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 Entengeschichten 01/21: Gute Vorsätze und schlechte Skifahrer
Zwei Wochen sind vergangen, seitdem wir das 26. Micky Maus Magazin des Jahres 2020 hier unter die Lupe genommen haben. Es handelte sich schlussendlich um eine harmlose, aber doch ganz nette Weihnachtsausgabe, bei der es abgesehen von der Extrabeilage, die kaputt bei uns ankam, nichts zu bemängeln gab. An dieser Stelle könnt ihr nachlesen, was wir über das Heft zu sagen hatten. Obwohl noch ein paar Tage vergehen werden, ehe 2021 beginnen wird, ist die erste Ausgabe des neuen Jahres bereits erschienen, und auch auf diese haben wir inzwischen einen intensiven Blick geworfen. Das Heft ist auf den 28. Dezember datiert, landete jedoch schon fünf Tage früher bei uns, was sicherlich der Anhäufung an freien Tagen zu verdanken ist.

Die Höhepunkte

Da es über die Hetfbeilagen selten positive Dinge zu berichten gibt, stellen wir diese heute mal voran. Dem Heft wurde dieses Mal ein »Überraschungs-Extra« beigefügt, das entweder ein »Agenten-Set«, ein »cooler Spion-Stab«, eine Reihe von »Ninja-Shootern« oder zusätzliche Comics bedeuten kann. Vermutlich handelt es sich in allen Fällen um Restbestände, die auf diese Weise an den Mann gebracht werden konnten. Die ersten drei potenziellen Extras wären Nonsens gewesen, zusätzliche Comics sind aber immer das Beste, was einem Micky Maus Magazin beiliegen kann. In unserem Fall war es die erste Ausgabe des Magazins »DuckTales Classics« mit dem Titel »Extreme Expeditionen«, die im Juli 2018 erschienen war und immerhin einen Handelspreis von 6,90 Euro hat. Das 52 Seiten lange Heft enthält eine Reihe von Vierreihern aus den frühen neunziger Jahren, als die erste DuckTales-Fernsehserie im »Disney Club« der ARD ausgestrahlt wurde. Die damalige Serie hatte zwar nicht die sehr hohe erzählerische Qualität der Neuauflage, war aber x-mal besser gezeichnet als die krakelige neue Version, und so bekommt man hier eine Reihe von schön gezeichneten Comics von damals. Die inhaltliche Qualität schwankt, und sicher würde man heute einiges anders schreiben als damals - dass ein chinesischer Adeliger ausgerechnet »Ping Pong« getauft wurde, dürfte beispielsweise nicht mehr dem heutigen Anspruch an Political Correctness entsprechen, was auch immer man davon halten möchte -, aber eines kann man festhalten: Solch eine Beilage zum Micky Maus Magazin zu bekommen, ist um ein Vielfaches besser als jedes Plastikspielzeug, das man sonst vorfindet.

Die übrigen Comics

In der zehnseitigen Geschichte »Vorsatz geplatzt«, die bereits auf der Titelseite des Magazins als »Top-Comic« beworben wird, nehmen sich Tick, Trick und Track für das Jahr 2021 vor, ihrem Onkel Donald häufiger unter die Arme zu greifen, um die familiäre Stimmung zu heben. Ihr Ansinnen ist ein gutes, die Umsetzung geht jedoch in die Hose. Schlussendlich ein ganz netter Comic zum Jahresauftakt, bei dem Donald überraschend friedlich auf die Missgeschicke seiner Neffen reagiert und bei dem man allenfalls kritisieren könnte, dass Tick, Trick und Track hier eigentümlich dilettantisch dargestellt werden. Denn wer so viele Fieselschweif-Abzeichen hat wie sie, der sollte schon eine Wand streichen oder einen Boden wischen können, ohne ein völliges Debakel zu erzeugen. Erdacht wurde die Geschichte im Laufe dieses Jahres vom norwegischen Comedian, Autor und Linkspolitiker Knut Nærum, für die Zeichnungen war Arild Midthun im Einsatz.

Kari Korhonens Reihe über Dagobert Ducks Anfangszeit in Entenhausen wurde mit dem Comic »Damals: Die Entscheidung« zu Ende geführt. Dieses Mal versucht Knut Klever dem aufstrebenden jungen Geschäftsmann endgültig den Garaus zu machen, indem er die Verbrecher der Stadt dazu anstiftet, in einer konzertierten Aktion sowohl die Polizei in Schach zu halten als auch Dagoberts Bank auszurauben. Wie dies ausgeht, kann man sich natürlich denken. Solche Historien-Comics haben natürlich schon seit den Carl Barks'schen Streifzügen Dagobert Ducks durch die Klondike-Region immer ein besonderes Flair, und Kaari Korhonens Qualitäten sind unbestreitbar, aber irgendwie lässt einen die Reihe mit dem Gefühl zurück, dass darin eine Menge Potenzial verleudert wurde. Die Zeichnungen sind nett, die Geschichten sind sehr durchdacht, wie man an den vielen Querverweisen erkennen kann, wirklich überzeugt haben schlussendlich aber leider nur die wenigsten Teile. Dieser hier leider auch nicht.

In der Tick-, Trick- und Track-Story »Wegberechnung« geht es um eine mathematische Sachaufgabe, die zu den bekanntesten überhaupt gehört: Zwei Züge fahren mit unterschiedlicher Geschwindigkeit von zwei unterschiedlichen Orten los und begegnen sich an einer zu berechnenden Stelle. Die Kinder verzweifeln an der Aufgabe, können den gleichen Sachverhalt jedoch perfekt in die Wirklichkeit übertragen. Ein ganz ordentlicher Comic, der den jungen Lesern anschaulich verdeutlicht, dass Mathematik nicht einfach nur eine abstrakte Kunst ist, sondern sich tatsächlich auch in der Realität anwenden lässt. Für die drei Seiten, die die Story lang ist, ist der Unterhaltungsfaktor auch ausreichend hoch. Es handelt sich im Übrigen um einen niederländischen Comic, der 2013 von Herman Roozen geschrieben, von Sander Gulien skizziert und von den Inkern des Comicup Studios komplettiert wurde. Die Erstveröffentlichung erfolgte im Mai 2017 im holländischen Donald-Duck-Wochenmagazin unter dem Titel »Rekensom«, zu Deutsch »Berechnung«.

Aus den Niederlanden stammt auch die Story »Die Zeit steht still«, die im Original »De klok slaat 12«, also »Die Uhr schlägt zwölf« hieß. Sie wurde 2019 von Robbert Damen geschrieben, für die Skizzen war José Antonio González zuständig, und im Comicup Studio wurde die Tuschezeichnung vorgenommen. Wie der deutsche Titel schon andeutet, bleibt in dem Sechsseiter die Zeit stehen, nur Micky Maus, Pluto, Goofy und (um es ungespoilert zu formulieren) ein weiterer Charakter können sich nach wie vor bewegen. Der Grund für den Zwischenfall ist ziemlicher Nonsens, vor allem stört jedoch die Frage, warum eigentlich gerade die erwähnten Personen nicht betroffen sind. Was Micky & Co. während der stillstehenden Zeit mit ein paar Verbrechern anstellen, ist allerdings ganz amüsant.

In dem Dreiseiter »Flug der Fantasie«, der von Pat und Carol McGreal ersonnen und vom uruguayanischen Zeichner Sebastián Puñales in Bilder umgesetzt wurde, sollen Tick, Trick und Track auf Anordnung ihres Onkels Donald nicht mehr so laut lärmen und spielen deshalb in ihrer Fantasie weiter. Dies läuft auf noch mehr Chaos hinaus. Relativ belanglos, und so bleibt hier eigentlich nur in Erinnerung, dass diese Ausgabe des Micky Maus Magazins irritierend viele Tick-, Trick- und Track-Comics enthält. In dem darauf folgenden lustigen Einseiter »Die Eisbahn« und im Abschlusscomic »Brettern auf Brettern« kommen sie ebenfalls zum Einsatz. Man könnte glatt von einer Überdosis der Drillinge sprechen.

Der erwähnte Neunseiter »Brettern auf Brettern« stammt aus dem Jahre 1982, wurde von Neville Jason geplottet, von Les Lilley in Sprechblasen umgesetzt, und der große Vicar steuerte die Zeichnungen bei. Es ist schon das dritte Mal, dass diese Geschichte im Micky Maus Magazin abgedruckt wurde: In Heft 1/1983 hieß sie noch »Der Mann im Schnee«, in Heft 9/2003 wurde sie dann bereits »Brettern auf Brettern« genannt. Donald fährt darin mit seinen Neffen in den Skiurlaub und hält sich für ein Naturtalent, das keine Lehrstunden im Skifahren benötigt, was natürlich nach hinten losgeht, so dass sich der auch im Schnee nur seinen Matrosenanzug tragende Erpel glücklich schätzen kann, dass ein ausgebildeter Rettungs-Bernhardiner mit von der Partie ist. Natürlich wurden - wieder einmal - viele Sprechblasen seit 1983 geändert, so hat der damals noch Sepp Schuster heißende Skilehrer, der inzwischen in Sepp Siebler umgetauft wurde, inzwischen einen österreichischen Dialekt auf den Leib geschneidert bekommen. Auch hat Donalds Selbstbewusstsein neue Gründe bekommen: Einst lehnte er ein Skifahren-Handbuch ab, weil es für den Sport nicht mehr als körperliche Fitness benötigen würde, inzwischen wird ihm das Buch gar nicht mehr angeboten, vielmehr begründet er sein Talent damit, dass er schon sehr viele Abfahrtsläufe im Fernsehen angeschaut hat. Der Bernhardiner war 1983 ein Rüde namens Berni, nun ist er eine Hündin namens Senta. Da man inzwischen offenbar festgestellt hat, dass man Hunden keine Schokolade geben sollte, wenn man Wert auf deren Gesundheit legt, bekommt Bernie/Senta keine Praline mehr wie damals, sondern einen Keks. Und so weiter. Die Menge an Änderungen ist dieses Mal wirklich beachtlich.

Die Tiefpunkte

Naja, ein richtiger Tiefpunkt ist es nicht, aber erwähnt sollte es vielleicht trotzdem werden: Ein Rätselcomic aus Heft 26/2020 konnte durch einen Blick auf die Schneedecke an einem Auto entschlüsselt werden. Diese Auflösung bekam man in dem neuen Heft serviert, und natürlich auch die üblichen beiden neuen Rätselcomics. Einen davon kann man entschlüsseln, indem man ... tja: indem man erneut einen Blick auf die Schneedecke an einem Auto wirft. So etwas kann natürlich passieren, aber leider passiert es recht häufig.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt

Laut einer Fußnoteninformation war es Gaius Iulius Caesar, der vor 2067 Jahren erstmals festlegte, dass der 1. Januar der erste Tag eines neuen Jahres sei. Dies bezieht sich auf die damalige Kalenderreform, aber tatsächlich wurde der Jahresbeginn schon 153 vor Christus vom 1. März erstmals auf den 1. Januar verschoben. Das war ein halbes Jahrhundert vor Caesars Geburt.

Fazit

Das neue Heftjahr beginnt mit einer ordentlichen Ausgabe des Micky Maus Magazins, wobei unsere Meinung natürlich durch die Tatsache aufgebessert wurde, dass wir mit dem DuckTales-Classic-Magazin das bestmögliche Überraschungs-Extra abbekommen haben. Aber auch ansonsten war es eine ganz ordentliche Ausgabe, bei der es keinen richtigen Tiefpunkt zu beklagen gab. Die nächste Ausgabe wird am 8. Januar erscheinen, dann mal wieder mit einem Schießspielzeug als Beilage. Wahrscheinlich wird unser Kommentar zum Extra dann also wieder von den Höhepunkten zu den Tiefpunkten rutschen. Mal davon abgesehen, dass solches Spielzeug in gefühlt jeder zweiten Ausgabe dabei ist, können wir uns einfach nicht mit dieser Art von Beilage anfreunden. Aber das ist natürlich Geschmackssache.


Welche Geschichte fandet ihr am besten?
1
 
 178 (45,5%)
Brettern auf Brettern
2
 
 101 (25,8%)
Damals: Die Entscheidung
3
 
 61 (15,6%)
Vorsatz geplatzt
4
 
 17 (4,3%)
Wegberechnung
5
 
 15 (3,8%)
Flug der Fantasie
6
 
 13 (3,3%)
Die Zeit steht still
7
 
 4 (1,0%)
Abgelenkt
8
 
 2 (0,5%)
Die Eisbahn
An der Umfrage haben 391 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz