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  Die Entenanalyse: Fahrendes Fiasko
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Durch rund 180 Seiten des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 502 hatten sich fünf Mitarbeiter unserer Seite, die dafür eigentlich schon viel zu alt sind, bereits hindurchgeschmökert, und das Zwischenfazit fiel bisher wirklich gut aus. Auch die dritte Story, in der es um den Fall »Inspektor Mausetti« ging, hat uns gut gefallen, wir wir euch an dieser Stelle berichteten. Nun ging es mit einem Dagobert-Duck-Comic weiter.

Fahrendes Fiasko

Den nur eine Seite langen Auffüllcomic »Astronomie im Alltag: Der Sterngucker« haben wir an dieser Stelle übersprungen und mit der nächsten »richtigen« Geschichte weitergemacht. »Fahrendes Fiasko« wurde schon vor acht Jahren, nämlich am 12. Januar 2010, im italienischen Magazin »Topolino« veröffentlicht. Dass die Geschichte acht Jahre lang offenbar als nicht würdig empfunden wurde, übersetzt zu werden, war kein richtig gutes Vorzeichen. Das Original des 27 Seiten langen Dreireihers trug den Titel »Zio Paperone e la locomozione affaristica«, was zu Deutsch »Onkel Dagobert und das Geschäft mit der Bewegung« bedeutet, wenn wir das richtig verstanden haben. Erdacht wurde der Comic von Riccardo Pesce, für die zeichnerische Umsetzung war Luciano Gatto zuständig. Hierzulande wurde der Comic im 502. Lustigen Taschenbuch herausgegeben, das den Namen »Gefahr auf hoher See« trägt und ab dem 2. Januar 2018 erhältlich war.

Worum geht es?

Die Ducks kommen mit einer großen Tunnelbohrmaschine von ihrem neuesten Abenteuer zurück und parken es in Dagoberts Garage für Spezialfahrzeuge. Sentimental wie er ist, kann sich der reichste Mann der Welt von den skurrilen alten Gefährten, die darin parken, nicht trennen. Dies wird nun zu einem Problem: Die Polizei weist darauf hin, dass die Gefährte weder versichert noch zugelassen sind, und so fordert sie eine exorbitant hohe Strafzahlung von ihm. Dagobert muss sich deshalb Gedanken machen, wie sich die Aufbewahrung seiner Erinnerungsstücke refinanzieren könnte.

Eine Anmerkung dazu: Dagoberts Garage wird von einem Mann namens Tom geführt und bewacht. Im Original stellte die Figur offenbar den italienischen Comiczeichner Rodolfo Cimino dar, der zu jener Zeit schon über achtzig Jahre alt war (und inzwischen gestorben ist). Die Hommage an ihn wurde also von den Übersetzern nicht berücksichtigt, aber vermutlich hätte das ohnehin wenig Sinn gemacht, da die wenigsten deutschsprachigen Leser Cimino identifizieren (oder kennen) dürften. Sinn machte die Rolle für ihn aber auf jeden Fall, da die in der Garage geparkten Gefährte den von ihm geschaffenen Comics entliehen wurden.

Spoiler

Beim Eisessen kommt Dagobert die zündende Idee: Er lässt die Garage in ein »Mietzentrum« umbauen und bietet den Entenhausenern die Möglichkeit, die alten Gefährte bei ihm (gegen eine Gebühr) zu leihen. Die Idee findet großen Anklang, und schon wenig später schwirren und hüpfen unzählige aberwitzige Maschinen durch die Stadt. Dies fällt auch den Panzerknackern auf, die kurzerhand den Tunnelbohrer stehlen und planen, sich mit ihm bis zum Geldspeicher zu wühlen. Ihre Idee scheitert jedoch, denn sie bohren sich nicht zu Dagoberts Milliarden, sondern gezielt bis ins Gefängnis. Sie können anschließend flüchten, hinterlassen jedoch ein umfangreiches Röhrensystem unter der Stadt.

Indessen sorgen die Entenhausener, die sich die Gefährte ausgeliehen haben, für immer mehr Ärger, insbesondere da sie an den seltsamsten Stellen parken und damit ihre Mitbürger erzürnen. Die schlechte Stimmung wird an den Bürgermeister herangetragen, der daraufhin Dagobert verantwortlich macht und wutentbrannt zu ihm stürmt, um ihn dazu zu bringen, den entstandenen Schaden zu kitten. Die beiden können sich recht bald gütlich einigen: Dagobert parkt seine Gefährte wieder in seiner Garage und zahlt die Zulassungsgebühren (insbesondere mit den bereits eingenommenen Mieteinnahmen). Auf das Geschäft mit der Vermietung verzichtet er fortan, dafür hat er ein neues gewinnbringendes Projekt erhalten: Die von den Panzerknackern gebohrten Tunnel werden zu einem U-Bahn-System weiterentwickelt, und Dagobert darf dieses leiten.

Die Einschätzung

Bekanntlich ist unklar, wie groß Entenhausen überhaupt ist. Insbesondere in ganz alten Comics strahlte das Gebiet um Donalds Haus ein geradezu provinzielles bzw. dörfliches Flair aus, ansonsten wurde der Ort jedoch nahezu immer als Großstadt eingestuft. Beispielsweise erwähnte Dagobert Duck in der Rahmenhandlung des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 3 bei der Berechnung des regionalen Kürbisbedarfs, dass die Stadt eine Million Einwohner hätte. Allerdings hatten die Zwischensequenzen in den alten Lustigen Taschenbüchern auch immer einen recht improvisierten Charakter. Nichtsdestotrotz schien eigentlich immer ein weitgehender Konsens zu herrschen: Entenhausen ist eine große Stadt. Das »Fahrende Fiasko« ist in dieser Hinsicht nicht einmal in sich selbst schlüssig: Auf Seite 204 wird von einer »friedlichen Kleinstadt« gesprochen, was die Frage aufwirft: Welche friedliche Kleinstadt braucht denn bitteschön ein U-Bahn-Netz? So ergibt das Finale der Geschichte wenig Sinn.

Letztlich handelt es sich hier um eine recht alberne und auch ziemlich harmlose Story ohne jeden Spannungseffekt. Ihre eigentliche Daseinsberechtigung, nämlich die Ehrung von Rodolfo Cimino durch die Erinnerung an die von ihm ersonnenen Erfindungen und durch seinen persönlichen Auftritt, ist hierzulande verlorengegangen. Trotz alledem ist es natürlich nett, dass Cimino quasi über die italienischen Landesgrenzen hinaus geehrt wurde. Da wir nur die Wirkung des Comics selbst beurteilen, reichte dies allerdings nicht aus: Drei unserer Mitarbeiter gaben »Fahrendes Fiasko« die Schulnote Drei, zwei die Schulnote Vier, was auf die Durchschnittsnote 3,4 hinauslief. Den guten Gesamteindruck, den das Lustige Taschenbuch 502 bis hierhin machte, konnte dies allerdings nicht trüben.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz