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  Die Entenanalyse: Die Wippschwänzige Wirrschopfschnepfe
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In den vergangenen Tagen haben wir das aktuelle Lustige Taschenbuch Comic für Comic durchgelesen. Die Nummer 539 heißt »Zurück am Tatort Entenhausen« und ist seit dem 10. November im Handel. Zuletzt stellten wir hier eine durchschnittliche Story über die Organisation zum Kampf gegen Monster aller Art (O.M.A.) vor, in der Dussel und Donald Duck mit einigen Unterstützern gegen einen Gestaltwandler ins Feld zogen, wie ihr an dieser Stelle nach wie vor nachlesen könnt. Im Vergleich zu den meisten vorausgegangenen Geschichten dieses Bandes war der Comic halbwegs okay, aber machen wir uns mal nichts vor: Die Ausgabe ist so schwach, dass daran nichts mehr zu retten ist. Bringen wir's jetzt also zu Ende und widmen uns dem letzten Comic, der noch offen war.

Die Wippschwänzige Wirrschopfschnepfe

Der letzte Comic des Bandes ist ein vergleichsweise junger, denn die Erstveröffentlichung erfolgte erst vor einem knappen Dreivierteljahr. Abgedruckt wurde sie in der Ausgabe des italienischen Magazins »Topolino«, die am 4. März 2020 herausgegeben wurde. Damals trug der dreißig Seiten lange Dreireiher den Titel »Zio Paperone e la bufala migratoria«, was man auf Deutsch mit »Onkel Dagobert und die Wanderente« übersetzen könnte. Beim eigentlichen deutschen Titel ließen es die Übersetzer also ein wenig mehr eskalieren. Die Idee zur Story stammt von Blasco Pisapia, und dieser hat das Ganze auch gleich selbst gezeichnet.

Worum geht es?

Der knausrige Dagobert Duck geht in den Stadtpark, um dort kostenlos in den Zeitungen der anderen Parkbesucher mitlesen zu können. Einer der Männer ist von Dagoberts Verhalten so genervt, dass er beschließt, ihn hereinzulegen. Er druckt eine eigene Ausgabe der Zeitung mit völlig frei erfundenen Meldungen und lässt diese Dagobert mitlesen. So erfährt der reichste Erpel der Welt von einer (angeblichen) Alge, die Energie liefert und das Ende für das Erdölgeschäft bedeuten könnte. Diese wird von einem speziellen Vogel - der titelgebenden Wippschwänzigen Wirrschopfschnepfe - gefuttert. Findet man sie, dann findet man auch die Alge.

Spoiler

Kurzerhand verkauft Dagobert all seine erdölverarbeitenden Firmen, informiert sich darüber, wie der Vogel aussieht, und begibt sich auf eine Reise, um nach dem Federvieh zu suchen. Zwischenzeitlich sollen seine Angestellten auch noch weitere Aufgaben erledigen: Aufgrund einer angeblich drohenden Sitzsteuer sollen sie all seine Stühle zerstören, und da eine Sammlung von Mülltonnen Millionen Taler wert sein soll, sollen sie ihm Unmengen von Kontainern besorgen. Die wirren Anweisungen führen dazu, dass die Medien Dagobert als altersbedingt durchgedreht darstellen, und seine kompletten Geschäfte gehen den Bach hinunter. Nach einer langen Fahrt durch internationale Gewässer findet Dagobert den gesuchten Vogel ausgerechnet im Gründlsee ganz in der Nähe von Entenhausen. Er kauft den See kurzerhand. Wenig später wird das Gebiet zufälligerweise im neuen Flächennutzungsplan der Stadt zum Luxusbaugebiet erklärt, und der Kauf des Sees erweist sich als das größte Immobiliengeschäft des Jahrzehnts. Urplötzlich glauben alle, Dagobert sei in Wirklichkeit ein geschäftliches Genie, das ihnen einfach nur ein paar Schritte voraus ist, und das scheinbar konfuse Handeln hätte jederzeit Sinn gehabt. So beginnen alle ihre Erdölaktien zu verkufen. Dagobert kauft seine zuvor abgestoßenen Firmen preisgünstig zurück, wodurch ihn die Erdölaktion am Ende sogar mehr Geld bringt. Der Haufen an zerschmetterten Stühlen wird als Kunstobjekt identifiziert und ist fortan Millionen wert. Nur mit den Mülltonnen weiß Dagobert nichts anzufangen. Der Mann, der Dagobert im Park hereingelegt hatte, versucht abschließend seine Geschichte an die Medien zu verkaufen, wird jedoch achtkantig aus der Redaktion des Entenhausener Kuriers geworfen.

Die Einschätzung

An sich passt es zum Puls der Zeit, einen Comic zu verfassen, in dem deutlich wird, dass man nicht ständig alles glauben sollte, was man liest, da heutzutage viele Wirrköpfe unterwegs sind, die frei erfundenen Nonsens in die Welt pusten. Womöglich liegen die Begriffe des Wirrkopfes und der Wirrschopfschnepfe auch nicht zufällig so nah beieinander. Dass es letztlich ausgerechnet der gewiefteste Geschäftsmann der Welt ist, der auf eine Falschmeldung hereinfällt und nichts gegencheckt, obwohl er innerhalb des Comics sogar mit einem Mobiltelefon und einem Laptop hantiert, ist dagegen schon etwas fraglich. Nebenbei, der ganze Aufhänger mit dem Suchen nach kostenlosen Zeitungs-Lesegelegenheiten, der jahrzehntelang gut funktioniert hat, wird ein wenig ad absurdum gefühlt, wenn Dagobert gleichzeitig auf seinem Notebook im Internet surft. Wozu braucht er dann noch Zeitungen, in denen er heimlich mitlesen kann? Dagoberts Verhalten in dem Comic ist jedenfalls nicht ganz charaktergemäß. Und die Reaktionen der Börse auf sein Tun sind zwangsläufig auch übertrieben. Und dass derjenige, der auf Fake News hört, in Folge einer Verkettung von Zufällen auch noch als der große Gewinner aus alledem herausgeht, ist erst recht fraglich. Dennoch: Der allerschlechteste Comic war »Die Wippschwänzige Wirrschopfschnepfe« nicht, denn abgesehen von der überzogenen Darstellung war die dahintersteckende Idee eine gute, und der ein oder andere funktionierende amüsante Moment war auch vorhanden. Schlussendlich entschied sich eine unserer Mitarbeiterinnen für die Schulnote Drei, die übrigen Testleser vergaben eine Vier. So landeten wir summa summarum beim Durchschnittswert 3,8.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz