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  Die Entenanalyse: Katz und Maus
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Kürzlich haben wir damit begonnen, die Comics des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 507 zu lesen, das den Namen »Auf zum Titel!« trägt und seit dem 22. Mai zu bekommen ist. Angefangen haben wir mit der Titelgeschichte, die anlässlich der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft verfasst worden war und die wir ganz manierlich fanden, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Weiter ging es mit einer Story, die für eine Webseite wie die unsere eigentlich geradezu maßgeschneidert erschien.

Katz und Maus

Zu unserer Seite passt sie, weil sie eine Hommage an die von Andrea Camilleri verfasste Buchreihe über den sizilianischen Commissario Salvo Montalbano ist. Sie wurde ursprünglich am 16. März des Jahres 2013 im italienischen Magazin »Topolino« veröffentlicht und trug damals den Titel »Topolino e la promessa del gatto«, was zu Deutsch »Micky Maus und das Versprechen der Katze« bedeutet. Der vierzig Seiten lange Dreireiher wurde von Francesco Artibani geschaffen, für die zeichnerische Umsetzung war Giorgio Cavazzano zuständig.

Worum geht es?

Micky und Minnie machen Urlaub in Italien, genauer gesagt im sizilianischen Vigatta, das an Camilleris fiktiven Ort Vigàta angelehnt ist. Die beiden beobachten, wie ein Mann und eine Frau (Malvo Mausalbano und seine Freundin Lydia) streiten. Am nächsten Morgen begibt sich Micky zu Minnies Hotelzimmer - züchtig wie die beiden sind, wohnen sie getrennt - und stellt fest, dass sie entführt wurde. Es zeigt sich, dass eine Verwechslung vorlag: Eigentlich sollte Lydia entführt werden. Fortan versuchen Micky und Commissario Mausalbano die Sache aufzuklären, auch wenn es dem Letztgenannten gar nicht recht ist, dass der Entenhausener Hobbydetektiv mitmischt.

Spoiler

Anhand eines zurückgelassenen Briefes offenbart sich, dass die Entführer die vermeintliche Lydia gegen einen Mann namens Momo Moskito eintauschen wollen. Bei diesem handelt es sich um einen Buchhalter, der gegen einen Gangsterboss namens Santo Sinatro aussagen will und seitdem anonym unter Zeugenschutz steht. Ein erster Versuch Mickys, die Sache im Alleingang zu lösen, scheitert und endet mit seiner Gefangennahme durch zwei Ganoven namens Proletore und Wanzetti, vor denen er wenig später durch einen Agenten gerettet wird. Fortan spielen Micky und Mausalbano voreinander mit offenen Karten, zumal beide bald das gleiche Ziel haben, denn in einem zweiten Anlauf wird auch Lydia entführt. Mit List und Tücke gelingt es, einen Gangster nach dem anderen aus dem Verkehr zu ziehen, bis nur noch der Commissario, Micky Maus und Santo Sinatro höchstpersönlich übrig sind. Dieser erklärt, dass alles eine Inszenierung war und er mit Lydia gemeinsame Sache gemacht hat: Sie wollte Mausalbano zu der Erkenntnis bringen, dass sie wichtiger als alles andere im Leben ist, damit er sein bisheriges Dasein im Dienste der Polizei endlich für sie zurückstellt (oder aufgibt). Micky hält Lydria deshalb für verwirrt, doch Minnie klärt ihn auf, dass sie sie sehr gut verstehen kann. Am Ende des Ganzen zollen sich Mausalbano und Micky gegenseitigen Respekt, und während die Entenhausener die Stadt verlassen, wendet der Commissario seine Aufmerksamkeit endlich seiner Freundin zu.

Die Einschätzung

Schon im letzten Lustigen Taschenbuch hatte es einen Comic gegeben, der auf einer Krimireihe basierte, nämlich auf dem »Tatort«. Unsere Analyse der damaligen Geschichte findet ihr an dieser Stelle. Damals hatten wir kritisch hinterfragt, wer eigentlich die Zielgruppe des Comics sein sollte, denn so richtig wollen der »Tatort« und die fröhlichen Disney-Comics nun mal nicht zusammenpassen. Hier verhält es sich ziemlich ähnlich. Womöglich sind die Verhältnisse in Italien ja ein wenig anders als hier, denn es kann ja gut sein, dass dort jedes Kind mit Commissario Montalbano aufgewachsen ist. Hierzulande assoziieren wir Camilleris Bücher jedoch gefühlsmäßig mit einer deutlich älteren Leserschaft. Und so stellt sich das auch in unserem Team dar: Zwar haben wir einige Mitarbeiterinnen, die schon Montalbano-Krimis gelesen haben, es sind jedoch vollkommen andere als das Quintett, das wir auf die Lustigen Taschenbücher ansetzen. Und ohne Überschneidung geht zwangsläufig einiges von der Wirkung der Geschichte verloren.

Immerhin wussten unsere fünf Leser des Comics, dass es die Montalbano-Geschichten gibt. Die Mehrzahl der kleinen Leser des Lustigen Taschenbuchs wird hingegen nicht wissen, was es hiermit auf sich hat, und die Geschichte einfach so »drauflos« lesen. Und da gibt es einfach ein paar Elemente, die ihre Wirkung verfehlen bzw. sogar wie Negativpunkte rüberkommen, obwohl Montalbano-Kenner sie ganz anders bewerten würden. Das betrifft insbesondere die Fülle an Nebenfiguren, die kurzzeitig im Vorbeigehen in die Story »hineingewürfelt« wurden und an Protagonisten von Camilleris Reihe angelehnt sind. Was für die einen Leser sicher jede Menge Aha-Effekte bescheren dürfte, wirkt für die anderen einfach nur konfus und planlos.

Sieht man davon einmal ab, ist die Story selbst an sich nicht schlecht. Vor allem überzeugt jedoch die zeichnerische Umsetzung, denn diese strahlt ein ganz besonderes Ambiente aus. Schlussendlich gingen die Wertungen unserer Mitarbeiter weit auseinander: Eine Mitarbeiterin entschied sich für die Schulnote Zwei, zwei für eine Drei, und jeweils einer für eine Vier und eine Fünf. Damit stand schlussendlich die Durchschnittsnote 3,4 zu Buche.
Autorentags: Andrea Camilleri
 
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