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  Die Entenanalyse: Duckenstein (von Mary Shelduck)
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Vor einigen Wochen ließen wir fünf Mitarbeiter unserer Seite das 511. Lustige Taschenbuch lesen. Schlussendlich erwies sich »Gauner im Goldrausch« als herbe Enttäuschung, denn eine darin abgedruckte Geschichte war schlechter als die andere, und Lichtblicke waren nur sehr spärlich gesät. Unsere damalige Zusammenfassung könnt ihr nach wie vor an dieser Stelle nachlesen. Am 9. Oktober ist mit »Duckenstein« nun ein neuer Band erschienen, nämlich die Nummer 512. Auch dieses werden wir nun Comic für Comic lesen. Das Hauptthema ist dabei natürlich Halloween, und mit der Titelgeschichte haben wir losgelegt.

Duckenstein (von Mary Shelduck)

Das Buch beginnt mit einem Comic, der zu einer Literaturwebseite wie die Faust aufs Auge passt, denn wie es der Titel schon andeutet, handelt es sich um eine Hommage an Mary Shelleys Roman »Frankenstein oder Der moderne Prometheus« ... oder um eine Parodie, je nachdem, wie man es interpretieren möchte. Das Erfreuliche: Mit 72 Seiten ist es endlich mal wieder eine ausführlichere Geschichte, wie sie früher häufig in den Lustigen Taschenbüchern abgedruckt wurde, während später eine magische Dreißig-Seiten-Marke etabliert wurde. Ursprünglich erschien »Duckenstein di Mary Shelduck« am 1. und 8. November zweigeteilt im italienischen Magazin »Topolino«. Auch hier im Lustigen Taschenbuch blieb die Zweiteilung bestehen, wenngleich man die beiden Parts unmittelbar hintereinander abdruckte. Die Komponenten tragen die Titel »Die Schöpfung« und »Eine neue Welt«. Geschrieben wurde die Story im Übrigen von Bruno Enna, für die außergewöhnliche zeichnerische Umsetzung war anschließend Fabio Celoni zuständig.

Worum geht es?

Im Nordpolarmeer wird der teils in einen Eisblock eingefrorene Viktor von Duckenstein von einer Scholle gefischt und an Bord eines Schiffes gehievt. Nachdem er halbwegs wieder aufgetaut und bei Sinnen ist, erzählt er, was ihn in die Gefilde geführt hat. Sprich: Er erzählt die Geschichte von der Erschaffung einer Kreatur, die er selbst »Grumpf« nennt, und nach der er hier - im ewigen Eis - sucht.

Spoiler

Viktors Onkel aus Genf ärgerte sich jahrelang über die Träumereien und künstlerischen Versuche seines Neffen. Nachdem Viktor auch noch einen Brand verursacht, schickt er ihn nach Ingolstadt, um dort »etwas richtiges« zu studieren. Was der Onkel nicht ahnt: An der Hochschule werden sowohl Viktors künstlerische als auch alchemistische Interessen bedient. Mittels einer neuen Erfindung - der Pappe - möchte er schließlich Kreaturen, die er zuvor nur gezeichnet hatte, zum Leben erwecken. Dank eines Blitzschlages gelingt ihm dies tatsächlich. »Grumpf«, wie seine Schöpfung genannt wird, stürzt jedoch durch eine Fenster und ist sofort nach der Erweckung wieder verschwunden. Lange sucht er nach ihm, dann kapituliert Viktor und wird depressiv. Er vermutet, dass der starke Regen die Pappe aufgelöst und Grumpf vernichtet hat. Tatsächlich konnte Grumpf dank seines leichten Materials an einem Papierdrachen hängend davonschweben. In der Folge erweitert er seine Fähigkeiten, lernt lesen, sprechen und viele andere Dinge. Schließlich kehrt er zurück. Unter Mithilfe der drei Jungen Wilm, Wolf und Waldo (Tick, Trick und Track) versucht er Viktor davon zu überzeugen, Kreaturen zu erschaffen, die so sind wie er, damit er nicht mehr allein sein muss. Ehe es dazu kommt, muss er flüchten, da die Menschen nicht erkennen, wie gutherzig er ist, sondern in ihm aufgrund seines extravaganten Äußeren nur ein Monster sehen. Viktor erkennt, dass die Leute nicht recht haben und es deshalb richtig ist, neue Geschöpfe zu erzeugen. Er sucht nach Grumpf und reist mit ihm an einen Ort, an dem fortan alle wunderbaren und fantastischen Kreaturen einen Platz finden sollen: Entenhausen. Am Ende zeigen sich zwei Dinge: Man soll den Charakter anderer niemals an deren Äußeren festmachen, und man soll nie aufhören, die Welt mit Kinderaugen zu sehen.

Die Einschätzung

Erfreulich ist, dass die Comicmacher nicht einfach nur bei der Idee stehengeblieben sind, Frankensteins Monster in ihren Comic einzubauen, vielmehr haben sie sich tatsächlich bemüht, viele Elemente der Literaturvorlage in die Story einzuflechten, wenn auch (teils) auf andere Weise als im Original. Und natürlich wurde die Geschichte kindgerecht entschärft, denn zweielsfrei kann man in einem Comic aus dem Lustigen Taschenbuch niemanden ins Feuer gehen lassen. Teils sind die Entschärfungen ziemlich kreativ ausgefallen: Natürlich konnte die Kreatur nicht aus Leichenteilen zusammengesetzt werden, und dass man stattdessen Malcolm Thornhills Experimente mit Pappe heranzog und Viktor von Duckenstein diese auch noch aus der Erde ausgraben muss, kam beispielsweise als ein sehr gelungener Kniff rüber. Daher wurde hier Literatur wirklich mal sehr gelungen verarbeitet. Die Zeichnungen sind indessen vermutlich Gewöhnungssache. Wir würden wetten, dass es nicht wenige Leser gibt, die den Comic zeichnerisch herausragend finden und deutlich besser als »üblich«. Wir hingegen empfanden die Zeichnungen ziemlich anstrengend und unübersichtlich, bisweilen sogar sehr überladen. Insbesondere verschwammen die Protagonisten oft mit dem detailreichen Hintergrund. Nichtsdestotrotz: Nach dem enttäuschenden 511. Lustigen Taschenbuch war dieser Comic genau der richtige, um sämtliche üblen Befürchtungen achtkantig vom Tisch zu wischen. Sogar eine gute Botschaft wurde ans Ende gepackt. Schlussendlich gaben jeweils zwei unserer Mitarbeiter »Duckenstein« die Noten Eins und Zwei, und einer entschied sich für eine Drei. Das bedeutete summa summarum den Durchschnittswert 1,8.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz