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  Die Entenanalyse: Zurück am Tatort - Taxi nach Entenhausen
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Vor rund vier Wochen hatten wir ein Quintett an Mitarbeitern das 538. Lustige Taschenbuch namens »Der Fluch der Hexe« lesen lassen. Dieses entpuppte sich als ein recht durchschnittlicher Band, der eine sehr gute Geschichte, eine sehr schlechte Geschichte und ansonsten jede Menge Mittelmaß bot. Unsere damalige Analyse findet ihr nach wie vor an dieser Stelle. Am 10. November ist mit der Nummer 539 nun ein neuer Band erschienen, und auch dieser soll nun von fünf unserer Mitarbeiter besprochen werden. »Zurück am Tatort Entenhausen« beginnt mit der Titelgeschichte, und diese trägt den Untertitel »Taxi nach Entenhausen«.

Zurück am Tatort - Taxi nach Entenhausen

Im April des Jahres 2018 wartete das Lustige Taschenbuch mit der Nummer 506 bereits mit einer Geschichte über den »Tatort Entenhausen« auf, die an die gleichnamige altehrwürdige ARD-Krimireihe angelehnt war. Vor zweieinhalb Jahren kamen wir zu einem ganz ordentlichen Fazit, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Der neue Comic ist einer von zwei Beiträgen im Lustigen Taschenbuch 539, die nicht dem italienischen Magazin »Topolino« entnommen wurden, sondern speziell für diesen Band (und seine anderen europäischen Pendants) verfasst wurden. Er ist ein Gemeinschaftswerk von Gorm Transgaard, Peter Höpfner und Stephanie Bens, für die Zeichnungen des 31 Seiten langen Dreireihers war Flemming Andersen zuständig.

Worum geht es?

Das schwarze Phantom lädt die Panzerknacker, Kater Karlo und Gundel Gaukeley in eine verfallene Burg ein, um sich dort mit ihnen zu einem Gangster-Dreamteam zu verbünden. Ziel ist es, ganz Entenhausen zu unterwerfen. Dafür wird eine Feier zum fünfzigjährigen Bestehen der Entenhausener Polizei inszeniert. Nachdem alle Ermittler den Veranstaltungsort - ein Hotel - betreten haben, wird ein Mechanismus ausgelöst, der alle Türen und Fenster verbarrikadiert. Die Polizisten sitzen also fest, und Entenhausen ist den Gangstern schutzlos ausgeliefert.

Spoiler

Donald Duck, der in »Tatort Entenhausen« versucht hatte, sich der Polizei als neuer Ermittler aufzudrängen, dabei jedoch größtenteils für Chaos gesorgt hatte, ehe am Ende doch noch ein Übeltäter (ein böser Butler) festgenommen werden konnte, sieht sich selbst als Teil der Entenhausener Polizei und fährt deshalb auch zum Hotel. Er und Kommissar Schimauski sind die einzigen beiden, die nicht gefangen werden. Durch ein Fenster, das nur zur Hälfte geschlossen wurde, können sie zunächst mit den Gefangenen kommunizieren, durch einen Fehler Donalds (einen nicht fest genug geknüpften Knoten) wird diese Option jedoch ruiniert. Ein Ausbruchsversuch des Kommissars Mick (angelehnt an die Til-Schweiger-Figur Nick Tschiller) mit Hilfe eines Sprengsatzes scheitert, da Donald versehentlich die Sprinkleranlage aktiviert. Die Gangster räumen in der Zwischenzeit die Stadt aus und kehren dann in die verfallene Burg zurück. In unmittelbarer Nähe des Gemäuers baut Donald mit seinem 313er aufgrund von Aquaplaning einen Unfall, nachdem er - warum auch immer - die Stadt verlässt. Er beobachtet die Freudenfeier der Gangster und stiehlt ihnen die Fernbedienung, mit deren Hilfe der Verbarrikadierungs-Mechanismus des Hotels ausgelöst wurde. Die Gangster verfolgen ihn, doch Donald hat das Glück, ins Auto eines unfassbar talentierten Taxifahrers zu steigen. Dieser hängt die Ganoven ab. Mit der Fernbedienung wird das Hotel geöffnet und die Ermittler befreit. Als die Gangster am Hotel ankommen, ist es wieder verschlossen. Es öffnet sich von Zauberhand, woraufhin die Verbrecher es - warum auch immer - betreten, so dass sie in der Falle sitzen und verhaftet werden können. Die Ermittler feiern ihren Erfolg, während die Gangster in ein Gefängnis geliefert werden. Gundel und das schwarze Phantom können auf den letzten Drücker entkommen, da man der Hexe - warum auch immer - den Flugbesen nicht weggenommen hat. Kater Karlo und die Panzerknacker landen hingegen hinter schwedischen Gardinen, und zwar in der gleichen Zelle, in der auch der böse Butler aus »Tatort Entenhausen« einsitzt. Der kündigt abschließend an, sich gemeinsam mit seinen neuen Zellengenossen an Donald zu rächen.

Puh ...

Die Einschätzung

Einige Sachen, die sich uns schon im 506. Band nicht erschlossen haben, gelten auch dieses Mal wieder. So ist uns beispielsweise nicht ganz klar, was man sich von der Tatort-Disney-Cross-Promotion überhaupt erhofft. Nicht nur, dass die Zielgruppen von Haus aus grundverschieden sein dürften, ist es besonders rätselhaft, dass man sich aus dem riesigen Ensemble an Tatort-Ermittlern ausgerechnet Schimanski herausgepickt hat, um ihn als den wichtigsten im Bunde darzustellen. Der spielt im »Tatort« nun schon seit vielen Jahren keine Rolle mehr, Götz George ist schon seit vier Jahren tot, und viele junge Leser des Lustigen Taschenbuchs werden vermutlich nicht einmal mehr wissen, wer damit überhaupt gemeint ist und warum er mit Begriffen wie »Klappspaten« um sich wirft, die im Lustigen Taschenbuch ohnehin seltsam deplatziert wirken.

Der große Unterschied der damaligen Story zur neuen ist, dass der erste Versuch durchaus in gewissem Maße Sinn ergab, während der zweite Anlauf in einen hanebüchenen Firlefanz ausgeartet ist. Das Ganze war ein Flickenteppich aus Ideen, die alle in einen großen Eintopf geworfen und zusammengerührt wurden, ohne dass darüber nachgedacht wurde, dass Zutaten auch zusammenpassen müssen, damit das Ergebnis schmackhaft ist. Warum beispielsweise hat das schwarze Phantom überhaupt die anderen Gangster mit hinzugezogen, wenn die Polizisten mit technischer Hilfe festgehalten werden? Warum werden die Spezialfähigkeiten und -interessen der Gangster nicht berücksichtigt, wieso sollte Gundel beispielsweise eine Apotheke ausrauben? Wie töricht sind sämtliche Tatort-Kommissare? Warum verhält sich Donald, der als Phantomias die ganze Stadt allein unter Kontrolle hält, in den Tatort-Comics wie ein Volltrottel? Warum wird ihm seine Trotteligkeit vorgeworfen, obwohl sich die anderen Ermittler auch keinen Deut schlauer verhalten? Was ist es für eine vollkommene kreative Willkür, den offenbar besten Autofahrer der Welt mit seinem Taxi genau am Unterschlupf des schwarzen Phantoms auftauchen zu lassen? Und warum genau betreten die Gangster das präparierte Hotel, was erhofften sie sich vom »Nachschauen«, ob darin alles in Ordnung ist? Der Nonsensfaktor in der Geschichte ist derart hoch, dass es glatt wie eine Drohung rüberkommt, dass man am Ende mit einem Cliffhanger zu einem dritten Teil entlassen wird. Hoffentlich lassen sich die Macher bis dahin sehr viel Zeit und überdenken das Konzept bis dahin noch einmal. Wir hätten auch nichts dagegen, wenn es schlicht und einfach »vergessen« wird, dem Konzept nochmals Seiten zu reservieren.

Kurzum: Ein absolut fürchterlicher Auftaktcomic und unserer Meinung nach die schlechteste Lustiges-Taschenbuch-Story seit Sonne, Strand und Schnee vor mehr als zwei Jahren. Zwei unserer Mitarbeiter entschieden sich für die Schulnote Fünf, drei für eine Sechs, so dass summa summarum der Durchschnittswert 5,6 zu Buche stand. Das einzig Gute daran: Von hier an kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz