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  Die Entenanalyse: Mega-Medienrummel
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Seit dem Monatsersten kann man das 555. Lustige Taschenbuch im Handel finden. Seitdem wird »Abflug auf Ski« von fünf Mitarbeitern unserer Seite comicweise besprochen. Nach zwei eher schwachen Auftaktgeschichten hatte der Band mit »Der mysteriöse Mitreisende« zuletzt einen Schwenk in die richtige Richtung gemacht, wenngleich noch immer jede Menge Luft nach oben war. Den zugehörigen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Ihr habt bisher ein wenig friedlicher als wir abgestimmt: Während wir die Schulnote 3,0 vergeben haben, liegt der Zwischenstand eurer Abstimmung derzeit bei 2,81. Mit Phantomias geht es nun weiter.

Mega-Medienrummel

Hierbei handelt es sich um einen dreigeteilten Comic, der zwischen dem 21. April und 5. Mai des vergangenen Jahres in den damaligen Ausgaben des italienischen Magazins »Topolino« erstveröffentlicht worden war. Der Originaltitel lautete »Mi chiamo Paperinik« (Mein Name ist Phantomias). Die deutschen Komponenten erhielten zusätzliche Untertitel (»Prolog«, »Enthüllungen eines Helden« und »Sendepause für Schurken«), und zwischen den beiden Hauptteile wurde ein weiterer Comic eingeschoben, den wir demnächst thematisieren werden. Der Comic stammt von Marco Gervasio und wurde von Davide Cesarello gezeichnet. Insgesamt hat er einen Umfang von 56 Seiten.

Worum geht es?

Im vergangenen Jahr hatten wir hier den Comic Phantomiasland besprochen, in dem ein Geschäftsmann namens Marc Enclauh die Markenrechte an dem Namen »Phantomias« anmeldete und einen Phantomias-Freizeitpark aus dem Boden stampfte. Nun ist Marc Enclauh zurück und versucht, sich an Phantomias zu rächen.

Spoiler

Als Mittel dient Marc Enclauh ein (vermeintlicher) Dokumentarfilm über den nächtlichen Rächer. Darin stellt er Phantomias als Verbrecher dar, der seine Taten in erster Linie nur vollführt, um von ihnen finanziell zu profitieren. Unterfüttert werden die Hinweise auf angebliche Diebstähle durch O-Töne von berühmten Entenhausenern. Damit der Film ein Erfolg wird, engagiert Marc Enclauh einen extrem erfolgreichen Influencer namens Zack Dellas, der kräftig die Werbetrommel rührt. Es kommt, wie es kommen muss: Entenhausen wendet sich gegen Phantomias und glaubt alles, was Marc Enclauh über ihn behaupten lässt. Die Stimmung kippt so stark, dass sich die Polizei an die Fährten von Phantomias heftet. Er wird per Handy zurückverfolgt, allerdings stoßen die Ermittler nicht auf Donald, sondern gelangen durch eine Verfolgung des Phantomias-Roboters zu Daniel Düsentrieb. Dieser wird als mutmaßlicher Phantomias verhaftet. Der echte Phantomias versichert sich zunächst der Unterstützung durch Dagobert Duck und Gustav Gans (der ihn seit Der Pechpilz und der Glücksvogel verehrt), dann »befreit« er den Phantomias-Roboter aus der Polizeistation und lotst ihn per Fernsteuerung in Richtung von Marc Enclauhs Domizil. Dabei achtet er darauf, dass die Polizei ihn verfolgt. Bei Marc Enclauh angekommen, spielt er mit seinem Handy ein von Gustav Gans ins Internet gestelltes Video vor, in dem man sehen kann, dass Marc Enclauh einst (für das Phantomiasland) einen Phantomias-Roboter bei Düsentrieb bestellt hatte. Marc Enclauh gesteht, dass er Phantomias in seinem angeblichen Dokumentarfilm falsch dargestellt hat, weist aber darauf hin, dass dies kein Verbrechen war. Da Dagobert Duck jedoch sichergestellt hat, dass die Szene gerade live gestreamt wird, wissen fortan alle Bescheid. Phantomias ist rehabilitiert, und zahlreiche Kunden kündigen bei Enclauhs Streamingdienst. Donald lässt sich zudem die Bildrechte an Phantomias' Outfit markenrechtlich schützen, so dass es Enclauh nun theoretisch nichts (oder viel weniger) bringt, dass er nach wie vor die zugehörigen Namensrechte besitzt.

Die Einschätzung

Beim Lesen der Geschichte fällt vor allem eines auf: Hier waren Leute am Werk, die sich wirklich intensiv mit der Materie beschäftigt haben. Der Comic ist voller Quervereise auf alte Geschichten, einige davon erst wenige Jahre alt, andere hingegen schon ganze Jahrzehnte. Dadurch dürfte dann vermutlich jede Lesergeneration ein paar Aha-Effekte erleben. Ein wenig Stirnrunzeln hat uns dabei die Tatsache beschert, dass wir uns an die älteren Querverweise viel besser erinnern konnten als an die, die sich auf Comics bezogen, die wir selbst erst vor einigen Monaten gelesen haben. Entweder schwingt da die Nostalgie mit, oder man hat als Kind und Jugendlicher konzentrierter gelesen, oder die neueren Geschichten haben durch ihre Erzählweise viel weniger Wiedererkennungswert. Vielleicht ist uns allerdings auch einfach nur der Putz vom Kurzzeitgedächtnis gerieselt, und wir können uns generell nur noch an alten Kram erinnern. ;)

Die Geschichte selbst übertrifft die drei vorausgegangenen Comics ohne Zweifel. Es ist immer wieder eine Wohltat, wenn die Comicmacher ihren Storys mehr Raum geben, als sie in das übliche Korsett von maximal dreißig Seiten zu pressen. Es könnte unserer Auffassung immer noch ein bißchen weniger gehetzt vorgetragen werden, aber es ist definitiv besser als das, was einem sonst so häufig vorgetragen wird. Die Geschichte ist zwangsläufig auch komplexer und größtenteils ordentlich durchdacht. Nicht unter den Tisch kehren darf man, dass hier die Leichtgläubigkeit von Menschen und ihre Beeinflussbarkeit bloßgestellt werden - in Zeiten, in denen Querdenker an alles glauben, das man ihnen bei Telegram vorsetzt oder das von Twitter-Usern geschrieben wird, deren Nickname aus einem Vornamen und einem halben Dutzend Ziffern bestehen, ist das genau die richtige Botschaft. (Natürlich könnte man sie auch genau andersherum deuten, wenn man denn seriöse Medien für unseriöse Medien hält.)

Soweit sind wir also zufrieden. Das allerletzte Tüpfelchen auf dem i fehlte zu einem herausragenden Gesamteindruck trotzdem, ohne dass wir genau beschreiben könnten, woran dies lag. Womöglich lag's daran, dass Marc Enclauhs Holzhammermethode ein bißchen arg leicht funktioniert hat und alles ein wenig überzeichnet daherkam ... aber vielleicht auch nicht. Zumindest entschieden sich am Ende drei Mitarbeiterinnen für die Note Zwei, der Rest vergab eine Drei, und so landeten wir hier im Schnitt bei der Schulnote 2,4.


Wie fandet ihr "Mega-Medienrummel"?
1
 
 249 (56,5%)
Schulnote 2
2
 
 88 (20,0%)
Schulnote 3
3
 
 73 (16,6%)
Schulnote 1
4
 
 15 (3,4%)
Schulnote 4
5
 
 14 (3,2%)
Schulnote 5
6
 
 2 (0,5%)
Schulnote 6
An der Umfrage haben 441 Benutzer teilgenommen.
 
 
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz