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  Die Entenanalyse: Eine wahre Tragödie
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Vor fünf Tagen ist das neue Lustige Taschenbuch in den Handel gekommen, nämlich die Nummer 522 mit dem Titel »Sommerferien auf dem Mond«. Gleich drei Science-Fiction-Storys (oder zumindest Storys mit Science-Fiction-Komponenten) haben wir daraus schon besprochen, zuletzt den Comic »Wettrennen ins Weltall«, in dem Dagobert Duck die Idee seines Neffen Donald verfolgt, den Mond als Werbefläche für Blubberlutsch zu benutzen. Das Ganze erwies sich zwar als einigermaßen merkwürdig, funktionierte aber trotzdem ganz gut, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Nach all diesen Weltraumabenteuern ging es nun mit etwas Handfesterem weiter, nämlich einem Theaterstück ... oder zumindest so etwas Ähnlichem.

Eine wahre Tragödie

Zehn Seiten ist die Mindestlänge, die wir einst festgelegt hatten, unterhalb derer wir Comics nicht ausführlich besprechen. Dieser Dreireiher ist exakt zehn Seiten lang und schrammte daher ganz knapp daran vorbei, durchs Raster zu rutschen. Er wurde am 27. Mai des Jahres 2014 erstmals im italienischen Magazin »Topolino« veröffentlicht. Geschrieben wurde er von Marco Bosco, für die Zeichnungen war Fabio Pochet an Bord. Der Originaltitel lautete »La tragedia« (Die Tragödie), und das Ganze ist Teil der Kurzgeschichtenserie »Andiamo al cinema« (»Gehen wir ins Kino?«). Im vergangenen Jahr wurde eine der Kurzgeschichten in einem Halloween-Spezialband veröffentlicht, unseres Wissens landete bislang jedoch noch kein Teil der Reihe in einem Lustigen Taschenbuch der Hauptreihe.

Worum geht es?

Micky Maus und einige seiner Freunde und Feinde stellen auf einer Theaterbühne eine aktike Tragödie dar, um zu zeigen, was es mit dieser Form des Theaterstückes auf sich hat.

Spoiler

Horatio III. (Rudi Ross) herrscht über England. Er fürchtet, dass ihm sein Thron streitig gemacht werden könnte, und verdächtigt deshalb alles und jeden. Sein Berater Kater Karlo, der eigentlich ein Spion des verfeindeten Nachbarreiches ist, das von McPlatt (Plattnase) angeführt wird, redet dem Herrscher ein, dass er Sir Mauslin (Micky Maus) nicht vertrauen darf, da dieser Witze über ihn erzählt. Mauslin ist der Anführer des königlichen Heeres und der Verehrer der Kronprinzessin. Da Karlos Worte Wirkung zeigen, wird Mauslin verhaftet und auf eine einsame Insel verbannt. Es vergeht nicht viel Zeit, da steht McPlatt mit einer riesigen Armee vor Horatios (nun verteidigungslosen) Toren. Der erkennt seinen Fehler und lässt Mauslin zurückholen. Eigentlich will Mauslin nicht mehr, doch ihm wird eingeredet, dass ihm die Dankbarkeit der Kronprinzessin sicher sei. Mauslin kehrt also zurück, doch mit seinen getreuen acht Soldaten wird er von den 5.000 Streitern McPlatts innerhalb weniger Sekunden überrannt. Horatio III. muss seine Krone an McPlatt weiterreichen. Der kann sich jedoch nicht lange darüber freuen, denn der König von Frankreich (Kralle) taucht auf und bringt McPlatt zur sofortigen Kapitulation. Am Ende landet Horatio mit seinem ehemaligen Hofstaat genau wie McPlatt auf der einsamen Insel, auf der zuvor Sir Mauslin ausharren musste, und alle sind traurig.

Puh ...

Die Einschätzung

In der Comic-Datenbank I.N.D.U.C.K.S. zählt »Eine wahre Tragödie« zu den zehn Prozent der am besten bewerteten Disney-Comics aller Zeiten. Nachvollziehen können wir das nicht so ganz, denn uns erschien die Geschichte wie ein hastig zusammengesetztes Stückwerk, dem der Sinn größtenteils fernblieb. Womöglich haben die Abstimmenden bei I.N.D.U.C.K.S. ja der ungewöhnlichen Kulisse und Erzählweise ihren Respekt gezollt, aber beides konnte unserer Meinung nach nicht die dürftige Story ausgleichen. Vielleicht hätte man hier etwas Vernünftiges draus machen können, wenn es sich um einen dreißig Seiten langen Standardcomic gehandelt hätte, der sich etwas mehr Zeit gelassen hätte, so aber war das Ganze nicht mehr als ein wildes Hüpfen von Szene zu Szene, ohne dass die Rollen auf sinnvolle Weise etabliert werden konnten. Und dass nach der Machtübernahme durch »McPlatt« einfach aus dem Nichts eine ganz neue Figur hervorgezaubert wurde, um innerhalb von zwei, drei Panels nochmal alles zu drehen, wirkte auch ziemlich schwach. So waren wir hier am Ende ratlos, was uns die Macher des Comics sagen wollten, und selbst wenn es nur darum ging, den Lesern zu erklären, was eine Tragödie ist, hätte man sich schon etwas Besseres einfallen lassen können. Womöglich ist das alles aber auch ein Meta-Gag, und die eigentlich gemeinte Tragödie besteht in der Qualität des Comics? Hmm, wer weiß. Auf jeden Fall vergaben zwei unserer Mitarbeiter die Note Vier, während sich der Rest für eine Fünf entschied, und so landeten wir hier im Schnitt bei der Schulnote 4,6.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz