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 Entengeschichten 06/22: For Whom the Bell Tolls
Knapp vier Wochen sind verstrichen, seitdem wir zuletzt ein Micky Maus Magazin unter die Lupe genommen haben. Die Nummer 4 dieses Jahres erwies sich als vollkommen zufriedenstellend. Zwar fehlte ein richtiger Aha-Moment, aber alles in allem war die Ausgabe ziemlich unterhaltsam. Ihr findet unsere Besprechung an dieser Stelle. Eurer Meinung nach war der Comic »Der Nein-Sager« der Beste des Heftes, 33,3 Prozent von euch waren dieser Ansicht.

Die Nummer 5 haben wir nicht thematisiert, da sich keiner unserer Mitarbeiter dazu motivieren konnte, zwischen allen Meldungen über Putins Angriffskrieg ausführlich über ein lustiges Comicheftchen zu philosophieren. Nun ist die Lage zwar kein Stück besser geworden, aber irgendwie muss es ja dann doch weitergehen, und so haben wir uns das Heft 6 näher angeschaut. Dieses ist seit dem 4. März im Handel, kostet in Deutschland 4,50 Euro und kommt mit vierzig Comicseiten daher.

Die Höhepunkte

Der Zehnseiter »Die Erfindung des Telefons« wird bereits auf der Titelseite als »Top-Comic« beworben. In der von Kari Korhonen geschriebenen und von Flemming Andersen gezeichneten Geschichte ist Dagobert Duck von den Leistungen entnervt, die Donald Duck als Frau Rührigs Stellvertreter im Telefondienst bringt. Als Tick, Trick und Track dazukommen, nutzt Dagobert die Gelegenheit, ihnen (und damit auch den Lesern) die Entenhausener Version der Geschichte der Erfindung des Telefons nahezubringen. Vielleicht ist dies nicht der allerspannendste Comic, und der Schlussgag ist eher zum Vergessen, aber dass den jungen Lesern hier auf unterhaltsame Weise beigebracht wird, was es mit der Erfindung des Telefons auf sich hatte, ist aller Ehren wert. Alexander Graham Bell und der Mechaniker Thomas A. Watson wurden zwar in Enten umgewandelt, aber immerhin korrekt benannt, und auch dass Bells Telefon bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 erstmals einem breiteren Publikum vorgeführt wurde, wurde richtig in die Story eingebaut. Als kleinen Bonus hätte man vielleicht noch das ein oder andere kleine technische Wunderwerk, das 1876 erstmals präsentiert wurde, in die Panels einbauen können, aber wir wollen mal nicht meckern.

Die übrigen Comics

«Fähnlein im Wind« ist ein Fünfseiter, den Frank Jonker vor drei Jahren erdacht hat und der von Raúl Bratesco zeichnerisch umgesetzt wurde. Er wurde erstmals im Juli 2020 im »Matrozenspecial« des niederländischen Donald-Duck-Magazins veröffentlicht. Damals hieß der Comic »Winnen op het water«, was man mit »Auf dem Wasser gewinnen« übersetzen kann. Tick, Trick und Track nehmen darin im Namen des Fähnlein Fieselschweifs an einem Schiffsrennen auf dem großen Gumpensee teil. Auch Dicky, Dacky und Ducky sind mit von der Partie. Im Gegensatz zu den meisten Disney-Wettrennen-Comics ist hier dieses Mal kein Bösewicht mit im Rennen, der einen Wettbewerber nach dem anderen auf unfaire Weise aus dem Wege räumt. Stattdessen kommt ein Sturm den Seefahrern in die Quere. Letztlich entpuppt sich der Comic als eine reine Heile-Welt-Geschichte, die ein paar Level zu harmlos und friedlich ausgefallen ist. Aber vielleicht ist so etwas in Zeiten wie den aktuellen ja gar nicht so falsch.

Es gibt bekanntlich ein paar Motive, die in Disney-Comics immer wieder verarbeitet werden. Dass Goofy unter dem Messie-Syndrom leidet, ist einer der Ansatzpunkte, die in schöner Regelmäßigkeit gewählt werden. Letztlich kommen dabei zwei Arten von Storys raus: Entweder finden Goofy und Micky auf dem zugemüllten Dachboden eine überraschende Erfindung eines Urahnen von Goofys, oder es wird erfolglos versucht, Goofys Müllproblem zu lösen. Welche der beiden Varianten im Dreiseiter »Entrümpelt« gewählt wurde, wird bereits durch den Titel gespoilert. Und so läuft dieser Comic dann auch wirklich zu hundert Prozent so ab, wie man es erwartet. Leider ziemlich einfallslos also. Der Comic stammt von Peter Snjebjerg und wurde von Diego Bernardo gezeichnet.

Donald Ducks »Kuchenproblem« aus dem gleichnamigen Comic besteht darin, dass er für Daisys Damenkränzchen eine Reihe von Stückchen unterschiedlicher Leckereien besorgen soll, die zusammengeschoben dann aber trotzdem wieder einen ganzen Kuchen ergeben sollen. Da Donald die Sache nicht selbst auf die Reihe bekommt, bedient er sich der Hilfe des zufällig vorbeilaufenden Primus von Quack. Irgendwie haben es Storyerfinder Jaakko Seppälä und Zeichner Sebastián Puñales geschafft, aus diesem sehr überschaubaren storytechnischen Ansatz ganze vier Seiten rauszuholen. Leider sind diese wieder nicht so richtig unterhaltsam ausgefallen, und um den finalen Gag des Comics gut finden zu können, muss man auch einen großzügigen Tag erwischt haben. Bis zu diesem Punkt des Heftes konnte man wirklich den Eindruck bekommen, dieses Mal würde es besonders harmlos und unspannend zugehen.

«Feurige Farbprobe« ist dann aber doch wieder ein Stück spannender ausgefallen. Es handelt sich um die neueste Etappe in der ewigen Versuchsreihe Gundel Gaukeleys, an den Glückszehner von Dagobert Duck zu gelangen und ihn zu einem Amulett umzuschmelzen. In diesem Fall kommt die Hexe vom Vesuv ihrem Ziel bedrohlich nahe. Die Art und Wiese, in der Gundel an das Geldstück gelangt, ist bemerkenswert simpel ausgefallen und wird insbesondere Dagobert Duck nicht sonderlich gerecht, der Rest des Comics ist jedoch dann durchaus kreativ in Szene gesetzt worden. Nach den vorausgegangenen Comics ist dies hier deshalb ein deutlicher Fingerzeig nach oben, auch wenn man noch lange nicht von einem echten Höhepunkt sprechen kann. Geschrieben wurde der Comic im Übrigen von Gerard Leever und Mathys van der Harst, als Zeichner war erneut Sebastián Puñales im Einsatz. Er wurde dem 37. niederländischen Donald-Duck-Magazin des vergangenen Jahres entnommen. Dort war er unter dem Titel »Vesuvius« veröffentlicht, und dieser bedeutet tatsächlich einfach nur »Vesuv«.

Im Achtseiter »Der größte Schatz« ist Dagobert Duck von seiner Arbeit so sehr gestresst, dass er kollabiert. Ihm wird daraufhin von einem Arzt ein Monat Ruhe verschrieben und empfohlen, diese möglichst im Urlaub abseits jedweder Zivilisation zu finden. Gemeinsam mit Donald und den Kindern reist der reichste Erpel der Welt daraufhin in die Südsee. Ganz so ruhig wie erhofft wird es dann (natürlich) nicht, vielmehr gehen die Ducks auf Schatzsuche. Irgendwie haben wir den Eindruck, dass es noch gar nicht allzu lange her ist, dass der überarbeitete Dagobert zuletzt in einer Micky-Maus-Geschichte oder einem Comic aus dem Lustigen Taschenbuch zu Urlaub verdonnert wurde und mit seiner Familie auf einer südseeartigen Insel landete ... wir bekommen aber partout nicht raus, was uns da durch den Kopf spukt. Dieser Comic hier ist jedenfalls durchaus unterhaltsam. Die Crux daran: Langjährige Micky-Maus-Leser könnten ihn bereits kennen, denn das von John Kane und Jack Sutter erfundene und von Paco Rodriguez gezeichnete Werk wurde bereits im 35. Micky Maus Magazin des Jahres 1998 abgedruckt. Damals war es der Auftaktcomic. Paco Rodriguez wurde damals noch als »Rodriques« bezeichnet. Während es bei Wiederabdrucken sonst zu diversen Anpassungen der Sprechblasen kommt, wurden die Texte dieses Mal komplett belassen, wenn wir das richtig überblickt haben. Lediglich eine Anpassung an die in der Zwischenzeit vorgenommene Rechtschreibreform wurde vorgenommen.

Die Tiefpunkte

Im fünften Heft, das wir hier nicht detailliert besprochen haben, hatte eine Story namens »Verborgene Talente« ihren Anfang genommen. Dabei wurde die Entenhausener Version von »The Masked Singer« ins Leben gerufen. Das Besondere daran: Es schien so, als würde es sich um eine Fortsetzungsgeschichte handeln, und in der guten alten Micky-Maus-Zeit waren dies meist die besten Comics, da sie einfach mehr Platz für eine komplexe Story boten. Der erste Teil von »Verborgene Talente« hatte zwar seine holprigen Momente, etwa weil es viel zu offensichtlich ist, wer unter den Masken steckte, aber immerhin ließ uns der Hinweis auf eine Fortsetzung hoffen, dass im weiteren Verlauf noch etwas Interessantes geschehen würde. Doch weit gefehlt: Das neue Heft enthält zwar einen zweiten und dritten »Teil« des Comics, doch beide sind jeweils nur eine Seite lang, und beide bieten lediglich weitere Auflösungen, wer sich unter den Masken verbirgt. Und als wäre das nicht bereits dürftig genug, ist das Trauerspiel, zu dem sich der Comic entwickelt hat, noch nicht einmal zu Ende. Eine Maske wird erst in Heft 7 gelüftet ... na hoffentlich findet man dafür eine halbe Seite Platz.

Die Extrabeilage des Heftes war mal wieder ein Waffenspielzeug, dieses Mal ein »mega Leuchtsäbel«. Garniert wurde er mit dem Hinweis, dass »unachtsames Spielen« Menschen und Tiere verletzen könnte. Na, dann hoffen wir mal, dass die lieben Kleinen ihren Kumpels damit nur höchst achtsam auf die Rübe klopfen, damit nichts passiert. Aufgrund der Starrheit und Größe des aufgeklebten Extras ist uns auch noch die Titelseite des Heftes zerrissen, als wir versucht haben, das doofe Schwert vom Magazin zu trennen. Deshalb gibt es dieses Mal auch kein Foto unseres vierbeinigen Webseiten-Maskottchens mit dem Heft.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Ausnahmsweise ist dieses Mal alles gesagt.

Fazit

Das sechste Micky Maus Magazin dieses Jahres wird nicht unbedingt als denkwürdig in die Geschichte eingehen. Dass die Kinder hier über Alexander Graham Bell informiert werden, muss man dem Magazin als positiv anrechnen, die meisten anderen Comics waren von überschaubarer Qualität. Die Fortsetzungen von »Verborgene Talente« waren sogar regelrecht zum Abgewöhnen und selbst für sehr junge Leser vermutlich eine Beleidigung ihres Verstandes. Die nächste Ausgabe wird am 18. März erscheinen und vierzig Comicseiten beinhalten. Als Extra ist eine Nachtsicht-Brille vorgesehen. Diese war erst zum Jahreswechsel in Heft 1/2022 eine von mehreren möglichen Überraschungs-Extras. Immerhin: Nur ein kleiner Teil der Micky-Maus-Leser dürfte dieses Extra erwischt haben. Wer schon länger dabei ist, dem wird jedoch auf jeden Fall schon eine Nachtsicht-Brille begegnet sein: In Heft 24/2020, das wir an dieser Stelle besprochen hatten, war bereits eine dabei.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 159 (40,1%)
Der größte Schatz
2
 
 103 (25,9%)
Die Erfindung des Telefons
3
 
 97 (24,4%)
Feurige Farbprobe
4
 
 19 (4,8%)
Kuchenproblem
5
 
 16 (4,0%)
Fähnlein im Wind
6
 
 3 (0,8%)
Entrümpelt
An der Umfrage haben 397 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz