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 Entengeschichten 03/22: Schimmelnde Skihotels und fürchterliche Fürstinnen
Drei Wochen sind vergangen, seitdem wir hier das zweite Micky Maus Magazin dieses Jahres besprochen haben ... wir haben uns dieses Mal etwas mehr Zeit gelassen als üblich, wie man sieht. ;) Die Nummer Zwei war eine durchschnittliche Ausgabe, deren Gesamteindruck davon abhing, ob man den darin enthaltenen Vicar-Comic »Der Ehrengast« schon kannte oder nicht. Unsere Besucher waren sich jedenfalls einig: 66 Prozent von ihnen wählten den Klassiker zum besten Beitrag des Heftes. Alles Weiter könnt ihr an dieser Stelle nachlesen. Seit dem 21. Januar ist nun schon ein neues Heft im Handel, und auch dieses haben wir uns angesehen.

Die Höhepunkte

Die Startgeschichte »Schickes Skihotel« ist zehn Seiten lang und wurde von Sune Troelstrup gemeinsam mit Carol McGreal und deren 2021 verstorbenen Ehemann Pat McGreal ersonnen. Wanda Gattino übernahm den zeichnerischen Part. Hier wird ein ganz klassischer Disney-Plot erzählt: Dagobert Duck erhält das Angebot, ein Skihotel zu kaufen, hat jedoch keine Zeit, es selbst unter die Lupe zu nehmen. Statt ihm reist Donald mit den Kindern ans »Knatterhorn«. Das Haus ist vollkommen marode, der bisherige Besitzer versucht vor dem ahnungslosen Donald jedoch zu verheimlichen, dass dies so ist. Natürlich gerät er beim selbstverliebten Donald damit genau an die richtige Adresse. Das klingt alles so, als hätte man es schon sehr häufig gelesen, ist aber hier ordentlich umgesetzt worden und kommt mit genau der richtigen Mischung aus Humor und (kleinem) Spannungsfaktor daher. Der Schlussgag ist (wie fast alles andere auch) vorhersehbar, aber bei einer Micky-Maus-Geschichte hat man natürlich nicht den Anspruch, den man etwa an einen Comic aus dem Lustigen Taschenbuch stellen würde. So kann man durchaus sagen, dass dieser Einstieg der Bezeichnung »Top-Comic« gerecht wurde, mit der er auf dem Titelblatt beschrieben wurde.

Womöglich hat man uns etwas in den Tee getan, aber auch der zweite Comic dieser Ausgabe - ein Siebenseiter von Jaakko Seppälä, der von César Ferioli gezeichnet wurde -, hat unseren Geschmack getroffen. In »Die Spur des Falken« reist Micky Maus mit Inspektor Issel in das kleine Königreich Maldavia, wo es für die beiden Männer gilt, eine königliche Überwachungsaufgabe zu übernehmen: Die Prinzessin des Landes soll demnächst zur neuen Regentin gekrönt werden, und die beiden sind zu ihrem Schutz abgestellt. Dummerweise kommt die junge Dame in der ersten Nacht abhanden, und es gibt gute Gründe, um Issel für den Täter zu halten. Auch dieser Comic hat viele vorhersehbare Komponenten, jedoch wurde hier wirklich viel Storyline in die wenigen Seiten gepresst, das Ganze hat Hand und Fuß und enthält diverse gute Ideen. Und es wird bewiesen, welch große Bandbreite die Disney-Storys manchmal haben, wenn man mal diese Geschichte mit dem »schicken Skihotel« vergleicht.

Die übrigen Comics

Der fünf Seiten lange Comic »Die Urlaubsvertretung« wurde von Jack Sutter und Joel Katz geschrieben und gehört zu den von Daniel Branca gezeichneten Klassikern, die in den letzten Monaten in unregelmäßigen Abständen ins Micky Maus Magazin gestreut wurden. Er ist nicht zum ersten Mal in der einst größten Jugendzeitschrift der Welt abgedruckt worden: Schon in der Nummer 44 des Jahres 1983 konnte man ihn darin lesen. Fräulein Rührig nimmt sich darin in ihren Jahresurlaub, weswegen sie von einer Vertreterin ersetzt wird. Es kommt, wie es kommen muss: Gundel Gaukeley schleicht sich in diese Rolle, um an Dagoberts Glückszehner zu gelangen. Wieder eine ziemliche Standard-Storyline, die sich nicht allzu sehr entfaltet und auf eine ziemlich triviale Weise aufgelöst wird. Für uns ist in einem Fall wie diesem stets das Interessanteste, in welchem Ausmaße die Originalübersetzung von Dr. Erika Fuchs ans Hier und Heute angepasst wurde. So wurde 1983 geschrieben, es gäbe momentan keine freien Büroangestellten, nur »arbeitslose Lehrerinnen« (wohlgemerkt in der weiblichen Form), die man »zur Not« für Frau Rührigs Job nehmen könnte. Dieses Mal ist von »arbeitslosen Schlangenbeschwörern« die Rede. Augenscheinlich geht man davon aus, bei Schlangenbeschwörern weniger anzuecken als bei Lehrerinnen. ;) Aus »mein Fräulein« wurde »meine Dame«, und Dagobert Duck nennt seine neue Sekretärin auch nicht mehr »mein Kind«, sondern »junge Frau«. Ja, das ist auch ein ganzes Stück seriöser. Die große Stadt am Vesuv hieß 1983 noch »Vesuvio«, jetzt ist es Neapel. Gut, denn man muss ja auch wirklich niemanden für dumm verkaufen. Alles in allem hat man sich bei den Änderungen stärker zurückgehalten als sonst, und die getroffenen Veränderungen sind nachvollziehbar. Und natürlich ist auch die Kolorierung - wie stets - schöner als früher.

Die Tiefpunkte

Dieses Mal war die Extrabeilage des Heftes ein »cooles Blasterschwert«, d.h. eine Plastikpistole, die man binnen weniger Sekunden in ein Plastikschwert umwandeln kann. Wer unsere Micky-Maus-Besprechungen verfolgt, der dürfte bereits wissen, was wir von Waffenspielzeug halten. Was wir von doppeltem Waffenspielzeug halten, dürfte sich daher von selbst verstehen. Dieses Mal ist der »Blaster« noch fragwürdiger ausgefallen als sonst, denn die »Darts« erreichen eine deutlich höhere Geschwindigkeit als üblich und sind obendrein so schmal, dass sie ernsthafte Verletzungen verursachen könnten, wenn sie erst einmal in einem Kinder- oder Haustierauge gelandet sind. Seltsamerweise fehlte auch noch der übliche Hinweis, dass man damit nicht auf Tiere und Menschen zielen sollte ... beachten dürfte ihn ohnehin nie ein Kind, aber womöglich ist das versicherungstechnisch relevant.

Während in »Die Urlaubsvertretung« dafür gesorgt wurde, alles zeitgemäßer erscheinen zu lassen, ist die Daisy-Darstellung im dreizehn Seiten langen Schlusscomic »Zurück zur Natur« absolut grauenhaft und ähnlich aus der Zeit gefallen wie der neue CDU-Vorsitzende. Der Comic wurde von Mau Heymans geschrieben und gezeichnet, und man muss sich schon sehr wundern, was er da fabriziert hat. Daisy verkörpert hier sämtliche überholten Frauenklischees, die man sich nur vorstellen kann. Und das in einem solchen Maße, dass es ihre ganze Beziehung zu Donald in ein seltsames Licht rückt, denn schließlich passt eine Schnepfe rein biologisch gar nicht zu einem Erpel. Man ärgert sich hier durch die Seiten, und am Ende bekommt Daisy sogar noch ihren Willen. Kurzum: Leider ein sehr unsympathischer Abschluss dieses Hefts, und dann war dies ausgerechnet auch noch der längste Comic dieser Ausgabe. Er wurde dem niederländischen Donald-Duck-Magazin entliehen, wo er am 22. Juli des letzten Jahres unter dem Titel »Een weekendje kamperen« (Ein Camping-Wochenende) veröffentlicht worden war.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Als zweite Extrabeilage enthielt das Heft ein dickes Bundesliga-Magazin, in das man um die fünfhundert Sticker kleben könnte. Die ersten Sticker liegen dem Magazin bereits bei. Als Fußballfan im Kindesalter hätte man sich vermutlich darüber gefreut, aus Elternsicht ist es natürlich weniger prickelnd, dass hier ein Anreiz geliefert wird, unzählige Stickertütchen besorgen zu müssen, die teures Geld kosten. Denn natürlich ist das, was hier wie ein Bonus-Extra wirken soll, letztlich nichts anderes als Werbematerial mit Gewinnerzielungsabsicht. Wobei uns sich dabei schon eine Frage stellt: Interessieren sich Kinder im NFT-Zeitalter wirklich noch ernsthaft für Bundesliga-Sticker?

Fazit

Wäre es bei den ersten beiden Dritteln dieses Heftes geblieben, so hätte es eine richtig gute Ausgabe sein können. Bezieht man »Die Urlaubsvertretung« und das alberne Waffenspielzeug hingegen mit in die Wertung ein, kann man nicht mehr ganz so zufrieden sein. Insgesamt war es dann aber trotzdem eine überdurchschnittliche Ausgabe des Magazins. Die nächste Ausgabe wird am 4. Februar erscheinen, mit vierzig bunten Comicseiten auwarten und ein »cooles Airhocky-Game« als Extrabeilage enthalten.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 146 (34,6%)
Schickes Skihotel
2
 
 124 (29,4%)
Die Urlaubsvertretung
3
 
 88 (20,9%)
Die Spur des Falken
4
 
 32 (7,6%)
Zurück zur Natur
5
 
 14 (3,3%)
Der Kavalier
6
 
 12 (2,8%)
Der Reissnagel
7
 
 6 (1,4%)
Die Kunst der Schönschrift
An der Umfrage haben 422 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz