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  Die Entenanalyse: Sonne, Strand und Schnee
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Vor wenigen Wochen haben wir an dieser Stelle die Comics des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 508 von fünf Mitarbeitern lesen und analysieren lassen. Damals empfanden wir einen Comic als richtig gut gelungen, einer war ziemlich mau, der rest fiel in die Kategorie »kann man lesen, muss man aber nicht«. Wer sich einen Überblick über unsere damaligen Meinungen verschaffen möchte, der kann dies an dieser Stelle tun. Am 17. Juli ist nun das Lustige Taschenbuch mit der Nummer 509 erschienen. Es trägt den etwas seltsamen Titel »Extrem erfrischen!«, und abermals haben wir ein Quintett darauf angesetzt.

Sonne, Strand und Schnee

Der Auftaktcomic des letzten Bandes hatte von einer Schatzsuche unter Palmen gehandelt, an deren Ende ein einseitiger Übergangscomic eingebaut worden war, in dem berichtet wurde, dass Donald Duck von seinem Onkel aus Melanesien wegbeordert wurde, um seinen Urlaub andernorts weiterzuführen. Wo, das sollte man im neuen Lustigen Taschenbuch erfahren. Tatsächlich startet der neue Band mit einem erneuten einseitigen Übergangscomic, nämlich dem titelgebenden »Extrem erfrischen!«, der das Bindeglied zwischen beiden Büchern darstellt und aufzeigt, dass Donald nach dem Abstecher in die Tropen nun plötzlich an einem Platz gelandet ist, der sich offenbar jenseits eines der Polarkreise befindet. Einen wirklichen Mehrwert hat man durch die Übergangscomics nicht.

Tatsächlich wurde die Verbindung erst bei der Übersetzung der beiden Comics geschaffen. Das Original von »Schatzsuche unter Palmen« war ein italienischer Comic aus dem Sommer 2014, das Original von »Sonne, Strand und Schnee« ist nun eine Story, die am 16. August 2017 erstmals im Magazin »Topolino« herausgegeben wurde. Auch stammen die beiden Comics aus vollkommen unterschiedlichen Schreibstuben: Die »Schatzsuche unter Palmen« war von Carlo Panaro ersonnen und von Carlo Limido gezeichnet worden, die neue Story wurde von Valentina Camerini geschrieben und von Maurizio Amendola zeichnerisch umgesetzt. Kurzum: Hier wurden Dinge miteinander zu einer fortgesetzten Angelegenheit verbunden, die eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Der 22 Seiten lange Dreireiher hieß im Übrigen ursprünglich »Paperino e la vacanza sottozero«, was zu Deutsch »Donald Duck und der Urlaub bei unter null Grad« bedeutet.

Worum geht es?

Donald soll an einem Urlaubsort meteorologische Daten sammeln. Dazu soll er lediglich einen Windmesser aufstellen, dann darf er seine Füße hochlegen, bis er eine Woche später von einem Flieger abgeholt wird. Offensichtlich kann am Zielort also ein Flieger landen, sonst könnte man ihn nicht wieder abholen, trotzdem wird Donald auf dem Hinflug unlogischerweise mit einem Fallschirm abgeworfen. Er findet sich zwar an einem Strand wieder, doch dieser befindet sich im Ewigen Eis, und so wird es eine fröstelnde Woche für unseren Helden.

Spoiler

In der Nähe des Strandes befinden sich zwei Fotografen, die den Auftrag haben, einen Yeti zu fotografieren. Da sie befürchten, dass sich dieser wegen Donalds Anwesenheit nicht blicken lassen wird, beschließen sie, sich selbst als Yetis zu verkleiden, Donald zu erschrecken und zu vergraulen. Ehe es soweit kommen kann, taucht der tatsächliche Yeti an und brüllt Donald an. Dieser läuft in sein Urlaubshaus und verbarrikadiert es, während es sich der Yeti auf Donalds Strandstuhl gemütlich macht. Als die Fotografen am Strand ankommen, versuchen sie den Yeti zu fotografieren, doch da dieser durchdreht, entstehen nur miserable Fotos. Als sie später versuchen, die Fotos an ihren Auftraggeber zu verkaufen, blitzen sie ab und werden verjagt. Donald schießt hingegen in aller Ruhe Fotos vom Yeti, der eine Sonnenbrille trägt und am Strand herumlungert, und ein paar Selfies von Donald mit dem Yeti sind auch dabei. Schlussendlich kann Donald diese Fotos teuer an eine Zeitung verkaufen, und mit dem Geld finanziert er für sich und seine Neffen einen entspannten Urlaub in der Sonne.

Die Einschätzung

Es gibt Comics, bei denen man sich ernsthaft fragt, warum jemand zu dem Schluss gekommen ist, dass ausgerechnet dieser eine Übersetzung ins Deutsche verdient hätte. »Sonne, Strand und Schnee« ist ein solcher Fall, denn hier ist einiges im Argen. Das fängt schon beim Grund für Donalds Reise an: Dass Dagobert seine Frachtschiffe mit Rückenwind fahren lassen will, deutet darauf hin, dass diese mit Windkraft betrieben werden, also offensichtlich mit Segeln ausgestattet sind. Da es sich nicht um einen Comic handelt, der im siebzehnten Jahrhundert spielt, sondern in der Gegenwart, ist es höchst fragwürdig, wieso die reichste Ente der Welt auf ein solches Transportmittel zurückgreift. Dann die Sache mit dem Yeti ... wenn wir Reinhold Messner richtig verstanden haben, befindet sich der Ort, an dem sich der sagenhafte Schneemensch potenziell befinden könnte, im Himalaya. Nun mögen wir nicht gerade die Geografie-Experten sein, sondern Fans von Büchern und Comics, aber einen Meeresstrand gibt es unseres Wissens bisher noch nicht im Himalaya, denn noch hat sich Kevin Costners dystopische Waterworld-Vision bekanntlich nicht erfüllt. Dass die Zusammenbringung des Yetis und eines Strandes etwas holprig ist, dürfte auch der Grund sein, aus dem gar nicht erst erwähnt wird, wo sich Donald in der Geschichte eigentlich befindet. Das Hauptproblem des Comics haben wir aber noch gar nicht genannt: Er enthielt keinerlei Spannungsbogen. Gar keinen. Der Yeti erscheint, Donald geht ins (wenige Meter daneben stehende) Haus bzw. vernagelt es noch in aller Ruhe von außen ... für so richtig gefährlich scheint er den Schneemenschen also nicht zu halten. Und letztlich war er das ja auch nicht. Wozu also die Mühe? Und wie krampfhaft in die Story reingezwungen sind die beiden Fotografen!? Was für ein Murks von einem Auftaktcomic! Unserer Meinung nach war das eine der schlechtesten Geschichten, die jemals den Weg ins Lustige Taschenbuch gefunden haben, und so vergab eine unserer Mitarbeiterinnen für sie die Schulnote Fünf, während sich alle anderen für eine Sechs entschieden. Summa summarum ergab dies den Durchschnittswert 5,8, und unsere Vorfreude auf den Rest des Bandes wurde tüchtig verdorben. Andererseits: Eigentlich kann es nun nur noch aufwärts gehen.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz