Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
47.207 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »Sigrid Liedtke«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
 Entengeschichten 04/22: Chaosrenner, Neinsager und Grasbeißer
Vor rund zwei Wochen hatten wir an dieser Stelle das dritte Micky Maus Magazin des laufenden Jahres besprochen. Es hatte sich um eine Ausgabe gehandelt, die zwei Drittel lang überzeugte und dann durch einen Comic heruntergerissen wurde, der mit einem derart altbackenen und überzeichneten Frauenbild daherkam, dass man nicht umhinkam, sich zu ärgern. Den damaligen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Ihr empfandet den Comic »Schickes Skihotel« mit knappem Vorsprung am besten: 34,6 Prozent von euch waren dieser Meinung. Seit dem 4. Februar gibt es nun die vierte Ausgabe dieses Jahres, und auch diese haben wir uns angesehen.

Die Höhepunkte

Ausgerechnet im Abschnitt »Höhepunkte« müssen wir das Einzige aufführen, das an dieser Ausgabe schade ist: Einen richtigen »Ausbrecher nach oben« gab es unter den Comics dieses Mal leider nicht. So gut wie alles las sich ziemlich gefällig, aber einen Moment, den man besonders lobend hervorheben müsste, gab es leider nicht. Das Gute ist: Es gab auch keinen »Ausbrecher nach unten«.

Die übrigen Comics
(in diesem Fall: alle Comics)

Bereits auf der Titelseite des Hefts wird der Zehnseiter »Das große Chaosrennen« als »super Sport-Comic« beworben. Ob man in dem Fall wirklich von Sport sprechen kann, lässt sich diskutieren. Im winterlichen Entenhausen dürfen die Bürger an einem Wettrennen teilnehmen, an dem es nur wenige Regeln gibt: Sie dürfen nicht motorisiert unterwegs sein, keine Raketen nutzen, und Gustav Gans darf gar nicht starten. Was schlussendlich dabei herauskommt, kann man sich im Grunde genommen schon denken: Wie bei praktisch jedem anderen Wettrennen im Disney-Universum gibt es einen Teilnehmer, der falsch spielt, und der versucht, einen Rivalen nach dem anderen mit unlauteren Mitteln aus dem Weg zu räumen. Kennt man, hier wurde es immerhin jedoch so überzeichnet, dass es frische und witzige Momente gibt. Etwas fragwürdig ist am Ende die Regelauslegung, durch die der Sieger zum Sieger wird ... da wollen wir nicht spoilern. Der Comic stammt von Gaute Moe und wurde von Andrea Ferraris gezeichnet.

Mit »Der Nein-Sager« enthält das Micky Maus Magazin dieses Mal einen Comic des großen Vicar. Er wurde von ihm 1976 auf Basis einer Idee von Jack Sutter gezeichnet. Darin versucht Dagobert Duck mittels einer Erfindung Daniel Düsentriebs, nervige Personen loszuwerden, die ihm Geschäftsideen verkaufen wollen, nach denen ihm nicht der Sinn steht. Am Ende kommt es genauso, wie man es sich von einem Comic denken kann, der rund um eine Daniel-Düsentrieb-Erfindung gebaut wurde: Etwas geht in die Hose ... und zwar genau das, womit man sofort rechnet, wenn man die Erfindung zum ersten Mal sieht. Bereits im 32. Heft des Jahres 1977 konnte man den Achtseiter erstmals in deutscher Sprache lesen. Damals war es der Startcomic. Die Kolorierung hat sich (wie in einem solchen Fall üblich) extrem verbessert, und an der Originalübersetzung von Dr. Erika Fuchs wurde dieses Mal vergleichsweise wenig herumgeschraubt. Aus einem »Auf Ehre!« wurde »Ganz ehrlich, glaub mir!«, Daniel Düsentrieb ist kein »Diplom-Erfinder« mehr, sonmdern »Diplom-Ingenieur«, dass für eine Tonaufnahme ein Tonband genutzt wird, ist zwar optisch noch zu sehen, wird aber nicht mehr benannt. Bittsteller werden nicht mehr als »Probleme« bezeichnet, sondern als Bittsteller, und Dagobert Duck will Daniel Düsentrieb am Ende nicht mehr »vernichten, zerfetzen und zu Zunder zerreißen«, sondern »vernichten, verklagen, verhaften und verdonnern«.

Der »Kampf um die Knusperflocken« wird auf fünf Seiten geführt. Micky Maus vermisst während eines Einkaufs schmerzlich seine Lieblings-Frühstücksflocken. Die Lager sind leer, weil der Transporter mit der letzten Lieferung verschwunden ist. Dass beim zugehörigen Diebstahl mehr als nur der Appetit auf Cerealien dahinter steckt, erfährt Micky, als er gemeinsam mit Minnie an einem Kochkurs teilnimmt. Zufälle gibt's. Die Geschichte ist halbwegs unterhaltsam, wenngleich man sich natürlich auch hier rasch denken kann, worauf die Sache hinausläuft. Auch der Schlussgag ist keine große Überraschung. Etwas merkwürdig sehen die Gesichter der Figuren auf einigen Panels aus - stellvertretend sei hier das verzerrte Antlitz von Minnie Maus im Abschlussbild genannt. Für die Zeichnungen war Loures Rueda verantwortlich, sie setzte dabei eine Idee von Jaakko Seppäla um.

«Waffeln für Sankt Putersburg« würden wir mit knappem Vorsprung als den besten Comic dieses Heftes bezeichnen, wenngleich er auch nicht so überragend ist, dass es für die »Höhepunkte«-Kategorie gereicht hätte. Dafür hätte das Ganze vielleicht ein wenig mehr Seiten benötigt. Aber auf jeden Fall handelt es sich um einen nette Heile-Welt-Geschichte. Dem Gefühl nach hätte sie vielleicht ein wenig besser in die Vorweihnachtszeit gepasst. Donald reist darin mit seinen Neffen in das Städtchen St. Putersburg, wo sein unbekannter Vetter Dimo lebt. Dieser leitet einen Waffelladen, will aber bald in den Ruhestand gehen. Vorerst muss er für eine Woche verreisen, weswegen Donald und die Kinder seine Geschäfte vorübergehend führen. Wie gesagt: Eine schöne kleine Geschichte. Der Fünfseiter stammt von Gorn Transgaard und wurde von Cynthia Pineda gezeichnet.

«Abgegrast« ist soweit ein ganz netter Comic, in dem Tick, Trick und Track gemeinsam mit dem freundlichen Rollstuhl fahrenden Jungen Ole einen Kriminalfall lösen. Dabei schleust eine altbekannte Verbrecherbande einen automatischen Rasenmäher in fremde Haushalte ein und raubt diese anschließend aus. Kleiner logischer Haken an dem Ganzen: Die Jungs kommen den Dieben nur auf die Schliche, weil sie einen Gegenstand nicht mitnehmen, während sie den Rest des Hauses ausräumen. Das ergibt aber eigentlich keinen Sinn, denn sie haben dadurch nur einen unnötigen Aufwand am Folgetag. Zudem ist es ein grundlos liegengelassenes Beweismittel. Dennoch: Das war ein ordentlicher Ausklang für dieses Micky Maus Magazin. Der Comic ist elf Seiten lang und wurde 2019 von Sieger Zuidersma geschrieben, Cèsar Ferioli sorgte für die Zeichnungen. Die Erstveröffentlichung erfolgte in der 49. Ausgabe des niederländischen Donald-Duck-Magazins im Jahre 2020 unter dem Titel »Het grasbijtertje«, zu Deutsch »Der Grasbeißer«.

Die Tiefpunkte

Und hier wären wir eben bei dem Guten angelangt, das wir schon bei den »Höhepunkten« angedeutet haben: Es gab auch keine Tiefpunkte. Alle Comics hatten in gewissem Maße ihren Reiz, im Gegensatz zur letzten Ausgabe gab es keine Geschichte, über die man sich ärgern musste, und auch auf Waffenspielzeuge und ähnlichen Nonsens wurde dieses Mal verzichtet. Der »Enten-Kurier« ist natürlich auch dieses Mal Nonsens, aber eigentlich können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein regelmäßiger Käufer des Magazins darauf überhaupt einen richtigen Blick wirft.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als Extrabeilage enthielt das Heft ein »spannendes Air-Hockey-Spiel«. Auf der Seite zum Extra werden die Regeln des Eishockeysports grob beschrieben. Sinnvoller wäre es gewesen, die Regeln des beiliegenden Air-Hockey-Spiels zu beschreiben, denn es dürfte nicht für jeden der kleinen Leser des Hefts selbsterklärend sein. Davon ist keine Spur zu finden ... oder haben wir etwas übersehen!?

Fazit

Alles in allem kann man dieses Mal sagen, dass wir mit dieser Ausgabe des Micky Maus Magazins zufrieden waren. Vielleicht fehlte eine qualitativer Aha-Moment, aber das war nicht weiter schlimm, denn insgesamt erhält man hier ein paar Minuten schönen harmlosen Lesespaß. Das nächste Heft wird am 18. Februar erscheinen, vierzig bunte Comic-Seiten beinhalten und als Extra ein »cooles Pinball-Game« mitliefern. Nachdem das »spannende Air-Hocky-Spiel« in dieser Woche nicht erläutert wurde, sondern die Eishockey-Regeln daneben geschrieben wurden, sind wir darauf gespannt, was man auf der Seite zum »Pinball-Game« finden wird. Vielleicht die Regeln von Poolbillard? ;)


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 126 (33,3%)
Der Nein-Sager
2
 
 94 (24,9%)
Das große Chaosrennen
3
 
 86 (22,8%)
Waffeln für Sankt Putersburg
4
 
 33 (8,7%)
Abgegrast
5
 
 27 (7,1%)
Kampf um die Knusperflocken
6
 
 8 (2,1%)
Schanzenkönig
7
 
 4 (1,1%)
Ausgespielt
An der Umfrage haben 378 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz