ist sogar noch älter als der eben erwähnte Comic. Werner Wejp-Olsen und Tom Anderson schrieben sie im Jahre 1981, die zeichnerische Umsetzung übernahm der große Vicar. Dagobert Duck wird darin aus dem »Van-Docht-Klub« geworfen, da er von den dortigen Kunstfreunden als unwürdig angesehen wird. Mac Moneysac macht ein ähnliches Erlebnis durch. Die beiden reichen alten Erpel versuchen daraufhin, mittels einer Zeitreise in den Besitz eines echten Van-Docht-Gemäldes zu gelangen, um sich in der Gegenwart besser positionieren zu können und keine weitere Schmach zu erleiden. Dies führt - wie sollte es anders sein - zu einer Art Wettlauf zwischen den beiden, bei dem einer von ihnen (also Mac Moneysac) falsch spielt. Ein guter Comic, wenngleich er recht vorhersehbar ist. Er wurde schon im 41. Micky Maus Magazin des Jahres 1982 abgedruckt, damals als Einstiegsgeschichte des Heftes. Wie man es von Fällen dieser Art kennt, wurde die Kolorierung seitdem deutlich aufgehübscht, und auch wenn Dr. Erika Fuchs nach wie vor als die Übersetzerin angegeben wird, wurden die Sprechblasen seit 1982 größtenteils abgeändert. Einige Änderungen dienten offensichtlich dem einfacheren Verständnis, so wurde der Begriff »Valuta« gestrichen. Die Kirche wurde zurückgedrängt, denn Dagobert fühlt sich nicht mehr »selig«, sondern »begeistert«, viele Sätze wurden gekürzt. Eigentlich ist kaum eine Sprechblase unberührt geblieben. Außerdem wurden Namen leicht geändert: Der Maler »van Docht« vor vierzig Jahren noch »van Dogh«, der Kunstsammler »Rosenblatt« hieß damals »Rosenblad«.

Die übrigen Comics

Der schon auf dem Titelblatt als »Comic-Highlight« angekündigte Zehnseiter »Aufgemöbelt« beschäftigt sich mit dem, was man heutzutage landläufig als Upcycling bezeichnet, die Wiederverwertung von alten Gegenständen, indem man sie in neue Gegenstände - insbesondere Möbel - verbaut. Vermutlich werden viele, die dies hier lesen, irgendeinen vierzigjährigen Vater in ihrem Bekanntenkreis haben, der es für eine schneidige Idee gehalten hat, seinem Nachwuchs ein Bett oder Sofa aus E-Paletten zu bauen. Im Fall der von Pat und Carol McGreal ersonnenen und von Miguel gezeichneten Geschichte stellt Donald fest, dass die Einrichtungsgegenstände in seinem Haus eigentlich auf einen Müllplatz gehören. Mittels Upcycling - oder eben »Aufmöbeln«, wie es hier genannt wird - verwandeln er und seine Neffen den Sperrmüll in brauchbare Gegenstände, womit sie einen Trend auslösen, der sich nachhaltig auf Dagobert Ducks Geschäfte auswirkt. Der Comic ist nicht übermäßig unterhaltsam, aber man kann ihm anrechnen, dass er einerseits von einer anständigen Aktualität ist, und dass er durch die wirtschaftlichen Folgen und sich daraus ergebende Geschäfte einige gute Ideen beinhaltet.

Beim Sechsseiter »Kohl statt Pizza«, der 2019 von Gaute Moe geschrieben und von Sebastián Puñales gezeichnet wurde, mussten wir mehrmals nachdenken, ob wir ihn nicht besser in die Kategorie der »Tiefpunkte« verfrachten sollten. Er verfügt zwar über ein paar zeichnerisch gelungene Ansätze, etwa die Idee, sechs Panels in Form einer aufgeschnittenen Pizza zu arrangieren, jedoch ist er inhaltlich einfach ... nun, um es zur Geschichte passend zu formulieren: schwer verdaulich. Detektiv Donald Duck versucht darin zu ermitteln, wie es dazu kommen konnte, dass sein Lieblings-Pizzastand durch einen Schnellimbiss abgelöst werden konnte, in dem scheussliche Kohlgerichte verkauft werden. Dabei geht der »Ermittler« einzig und allein nach dem Zufallsprinzip vor, und witzig ist hier praktisch gar nichts.

Die Tiefpunkte

Da wir uns bei der Kohl- und Pizzastory dagegen entschieden haben, sie in diese Rubrik zu verfrachten, bleibt der Bereich der »Tiefpunkte« dieses Mal leer. Nichts an dieser Ausgabe war so schlecht, dass es eine solche Einsortierung verdient hätte. Gut, Dinge wie den »Enten-Kurier« könnte man generell hierhin verfrachten, doch wir sind dazu übergegangen, diese Ärgernisse gar nicht mehr anzuschauen.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als Extra lag dem Heft ein »Emojiji-Schnapper« (das doppelte »ji« ist kein Fehler unsererseits, das Ding heißt wirklich so) bei, obendrein fünf Buttons, die man damit schnappen kann. Es handelt sich um klebriges elastisches Ding, das Staub und Tierhaare magisch anzieht und von dem wir keine Ahnung haben, welchen Sinn und Zweck es haben soll, die Buttons damit zu schnappen. Eine Erklärung wurde auch nicht mitgeliefert - womöglich wissen die Macher selbst nicht, was das Ganze soll.

Fazit

Alles in allem kann man sagen, dass es sich bei der Nummer Acht um eines der besseren Hefte der letzten Monate handelt. Etwas fragwürdig ist, dass dies vor allem zwei Geschichten zu verdanken ist, die schon in den achtziger Jahren entstanden sind, während die aktuellen Parts weit dahinter zurückbleiben. Zum Glück ist der Fundus an guten alten Disney-Geschichten, die noch nicht übermäßig oft abgedruckt wurden, riesig. Die nächste Ausgabe des Magazins wird am 16. April erscheinen und neben vierzig Comicseiten - das hätte zur dieswöchigen Micky- und Goofy-Story gepasst - einen »Schatz-Tresor« enthalten. Vielleicht kann man ja den »Emojiji-Schnapper« hineinlegen.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 185 (47,9%)
Gang in die Vergangenheit
2
 
 118 (30,6%)
Aufgemöbelt
3
 
 55 (14,2%)
Inm Dunkeln verschwunden
4
 
 16 (4,1%)
Kohl statt Pizza
5
 
 6 (1,6%)
Fischfreunde
5
 
 6 (1,6%)
Völlig schwerelos
An der Umfrage haben 386 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz