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 Entengeschichten 07/21: Frau Tunte verliert ihren Namen
Vor zwei Wochen hatten wir hier zuletzt eine Ausgabe des Micky Maus Magazins thematisiert. Das Heft mit der Nummer 6 konnte nicht mit seinem exzellenten Vorgänger mithalten, war aber trotzdem soweit ganz okay. Unsere damalige Besprechung könnt ihr an dieser Stelle finden. Am 19. März ist nun eine neue Ausgabe erschienen - wir haben sie irritierend früh bekommen -, und auch diese haben wir näher betrachtet.

Die Höhepunkte

Obgleich auch das kommende achte Heft noch vor Ostern erscheinen wird, war die Titelgeschichte schon dieses Mal dem Fest gewidmet. Was ja auch Sinn macht, denn bei der nächsten Ausgabe kann man nicht davon ausgehen, dass sie jeder schon vor dem Fest kaufen wird. »Eine App für Eier« wurde im vergangenen Jahr von Peter Snejbjerg ersonnen und von Wanda Gattino gezeichnet. Auf der Titelseite als »Super Oster-Comic« beworben, handelt es sich tatsächlich um eine bessere Festtagsgeschichte. Anlässlich des anstehenden Osterfestes lädt Dagobert Duck darin zu einem App-gesteuerten Eiersuchspiel ein. Natürlich erhofft er sich damit in erster Linie Werbewirkung. Die Panzerknacker erhoffen sich auch etwas, nämlich die Führung durch den Geldspeicher, die es bei dem Wettbewerb zu gewinnen gibt. Ein durchaus ordentlicher Zehnseiter, der durch seinen Handy-Bezug in Form einer Pokémon-artigen Suchapp zeitgemäß gestaltet wurde und eine anständige Mischung aus actionreichen Momenten und österlicher Heile-Welt-Stimmung darstellt.

Die übrigen Comics

«Wunder der Dressur« ist ein Fünfseiter, der bereits im Februar 1962 entstanden ist. In der von Carl Fallberg verfassten, von Paul Murry gezeichneten und ursprünglich von Dr. Erika Fuchs übersetzten Geschichte richtet Pluto Chaos in der Nachbarschaft an, da er die Katze einer der anderen Bewohnerinnen jagt. Micky Maus versucht daraufhin, ihm das Verhalten mit Expertenunterstützung abzutrainieren, es wird jedoch über das Ziel hinausgeschossen. Schon im fünften Heft des Jahres 1963 druckten die Macher des Micky Maus Magazins den Comic ab. Angesichts des hohen Alters waren für uns die Veränderungen von damals zu heute besonders interessant. Die erwähnenswerteste: Der Name der Nachbarin wurde ersatzlos gestrichen. Kein Wunder, denn 1963 hieß die gute Dame noch »Frau Tunte«. Selten war eine Nachkorrektur der Ideen von Erika Fuchs nachvollziehbarer. Davon abgesehen enthielt der Comic 1963 noch deutlich mehr höflich formulierten Unmut, denn Sprüche wie »Es ist unerhört!«, »Entsetzlich!« und »Ich bin empört!« wurden gestrichen. Insgesamt lesen sich die Sprechblasen jetzt schwungvoller, und die Kolorierung hat sich natürlich auch deutlich gebessert.

Man kennt die Geschichte übrigens auch unter dem Titel »Die Entwöhnungskur«, unter diesem wurde sie 1989 als »Mini-Comic« dem Micky Maus Magazin beigelegt. Damals befanden sich in der Mitte des Heftes extrem kleingedruckte Geschichten, die man sich zu einem Extraheft zusammenfalten konnte, das etwas kleiner als A6-Format war (nämlich ein Viertel der Größe des eigentlichen Magazins, wenn wir das recht in Erinnerung haben).

Der Zwölfseiter »Monstermäuse« hat sowohl Höhen als auch Tiefen. Ein wenig skeptisch macht den Leser beispielsweise, dass Tick, Trick und Track darin vor allem deshalb in den Zirkus wollen, wiel sie die Kunststücke sehen möchten, die in die Elefanten hineindressiert wurden. Da sich die gesellschaftlichen Ansichten zur Dressur von Dickhäutern nun mal gewandelt haben, hätte man da wirklich etwas anderes finden können. Die Figuren in dem Comic agieren arg überzeichnet, andererseits wartet der Comic auch mit ein paar netten klassischen Elementen - bis hin zur standesgemäßen Flucht nach Timbuktu - auf, die einem beim Lesen ein wohliges Nostalgiegefühl geben. Daher erfährt man hier gemischte Gefühle. Der Comic ist übrigens zwei Jahre alt und wurde von Mau Heymanns geschrieben und skizziert. Als Inker fungierte das Comicup Studio. Die Erstveröffentlichung hatte am 10. September 2020 in der damaligen Ausgabe des niederländischen Donald-Duck-Magazins stattgefunden, damals unter dem Titel »Muizenissen in het circus« (Mäuse im Zirkus).

Die Tiefpunkte

Der Siebenseiter »Der Geldversteher« widmet sich dem Thema Aprilscherze. Wie schon der Ostercomic, so ist diese Geschichte also genau an den Kalender angepasst veröffentlicht worden. Leider kann sie mit dem Osterbeitrag nicht mithalten. In dem von Gaute Moe ersonnenen und von Massimo Fecci gezeichneten Comic versucht sich Donald an einem fragwürdigen Aprilscherz: Er redet Dagobert ein, er könne mit Geld sprechen. Allerin das ist schon grober Unfug, doch wie weit dies getrieben wird, wie Dagobert darauf reagiert und welche Mühen und Investitionen der reichste Erpel der Welt anschließend in die Sache steckt, entspricht überhaupt nicht dem üblichen Charakterzeichnungen. Überhaupt ist das Verhalten der Ducks hier nicht witzig, sondern einfach nur wunderlich.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Nachdem dem letzten Heft eine »fiese Kack-Schleuder« beigelegen hatte, gab es dieses Mal einen »coolen Flipper« (sowie ein paar Minecraft-Trading-Carts, mit denen wir nichts anfangen können, da sich der nun schon seit Jahren anhaltende Hype um das Blockgrafik-Spiel nicht erschließt). An sich können wir über den Flipper nicht meckern. Kein Waffenspielzeug, kein Gummiexkrement - das ist doch schon mal etwas wert. Wir fürchten allerdings, dass das Ding keinen sonderlich lange anhaltenden Spielspaß erzeugen wird. ;)

Fazit

Alles in allem handelte es sich um eine ganz ordentliche Ausgabe des Micky Maus Magazins, wie wir fanden. Die Klasse des fünften Hefts dieses Jahres wurde nicht erreicht, allerdings war das damals auch ein wirklich außergewöhnlich exzellentes Heft. Sieht man mal von der merkwürdigen Aprilscherz-Geschichte ab, kann man jedenfalls ganz zufrieden sein. Der nächste Band wird am 1. April erscheinen, drei Comicseiten mehr beinhalten und als Extra mit einem »coolen Emojiji-Schnapper« aufwarten. Emojiji? Mit zwei »ji«!?


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 167 (45,0%)
Monstermäuse
2
 
 105 (28,3%)
Eine App für Eier
3
 
 88 (23,7%)
Wunder der Dressur
4
 
 6 (1,6%)
Der Geldversteher
5
 
 5 (1,3%)
Trockenrudern
An der Umfrage haben 371 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz