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  Die Entenanalyse: Wie die Zeit verpufft
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Nachdem es in der Mitte des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 508, das seit dem 19. Juni zu bekommen ist und den Titel »Einfach entspannen!« trägt, aufwärts gegangen war und mit der Geschichte über den »Schrecken der Meere« ein wirklich anständiges Stück abgeliefert worden war, war der zuletzt von uns thematisierte Comic »Ausbruchsgeschichten: Immer der Nase nach« leider ein Schritt in die falsche Richtung. Unsere zugehörige Analyse findet ihr an dieser Stelle. Nun ging es mit Micky Maus in seinem fortwährenden Kampf gegen Plattnase weiter.

Wie die Zeit verpufft

Im September 2005 war im italienischen Magazin »Topolino« eine Geschichte mit dem Titel »Topolino e l'uomo ingannatempo« erschienen, die in der Disney-Datenbank I.N.D.U.C.K.S. zu den beliebtesten Micky-Maus-Geschichten überhaupt zählt. Weniger als anderthalb Jahre später - genauer gesagt im Januar 2007 - wurde sie auf Deutsch herausgegeben und im Lustigen Taschenbuch mit der Nummer 360 als dessen Titelgeschichte »Spiel auf Zeit« veröffentlicht. In Italien wurde vier Wochen nach der ersten Geschichte eine Fortsetzung publiziert, die es seither jedoch nicht ins Deutsche geschafft hatte. »Topolino e i colpi dell'Uomo Qualunque« hieß das gute Stück, zu Deutsch offenbar etwas im Sinne von »Micky Maus und die Aufnahmen des Menschen«, was man nach dem Lesen der Geschichte im Kopf schon irgendwie sinnvoll zusammensetzen kann, das sich aber trotzdem nicht vernünftig in Worten ausdrücken lässt. Eben diese Geschichte wurde nun - mehr als zehn Jahre nach »Spiel auf Zeit« - endlich übersetzt und veröffentlicht. Da zwischen den beiden Comics nahezu eine ganze Generation an Lesern des Lustigen Taschenbuchs liegt, ist der Fortführungseffekt natürlich nicht der gleiche, den italienische Leser anno 2005 verspüren konnten. Die Idee hinter dem 33 Seiten langen Dreireiher stammt im Übrigen von Andrea »Casty« Castellan, für die Skizzierungen war Giorgio Cavazzano verantwortlich, und als Inker war Sandro Zemolin im Einsatz.

Worum geht es?

Kommissar Hunter berichtet Micky Maus und Goofy von einer Reihe erstaunlicher Verbrechen. Auf Videoaufzeichnungen sieht man, dass ein Dieb zweimal einen Geldtransporter ausraubte, als die Wachpolizisten abgelenkt waren (erst durch eine Katze, dann durch ein Niesen). Ein anderer Dieb erleichterte einen Juwelier um Edelsteine, da dieser gerade durch ein Telefonat abgelenkt war. Ein dritter Dieb schlug in der Post zu und stahl Geld, als der Postbeamte sich gerade nach einem Stift bückte. Kurzum: Jedes Mal waren die Diebe zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle, um wie beiläufig zuschlagen zu können. Mit Hilfe des Polizeicomputers können Hunters Techniker ermitteln, dass es sich bei allen drei Dieben um Plattnase in unterschiedlichen Verkleidungen handelte.

Spoiler

Als Micky und Goofy nach Hause kommen, sitzt Plattnase in Mickys Fernsehsessel und schaut Fußball. Er führt den beiden verdutzten Detektiven ein Gerät vor, mit dem er die Zeit einige Minuten zurückversetzen kann, wodurch er alles nochmal durchspielen kann. Auf diese Weise konnte er den Geldtransporter, den Juwelier und den Postbeamten einfach in Ruhe beobachten, die Zeit zurückdrehen und genau im richtigen Moment zuschlagen. Natürlich wollen Micky und Goofy die Taten nicht einfach hinnehmen, doch ehe Goofy bei Kommissar Hunter anrufen kann, dreht Plattnase die Zeit zurück, und ihre Begegnung hat nie stattgefunden. In der Folge hat Micky Maus einige Déjà Vus, kann sie jedoch nicht sinnvoll einordnen. Nach einem weiteren Diebstahl kommt es zu einer Verfolgungsjagd auf offener Straße, bei der Plattnase mit Hilfe seines Geräts dafür sorgen kann, dass er entkommt, während sich Micky, Goofy und Kommissar Hunter gegenseitig in die Quere kommen. Dies gelingt ihm in den nächsten Tagen wieder und wieder. Nachdem Micky Goofy beim Computerspielen zuschaut und sieht, dass dieser die Kunst mit dem Gamepad nur deshalb so gut beherrscht, weil er die Spiele immer wieder aufs Neue durchzockt, bis er sie praktisch auswendig kann, schwant Micky langsam, wie Plattnase zu seinen Erfolgen kommen konnte. Auf einem Foto sehen die Ermittler tatsächlich das Gerät, das Plattnase benutzt hat. Ein Missgeschick Goofys bringt Micky schließlich auf eine Idee, wie man dem technisch überlegenen Gegner begegnen könnte: Goofy speichert sein Spiel an der falschen Stelle, wodurch seine Spielfigur immer wieder aufs Neue stirbt und er den Spielstand nicht mehr nutzen kann. Kurzerhand versteckt sich Micky in einer angeblich mit Juwelen gefühlten Truhe eines Sultans, und nachdem Plattnase diese stiehlt, gibt er sich erst zu erkennen, als der Bösewicht den »Real-Life-Spielstand« bereits gespeichert hat. Egal wie oft Plattnase fortan den Knopf drückt, um die Zeit zurückzustellen: Micky befindet sich schon in seinem Haus. Nach einer abschließenden Verfolgungsjagd wird Plattnase durch einen Vasenwurf Goofys endgültig zur Strecke gebracht. Es wird jedoch bereits angedeutet, dass Plattnase schon eine Idee hat, wie er dem Kittchen wieder entkommen kann. Micky nutzt das Zeitgerät abschließend einmal für seine eigenen Zwecke - um Minnie glücklich zu machen und nicht lange shoppen zu müssen -, dann wirft er es weg.

Die Einschätzung

Falls sich jemand den Spaß gemacht haben sollte, noch einmal ins Lustige Taschenbuch 360 zu schauen und sich dort die Vorgängerstory durchzulesen, der wird schnell feststellen, dass es zwischen den beiden Comics nicht nur einen inhaltlichen Zusammenhang gibt, sondern auch auffällige Dopplungen bei den eingebauten Storyelementen. Dabe wurde ein schmaler Grat bestritten, denn natürlich erhoffen sich Fans einer fortgesetzten Story gewisse Wiedererkennungswerte, es sollte jedoch auch nicht zu weit gehen, damit die eine Story nicht allzu sehr wie eine Kopie der anderen daherkommt. Wären die beiden Comics hierzulande wie in Italien im Abstand von vier Wochen erschienen, hätte man vermutlich schnell zu Letzterem tendieren können. Nachdem seit dem ersten auf Deutsch erschienenen Teil nun aber mehr als zehn Jahre verstrichen sind, sieht dies schon anders aus. Nun wirkt die dahintersteckende Idee, der Verlauf und die (tatsächlich ebenfalls ähnliche) Auflösung hingegen absolut frisch, unverbraucht und hochgradig unterhaltsam. Wie man Plattnase schnappt, wirkt sogar höchst kreativ. Angestaubt ist einzig das Aussehen von Goofys Computerspiel, denn diese sehen 2018 nun mal nicht mehr so aus wie 2005. Aber das fällt auch nicht weiter ins Gewicht. Ebensowenig stört, dass das Ganze voller Zeitparadoxa steckt ... aber das ist eben nahezu immer so, gerade bei dem Anspruch, der in einem solchen Funny an derartige Fragen gestellt wird. Hier hat uns so gut wie nichts gestört, und so gab es für den Comic von unseren Mitarbeitern auch zweimal die Note Eins, einmal die Note Zwei und zweimal die Note Drei, was einen Gesamtschnitt von 2,0 machte. Damit ist »Wie die Zeit verpufft« in unseren Augen die bis hierhin klar beste Geschichte des 508. Lustigen Taschenbuchs.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz