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  Entenchroniken 22: Phantomime und der Ariadnefaden
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Für die neueste Ausgabe unserer »Entenchroniken« haben wir fünf Kinder unserer Mitarbeiter auf einen Disney-Comic angesetzt, der vor beinahe fünfzig Jahren offenbar einen Versuch darstellen sollte, die (ansonsten oft ziemlich fragwürdigen) Frauenrollen im Duck-Universum zu stärken. Gleichzeitig markierte die Geschichte den ersten Auftritt einer ganzer Reihe von Charakteren.

Phantomime und der Ariadnefaden

Die 44 Seite lange und dreireihige Geschichte, um die es hier gehen soll, wurde am 8. April 1973 erstmals im italienischen »Topolino«-Magazin veröffentlicht. Verfasst wurde sie von Guido Martina, für die zeichnerische Umsetzung war Giorgio Cavazzano zuständig. Der Originaltitel lautete »Paperinika e il filo di Arianna«, was exakt das gleiche wie der deutsche Name bedeutete. Hierzulande erfolgte die erste Veröffentlichung im Jahre 1978 als Auftaktgeschichte des 57. Lustigen Taschenbuchs, das den Titel »Phantomias gegen Phantomime« trug. Bei der 1997er Neuveröffentlichung des Buchs wurde die Story in »Mit den Waffen einer Frau« umgetauft, da man zu dem Zeitpunkt offenbar davon ausging, junge Leser könnten mit dem Begriff des »Ariadnefadens« nicht mehr allzu viel anfangen. Als sie im Januar 2015 im Rahmen des ersten Ultimate-Phantomias-Buchs noch einmal neu herausgegeben wurde, wählte man wieder den ursprünglichen Titel, ebenso in der 2018er Anthologie »Daisy Duck: Entenhausens First Lady«.

Worum geht es?

Donald Duck ist - warum auch immer - schwer genervt davon, dass Daisy Zeit mit ihm verbringen will, und so zeigt er sich hoch erfreut, als ihm Dagobert einen Auftrag erteilen will. Daisy reagiert selbstverständlich sehr verschnupft. Im Geldspeicher wird Daisy von Dagobert und Donald heruntergeputzt und darf sich anhören, Frauen könnten nicht logisch denken, hätten ein »Spatzengehirn« und würden sich nur mit Puder, Lippenstift und Tränen beschäftigen. Nachdem sich Donalds Mission schlussendlich als eine Bewachung des (vorübergehend leergeräumten) Geldspeichers herausstellt, die er alleine durchführen soll, beschließt Daisy, den beiden Erpeln eine Lektion zu erteilen.

Spoiler

Daisy Duck lässt sich (mit Hilfe »weiblicher Mittel«) von einem Anhalter zu Genia Gans bringen, der Präsidentin der örtlichen Feministinnen-Vereinigung und genialen Erfinderin. Diese verwandelt Daisy in »Phantomime«, ein weibliches Phantomias-Pendant. Donald sitzt derweilen allein im Geldspeicher und hält Wache. Aus Angst vor einem Einbruch entschließt er sich dazu, kurz nach Hause zu fahren und sich die Phantomias-Ausrüstung zu holen. Dort kommt er jedoch nie an, da er von einer Gangstertruppe geschnappt wird, die ihn mit einer attraktiven Blondine ködert. Die Verbrecher wollen ihn dazu erpressen, den Lageplan von Dagoberts ausgelagertem Gold zu beschaffen. Dies gelingt ihnen, doch auf der Fahrt von ihrem Versteck zum Geldspeicher und zurück werden sie von »Phantomime« entdeckt und verfolgt, da diese mutmaßt, Donald würde sie mit der blonden Frau betrügen. Mit Hilfe einiger technischer Hilfsmittel verschafft sie sich Zugang zum Versteck der Verbrecher, überwältigt einen von ihnen und befreit Donald. Da dieser Daisy sofort erkennt, überzeugt sie ihn mittels einer Art Hypnosebrille vom Gegenteil. Danach werden die übrigen Verbrecher mit Schlafperlen ausgeknockt. Nachdem »Phantomime« abschließend erfährt, dass sich Donald vom Aussehen der Blondine blenden ließ, lässt sie ihn mit einer Ausrede aussteigen und die dreizehn Kilometer bis Entenhausen zu Fuß zurücklegen.

Die Einschätzung

Bei der Geschichte handelt es sich um den ersten Auftritt von »Phantomime« überhaupt, die es anschließend auf rund fünfzig Geschichten brachte, von denen die Hälfte auch den Weg ins Deutsche fand. Genia Gans, die anschließend rund zehn Auftritte absolvierte, tauchte ebenfalls erstmals auf. Gleiches gilt für die blonde Verbrecherin und ihre Komplizen Brutus und Lavulpis, die später jedoch nur noch einmal in der Story »Phantomias gegen Phantomime« aufgegriffen wurden, die ursprünglich im August 1973 ersonnen wurde und auf Deutsch im 57. Lustigen Taschenbuch im Doppelpack mit »Phantomime und der Ariadnefaden« herausgegeben wurde. Die Geschichte selbst bereitet indessen diverses Kopfzerbrechen. Dies beginnt damit, dass Donald und Dagobert vollkommen von ihrem kanonischen Charakter im Umgang mit Daisy abweichen, weil die Story sonst nicht funktioniert hätte. Donald und Dagobert wirken dadurch aus heutiger Sicht nicht »machohaft« oder dergleichen, sondern einfach nur dümmlich. Gleichzeitig ging das Befürfnis der Comicmacher, eine emanzipierte Daisy-Darstellung zu schaffen, nicht so weit, dass sie ihr nicht ein paar Momente auf den Leib geschrieben hätten, die genau den Ressentiments entsprachen, die seinerzeit (und teilweise auch noch heute) Frauen entgegengebracht wurden. Womöglich waren emanzipierte Frauenrollen damals aber auch noch so ungewöhnlich, dass es die Comicmacher nicht besser wussten. Zeitgemäß wirkt es jedoch auf keinen Fall mehr. Und auch unsere jungen Testleser waren - trotz Beteiligung einer »Superheldin« - nicht sonderlich begeistert: Zwei von ihnen gaben der Geschichte die Note Drei, zwei die Note Vier, und die Note Fünf wurde einmal vergeben. Dies ergab summa summarum einen Durchschnittswert von 3,8.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz