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 Entengeschichten 05/21: Meisterdiebe, Filmstars, Vetternwirtschaft
Bekanntlich lassen wir derzeit fünf unserer Mitarbeiter das aktuelle Lustige Taschenbuch lesen und setzen sie dabei einem recht hohen Maß an Frustration aus, denn der Band ist wirklich unterirdisch. Es sind allerdings auch schon wieder mehr als zwei Wochen vergangen, seitdem wir hier zum letzten Mal eine Ausgabe des Micky Maus Magazins thematisierten. Die damalige Analyse findet ihr an dieser Stelle. Seit dem 19. Februar ist schon ein neues Heft erschienen, nämlich die Nummer Fünf dieses Jahres, und auch dieses Heft wollen wir unter die Lupe nehmen.

Die Höhepunkte

Neben einer (hässlichen) »SuperZings«-Figur enthielt diese Ausgabe des Micky Maus Magazins einen zufälligen (älteren) Band der »Micky Maus Comics« als Beilage. Vermutlich wird der Verlag auf diese Weise Restbestände los, die sich nicht mehr verkaufen lassen - zumindest vermuten wir das -, aber was auch immer der Grund ist: Es bedeutete, dass man zusätzlich zu den eigentlichen vierzig Comicseiten des aktuellen Magazins nochmal kostenlos 140 weitere Seiten obendrauf bekommen hat. In unserem Fall handelte es sich um den siebten Band, es können aber auch diverse andere beiliegen. Immerhin entspricht das Büchlein einem Wert von (damals) 4,99 Euro, die man hier einfach geschenkt bekommt. Zwar handelt es sich nicht um Comics der allerersten Güte, die darin abgedruckt wurden, aber allein schon in Anbetracht der reinen Quantität sollte man sich freuen. Und seien wir mal ehrlich: Im Gegensatz zu dem meist katastrophalen Plastikspielzeug, der dem Magazin häufig als Extra beigelegt wird, ist eine dreistellige Zahl an Extra-Comicseiten viel mehr, als man sich normalerweise erhoffen kann.

Die übrigen Comics

In dem Comic »Neues vom Schwarzen Ritter«, der 2020 von Lars Jensen ersonnen und von Marco Rota gezeichnet wurde, feiert der vor einem knappen Vierteljahrhundert von Don Rosa erschaffene (aber recht selten verwendete) Meisterdieb Arpin Lusene seine Rückkehr. Zugegebenermaßen: Wir mussten auch erstmal nachschauen, so richtig konnten wir uns an ihn nicht mehr erinnern. Im Heft 28/1998 gab es ihn erstmals auf Deutsch, zuletzt sah man ihn in der Geschichte »Der Schwarze Ritter sprotzt wieder« in Heft 40/2004. Seitdem wurden die damaligen Storys in anderen Publikationen immer wieder aufs Neue abgedruckt. Für einen Comic aus dem Micky Maus Magazin bewegt sich die neue Geschichte, in der Lusene in einem von Dagobert Ducks Hotels eincheckt und in den Verdacht gerät, es auf ein ganz bestimmtes Kleinod abgesehen zu haben, auf einem recht hohen Niveau. Einzig die Auflösung ist ein bißchen arg kurz geraten. Aber auch hier wollen wir mal nicht meckern, die Geschichte war in Ordnung.

Der von Svend Carøe und Bengt-Åke Håkansson geschriebene und anschließend vom großen Vicar gezeichnete Comic »Getäuschte Erwartungen« hat schon mehr als vierzig Jahre auf dem Buckel und wurde in der Vergangenheit auch schon mal im Micky Maus Magazin abgedruckt, nämlich im fünften Heft des Jahres 1978. In den Jahren dazwischen wurde der Comic, in dem Daisy und Donals auf verschiedene Weise für das Filmgeschäft entdeckt werden, woraufhin in beiden Fällen nicht ganz das daraus wird, was sie sich erhoffen, wiederholt in den »tollsten Geschichten von Donald Duck« aufgegriffen. Bei Zweit- und Drittverwendungen interessieren und stets die Veränderungen am meisten, und auch hier hat sich wieder einiges getan. Die Kolorierungen sind deutlich schöner ausgefallen, so gibt es beispielsweise keine Panels mit grünem Himmel mehr ... wie konnte das damals nur passieren? Einige nicht mehr zeitgemäße Begriffe wurden ersetzt, so strich man das wunderbare Wort »holdselig«, das Dr. Erika Fuchs in den Siebzigern für ihre Übersetzung verwendete, und ersetzte es durch »heiter«. Aus »Quatsch mit Soße« wurde ein stumpfes »Grr«, die mehrmalige Bezeichnung von Daisy als »Fräulein« wurde gestrichen, Donald ist heuer ein »Tollpatsch« anstelle eines »Hampelmanns«, und die Schauspielerin »Gisi Gössel« wurde in »Emma Stein« umgetauft. Emma Stone ist uns natürlich ein Begriff, aber auf wen spielte wohl der frühere Name an?

Der zweiseitige Gagcomic »Filmreife Leistung« wurde 2019 von Gaute Moe geschrieben und von Sebastian Puñales gezeichnet. Daisy und Donald sind darin auf Skiern in den Bergen unterwegs und versuchen sich per Handyvideo möglichst gut in Szene zu setzen, um das Ergebnis ihrer Aufnahmen anschließend bei »DuTube« hochladen zu können. Im Grunde ist von vorneherein klar, auf welche Pointe der Comic hinausläuft, sonderlich einfallsreich ist er also nicht. Immerhin: Das Handygedöns ist natürlich am Puls der Zeit und gefällt daher vermutlich jungen Lesern.

In einer vierseitigen Geschichte aus dem Jahre 2019 erzählt Jaakko Seppälä vom »Besuch von Vetter Paul«, wobei hier ein Vetter von Kater Karlo gemeint ist. Für die Zeichnungen war Diego Bernardo verantwortlich. Kater Karlo stellt darin überrascht fest, dass sein Cousin Hekor Porridge - ein Ermittler - genauso aussieht wie der im Titel erwähnte (kriminelle) Vetter Paul, und so kommt er auf die Idee, sich ihre Ähnlichkeit in einem Fischzug zunutze zu machen. Auch hier kann man sich natürlich von Anfang an zusammenreimen, was das Ergebnis des Ganzen ist und auf welche Pointe der Comic hinausläuft. Dennoch kann man der Geschichte einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen.

In dem fünfseitigen Comic »Sehr sensibel« aus dem Jahre 2020, welcher von Lars Jensen geschrieben und von Núñez gezeichnet wurde, spielt auch ein niegelnagelneuer Vetter eine große Rolle: 176-666, ein Verwandter der Panzerknacker, der hochsensibel ist. Und zwar in jeder Hinsicht - er kann besonders gut schmecken, besonders gut hören, besonders gut sehen, besonders gut fühlen. Die anderen Panzerknacker kommen daher auf die Idee, dass er den perfekten Wachposten für einen Einbruch abgeben könnte. Wären wir allzu repetetiv, wenn wir auch hier wieder schreiben würden, dass sich die Schlusspointe recht schnell absehen lässt? Aber so ist das halt in Entenhausen: Eine Spezialität, die Gangster ausnutzen wollen, wendet sich am Ende immer gegen sie selbst. Schlussendlich kein überragender, aber auch kein sonderlich schlechter Part dieses Heftes. Hochsensibilität zum Thema einer Geschichte zu machen, ist natürlich gar nicht mal so unkreativ, aber dass es so etwas wirklich gibt, geht für junge Leser gar nicht hervor.

Satte dreizehn Seiten umfasst der letzte Comic dieser Ausgabe, nämlich die Geschichte »Sicher ist sicher« aus dem Jahre 2016. Es handelt sich um eine niederländische Story, die im Juni des Jahres 2018 im dortigen Donald-Duck-Wochenmagazin erstmals abgedruckt wurde. Damals trug sie den Titel »De dubbeltjesjacht«, was wortwörtlich übersetzt »Die Groschenjagd« hieße, sich aber natürlich auf eine Jagd nach dem Glückszehner von Dagobert Duck bezieht. Die von Sieger Zuidersma geschriebene, von Carmen Pérez skizzierte und von den Inkern des Comicup Studios fertiggestellte Geschichte erzählt von einem neuen Versuch Gundel Gaukeleys, dem reichsten Erpel der Welt den ersten selbstverdienten Zehner abzuluchsen. Dieser wird zeitgleich von einem Mann aufgesucht, der ihm ein neues Sicherheitssystem verkaufen möchte. Tatsächlich handelt es sich um eine ganz ordentliche Geschichte, was vor allem an einem gewissen Überraschungseffekt liegt. Wir hätten nämlich darauf gewettet, dass der Sicherheitsmann ein verkleideter Panzerknacker ist, doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Und das ist ein netter Ausgleich nach den ganzen vorhersehbaren Comics.

Die Tiefpunkte

Im Heft 10/2020 behaupteten die Macher des Micky Maus Magazins im Rahmen ihrer Rubrik »Schon gewusst«, William Shakespeare hätte den Begriff des »Champions« erfunden. In unserer damaligen Heftbesprechung stellten wir richtig, dass er nicht den Begriff »Champion« erfand - diesen gab es schon zuvor -, sondern das Verb »to champion« in der Bedeutung von »kämpfen«. Nun wurde der gleiche Unfug wieder in die Rubrik »Schon gewusst« gepackt. Zum einen ist es ganz schön erbärmlich, wie repetetiv man beim Micky Maus Magazin selbst in kurzen Zeitabständen ist, zum anderen sollte schon etwas mehr Sorgsamkeit in Informationen fließen, die jungen Lesern gegeben werden. Und sooo viele Online-Besprechungen des Magazins gibt es nun wirklich nicht, die man dort im Auge behalten müsste, dass man nicht mehr hinterherkäme. So viel Interesse an der eigenen Arbeit sollte man schon haben, dass auf Richtigstellungen nicht gepfiffen wird.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

In einem weiteren Beitrag der Rubrik »Schon gewusst« wird das Datum erwähnt, an dem der Legende nach die erste Weißwurst serviert wurde. Die Pointe an der Sache, nämlich dass es sich dabei um ein Fehlfabrikat bei der Bratwurstherstellung handelte, das in Folge von schwerer Zeitnot zustandekam, wurde leider ausgespart. Dabei wäre das eigentlich die viel interessantere Information gewesen als das (völlig irrelevante) Datum.

Fazit

Womöglich sind wir im Angesicht des sehr schwachen Lustigen Taschenbuchs, das wir derzeit lesen, ziemlich weichgeklopft, aber wir können hier tatsächlich mal ein sehr gutes Fazit ziehen. Comics wie »Neues vom Schwarzen Ritter«, »Getäuschte Erwartungen« und »Sicher ist sicher« kamen uns deutlich stärker als der übliche Micky-Maus-Durchschnitt vor, und mit dem Extra-Comicbuch gab es eine exzellente Zusatzbeilage. Würden alle Ausgaben des Micky Maus Magazins so ausfallen, dann wären wir schwer begeistert. Das nächste Heft wird am 5. März erscheinen und dann eine »supereklige und superlustige Kack-Schleuder« als Beilage haben. Die Befürchtung, dass wir in zwei Wochen kein so gutes Fazit ziehen können wie dieses Mal, ist schon aufgrund dieses Unsinns recht groß.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 157 (37,9%)
Getäuschte Erwartungen
2
 
 131 (31,6%)
Neues vom Schwarzen Ritter
3
 
 98 (23,7%)
Sicher ist sicher
4
 
 16 (3,9%)
Sehr sensibel
5
 
 7 (1,7%)
Filmreife Leistung
6
 
 5 (1,2%)
Besuch von Vetter Paul
An der Umfrage haben 414 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz