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  Die Entenanalyse: Und dann kam Dolly!
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Seit dem 26. Februar ist das 517. Lustige Taschenbuch im Handel, und wir lassen es in gewohnter Manier von fünf unserer Mitarbeiter Comic für Comic lesen. Der Titel des Bandes lautet »Gute Besserung«. Zuletzt thematisierten wir hier den Mitmach-Comic »Viele Wege führen aufs Sofa«, der mal etwas anders ablief als üblich, allerdings zu viele Ideen auf einmal umzusetzen versuchte. Unsere Analyse findet ihr an dieser Stelle. Was folgte, war die Gustav- und Donald-Geschichte »Pflege tut not«, die wir aufgrund ihrer Kürze - mehr als sieben Seiten umfasste sie nicht - an dieser Stelle übergehen. Stattdessen soll es hier mit »Und dann kam Dolly!« weitergehen, einem außergewöhnlich alten Comic, der im neuen Lustigen Taschenbuch abgedruckt wurde.

Und dann kam Dolly!

«Außergewöhnlich alt« bedeutet in diesem Fall mehr als ein halbes Jahrhundert, denn die Erstveröffentlichung im italienischen Magazin »Topolino« erfolgte schon am 18. Dezember 1966. Es handelt sich um den Debütauftritt von Dolly Duck, was vermutlich auch der Grund dafür sein dürfte, warum eine Übersetzung ins Deutsche so lange übergangen wurde. Hierzulande wird die Figur ja nur sehr sporadisch verwendet, und da verzichtete man offenbar darauf, sie großartig einzuführen. Der Originaltitel lautete »Arriva Paperetta Yè-Yè«, was man nicht so ganz sinnvoll 1:1 ins Deutsche übertragen kann, denn während die ersten beiden Begriffe mit »Dolly kommt an« übersetzt werden können, beschrieb »Yè-Yè« eine in Südeuropa beliebte Art Popmusik aus der Zeit, in der die Geschichte erschaffen wurde. A propos erschaffen: Ersonnen und skizziert wurde der Comic von Romano Scarpa, dem »Vater« von Dolly Duck. Scarpas Schüler Giorgio Cavazzano übernahm die Tuschereinzeichnungen.

Worum geht es?

Dagobert Duck erhält Post aus »Nugget City« im Wilden Westen: Er soll von seiner alten Freundin Nelly etwas abholen. Und da er ihr etwas schuldet, kommt er dem Wunsch nach. Mit einem Fallschirm springt er über dem Ort ab, steuert mit einer Luftdruckpistole (!?) seinen Flug nach unten und landet direkt bei dem Altersheim, in dem Nelly inzwischen wohnt. Nelly bittet ihn darum, ihre Enkelin Dolly mit nach Entenhausen zu nehmen, da sie keine Verwandten mehr hat, die auf sie achtgeben könnten.

Spoiler

Nach etwas Druck auf die Tränendrüse schafft es Nelly, den alten Knauser dazu zu bewegen, Dolly mit nach Entenhausen zu nehmen. Dagobert kauft sogar noch das Altersheim und macht Nelly zu dessen neuer Chefin. Mit einer Postrakete fliegt er anschließend mit Dolly zurück nach Entenhausen. Ihre Ankunft lässt er vorab per Funk nach Entenhausen vermelden, so dass die Einwohner der Stadt ihrer neuen Nachbarin ein Empfangsfest am Hafen bescheren können. Durch eine gelungene Imitationsnummer gewinnt Dolly schnell die Gunst der Städter. Anschließend verbringt sie viel Zeit mit Tick, Trick und Track und spielt mit ihnen. Dagobert lässt sich nicht lumpen und bereitet ein weiteres großes Willkommensfest vor, das eine Art Wild-West-Mottoparty werden soll. Nur eine kommt nicht: Dolly. Nachdem die Panzerknacker das Fest ausnutzen, um die Bewohner zu bedrohen und Dagobert mit Waffengewalt den Schlüssel zum Geldspeicher abnehmen, taucht Dolly mit einer Motorkutsche auf: Sie war in Nugget City, um Nelly zum Fest abzuholen. Die Panzerknacker werden überwältigt, und alle anderen feiern zusammen.

Die Einschätzung

In der Disney-Comic-Datenbank I.N.D.U.C.K.S. zählt »Und dann kam Dolly!« zu den besten Comics aller Zeiten. Wir können uns dieser Meinung leider nicht ganz anschließen. Wir nehmen an, dass die sehr gute Einstufung daher rührt, dass die Geschichte in anderen Ländern schon seit vielen Jahrzehnten bekannt ist und viele Leser deshalb nostalgische Gefühle mit ihr verbinden. Wenn man sie hingegen im Jahre 2019 erstmals liest, dann ist der Eindruck ein ganz anderer, und der Humor von damals hat sich einfach nicht gut über die Zeit gerettet. Die Story ist chaotisch und überdreht, sie widerspricht voll und ganz den aus heutiger Sicht gewohnten Charakterzeichnungen, und die Art, in der die erzählt wird, wirkt aus heutiger Sicht einfach nur merkwürdig. Dolly Duck wirkt so, als habe sie hyperaktiv machende Drogen genommen, der Enthusiasmus der Entenhausener über ihre Ankunft ist unerklärlich, dass eine Rakete (!) genutzt wird, um Post zu transportieren, macht ratlos, dass Dolly Entenhausener Einwohner perfekt imitieren kann, die sie gar nicht kennt, ergibt absolut keinen Sinn, und so weiter. Kurzum: Hier werden dem Leser jede Menge Kopfschmerzen bereitet, und wirklich interessant ist »Und dann kam Dolly!« allein aufgrund des comichistorischen Aspekts. Die Meinungen unserer Mitarbeiter gingen am Ende weit auseinander: Jeweils einmal wurden die Noten Zwei, Vier und Fünf vergeben, zwei Helfer entschieden sich für die Note Sechs. So konnten - oder mussten - wir »Und dann kam Dolly!« am Ende beim Durchschnittswert 4,6 einordnen.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz