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  Entenchroniken 11: Der geheimnisvolle Kontinent Mu
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Nachdem wir gestern fünf Kinder unserer Mitarbeiter auf eine Geschichte aus dem Lustigen Taschenbuch mit der Nummer 141 angesetzt hatten, haben wir das gleiche wiederholt und sie dieses Mal einen Micky-Maus-Comic aus dem Buch lesen lassen, um ihn darauf zu überprüfen, ob er auch bei der heutigen Generation noch Anklang findet. Dabei handelt es sich um eine Story, in der eine Figur einst ihren ersten Auftritt gefeiert hatte: Professor Zapotek. Dieser kam anschließend zwar nur sporadisch zum Einsatz, hat es im Laufe der Jahre aber auch immerhin auf über hundert Auftritte in Comics gebracht, die den Weg in die deutsche Sprache gefunden haben.

Der geheimnisvolle Kontinent Mu

Wohlgemerkt handelt es sich nicht um die erste ins Deutsche übersetzte Zapotek-Geschichte. Das hat etwas damit zu tun, dass es sage und schreibe elf Jahre dauerte, bis sein Debüt aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt wurde. Die von Massimo De Vita erdachte und gezeichnete Geschichte erschien ursprünglich in zwei Teilen am 19. und 26. August 1979 im italienischen »Topolino«-Magazin. Die 64 Seiten lange dreireihige Story trug den Namen »Topolino e l'enigma di Mu«, was übersetzt »Micky Maus und das Mu-Rätsel« heißen dürfte. Hierzulande wurde sie am 9. Januar 1990 im Lustigen Taschenbuch »Der Tiger von Masalia« herausgegeben.

Massimo De Vita verwendete die Zapotek-Figur übrigens erst im Frühjahr 1982 wieder. Die zugehörige Geschichte »Topolino e la città di Psathura« erschien als »Das Geheimnis von Psathoúra« im 136. Lustigen Taschenbuch, also mehrere Monate vor dem Zapotek-Debütcomic.

Worum geht es?

Micky Maus schaut daheim einen Fernsehkrimi, Goofy ist bei ihm und löst Bilderrätsel. In diesem Moment klingelt es an der Tür. Draußen ist niemand zu sehen, doch als die beiden wieder ins Haus zurückkehren, sitzt Zapotek in Mickys Wohnzimmer. Der berühmte Anthropologe erzählt, dass er ein gewaltiges historisches Geheimnis aufgedeckt hätte, nun aber Hilfe benötigt, da es jemand auf ihn abgesehen hat und ihn ständig verfolgt. Diese Hilfe soll Micky Maus sein, der den Professor zwar zunächst nur für überarbeitet und verwirrt hält, sich aber trotzdem bereiterklärt, ihn zu unterstützen.

Spoiler

Micky und Goofy fahren den Professor nach Hause, und auf der Fahrt geschehen so viele Zwischenfälle, dass sie zu dem Schluss kommen, dass ihm tatsächlich jemand ans Leder will. In Zapoteks Haus wurde indessen eingebrochen, aber sein Geheimnis wurde nicht gelüftet, da er es getarnt hat. Auf einer Flugreise ins arabische Abrakadarr, wo sich eine wichtige antike Steinplatte befindet, berichtet Zapotek seinen Unterstützern schließlich, was er entschlüsselt hat: Das Alphabet, das auf einem Kontinent namens »Mu« verwendet wurde, der einst im Pazifik lag und dessen Bevölkerung technisch fortschrittlicher war als die der Gegenwart. Zapotek vermutet, später sei der Kontinent durch eine Atomexplosion untergegangen. Wichtigste Errungenschaft der Menschen von »Mu« war ein Talisman, der seinen Besitzern ewige Jugend möglich machte. Auf der erwähnten Steinplatte, die er dank seiner neuen Kenntnisse über das Alphabet des Kontinents entschlüsseln kann, erhofft sich Zapotek den Weg nach »Mu« und zu dem verschollenen Talisman. Während er dies alles Goofy und Micky mitteilt, wird er von einem Unbekannten belauscht - dem gleichen, der zuvor für die Anschläge auf ihn verantwortlich war.

Im Museum von Abrakadarr kommt es zu einem Einbruch, durch den die Steinplatte zerbrochen wird. Der Übeltäter kann jedoch nur ein Bruchstück mitnehmen, der Rest bleibt übrig und kann von Zapotek entschlüsselt werden. Ehe der Professor damit fertig ist, wird er erneut überfallen und um seine Bruchstücke »erleichtert«. Dabei zeigt sich, dass sein Gegner kein Unbekannter ist, sondern ein Professor namens Vulpius, der einst aufgrund zwielichtiger Geschäfte aus der Akademie für Archäologie ausgeschlossen wurde. Anhand der bereits entschlüsselten Teile der Platte weiß Zapotek immerhin, dass die Reste von »Mu« in Mikronesien zu finden sind, weswegen er mit Micky und Goofy dorthin reist, auch wenn sie nicht wissen, wie sie ohne die Infos von dem fehlenden Steinstück das endgültige Ziel finden können. In Mikronesien angekommen, stoßen sie mit dem bösen Professor zusammen, der inzwischen Schiffbruch erlitten hat. Zähneknirschend macht man gemeinsame Sache, und so finden sie - insbesondere dank Goofys Fähigkeiten im Lösen von Bilderrätseln - eine Grotte, die sie in eine Art Tempel führt. Dort steht der gesuchte Talisman. Der böse Professor reißt ihn an sich und löst dadurch einen Mechanismus aus, der den Tempel zerstört. Dabei geht auch der Talisman verloren. Goofy hatte vorher ein wenig von diesem abgeschabt, so dass er nun über etwas Pulver verfügt, das jung macht. Daraus kocht er einen Tee. Als Zapotek diesen trinkt, wird er tatsächlich wieder jung, jedoch auch unheimlich böse. So zeigt sich, was einst der Grund für den Untergang von »Mu« war: die Nebenwirkungen des Talismans. Zum Glück reicht Goofys Tee nur für eine vorübergehende Wirkung, so dass Zapotek bald wieder geheilt ist. Damit es in Zukunft keine weiteren Schwierigkeiten gibt, versenkt Micky das restliche Pulver lieber im Pazifik.

Die Einschätzung

Wie man an der Länge unseres Spoiler-Absatzes sieht, unterscheidet sich die Geschichte von den meisten bisher in unseren »Entenchroniken« thematisierten Storys allein schon durch ihre Komplexität. Dies ist keine simple Geschichte, die in wenigen Seiten auf einen einfachen Schlussgag hin gestrickt wurde, sondern eine ausgefeilte Story mit ein paar Indiana-Jones-Momenten. Was ziemlich interessant ist, denn »Jäger des verlorenen Schatzes« erschien erst 1981, also zwei Jahre nach diesem Comic hier. Die Eröffnungsszene des Films und die, in dem Vulpius den Talisman an sich nimmt, sind sich erstaunlich ähnlich. Aber vermutlich ist das nur Zufall bzw. womöglich haben sich Film und Comic ähnlichen Vorbildern bedient, die sich - für uns - heute nicht mehr rekonstruieren lassen.

Die Geschichte ist nicht nur umfangreich, sie ist auch außergewöhnlich ausgefeilt geschrieben und verfügt über einen Spannungsbogen und eine Atmosphäre, die für einen Disney-Comic erstaunlich gut und fast schon unerwartet ist. Kein Wunder also, dass sie bei I.N.D.U.C.K.S. von den dortigen Besuchern zu einer der zweihundert besten Storys aller Zeiten gewählt wurde. Vermutlich haben solche Abenteuergeschichten rund um Archäologie und versunkene Kulturen damals auch perfekt zur Zeit gepasst, denn die Indiana-Jones-Filme dürften nicht umsonst auch in jener Phase entstanden sein. Heutzutage gibt es dergleichen zwar viel seltener, aber »Der geheimnisvolle Kontinent Mu« funktioniert trotzdem auch heute noch sehr gut. Spätere Zapotek-Geschichten hatten oft nicht diese Qualität, aber er wurde hier mit einem rundum gelungenen Auftritt eingeführt, und auch unsere jungen Leser waren sehr zufrieden. Auch dass die Gagdichte hier vergleichsweise niedrig ist, stört nicht, da hier die erzählte Story wichtiger als die Slapstick-Momente ist. Schlussendlich gaben zwei unserer jungen Leser der Geschichte die Note Eins, zwei gaben ihr eine Zwei, und einer die Note Vier, was summa summarum zur Durchschnittsnote 2,0 geführt hat.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz