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  Die Entenanalyse: Die Farben der Zukunft
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Derzeit lassen wir ein Quintett an Mitarbeitern unserer Webseite die einzelnen Comics des 539. Lustigen Taschenbuchs lesen, und leider hat sich dies bisher nicht gerade als spaßige Aufgabe erwiesen: Nach positiven Momenten musste man bis hierhin mit der Lupe suchen. Über die zuletzt von uns analysierte Geschichte »Ein Fantastilliardär auf Abwegen« konnte man eigentlich nur eine gute Sache schreiben: Sie war zum Glück schnell wieder vorbei. Den zugehörigen Bericht findet ihr an dieser Stelle weiter. Nun ging es in dem Band, der »Zurück am Tatort Entenhausen« heißt und seit dem 10. November im Handel ist, mit einer eigentümlichen Verschmelzung von Zukunft und Vergangenheit weiter.

Die Farben der Zukunft

Es handelt sich um einen vergleichsweise jungen Comic, denn die Erstveröffentlichung im italienischen Magazin »Topolino« liegt gerade einmal ein Jahr zurück. Dort wurde er am 2. Oktober 2019 in der 3332. Ausgabe abgedruckt. Der 36 Seiten lange Dreireiher hieß damals »Minni e i colori della scienza«, was zu Deutsch »Minnie und die Farben der Wissenschaft« bedeutet. Verfasst wurde die Story, die auf der Challenger-Expedition von 1872 bis 1876 basiert, von Matteo Venerus. Für die Zeichnungen war Paolo De Lorenzi verantwortlich. Das Ganze ist Teil einer losen Reihe über Frauen aus dem viktorianischen Zeitalter, genauer gesagt der siebte Teil der Serie. Zwei davon hatten es in der Vergangenheit bereits in die deutsche Sprache geschafft, in der Standardreihe des Lustigen Taschenbuchs war davon jedoch aber noch nichts zu sehen gewesen. »Der wahre Reichtum« hatte man im November 2015 in den Sonderband »Frohes Fest in Entenhausen« gepackt, »Minnie und der Keim des Verbrechens« konnte man im November 2016 im zweiten »großen Duckhaus« lesen.

Worum geht es?

Mack und Muck haben die Hausaufgabe, ein Bild von der Zukunft zu malen, wie sie sich vorstellen. Da ihnen jegliche Idee fehlt, versucht Minnie ihre Fantasie zu wecken, indem sie eine inspirierende Geschichte von ihrer viktorianischen Vorfahrin Minnie Conquete schildert. Diese nimmt auf der ersten Ozeanexpedition der Geschichte die Rolle ein, die in Wirklichkeit ein Mann namens John James Wild innehatte, nämlich die der Zeichnerin aller Fundstücke. Leiter der Expedition ist ein Professor namens Zapotech (Professor Zapotek), Kapitän ist Micky Jackmaus (Micky Maus), die Matrosen sehen alle aus wie Schnauz, und Trudy ist auch mit an Bord.

Spoiler

Immer wieder wird Schlamm vom Meeresboden befördert, diverse kleine Lebewesen werden gefunden und gezeichnet, und die Stimmung an Bord verfinstert sich zusehends, da die Schiffsleute nicht wissen, was das Ganze soll. Mit ihren Bildern versucht Minnie Conquete den Entdeckergeist der Mannschaft zu wecken, was jedoch nicht funktioniert. Da Micky Jackmaus seine Mannen mit sehr strenger Hand führt und sie pausenlos anschreit, ist die Motivation ohnehin am Boden. An einer Gefängnisinsel wird angelandet, um einen kriminellen Orchideenjäger namens Karlito (Kater Karlo) mit an Bord zu nehmen. Dieser bekehrt Trudy zum Bösen und zettelt eine Meuterei der vielen Schnauze an. Minnie versucht alle mit ihren Bildern wieder zu beruhigen, was nicht funktioniert. Dann aber explodiert ein Vulkan in der unmittelbaren Nähe, und sie stürzt über Bord. Mit vereinten Kräften wird sie wieder aus dem Wasser geholt, was die Mannschaft wieder zusammenschweißt. Nur Karlito und Trudy nicht - die beiden setzen sich mit dem Rettungsboot ab. Fortan verläuft die Expedition in ruhigen Bahnen, und alle sind stolz, etwas zum Wohle der Wissenschaft beizutragen. Abschließend zeichnet Minnie ein Bild, in dem sie darzustellen versucht, wie das Schiff wohl vom Weltall aus aussehen könnte: als blauer Punkt. Mack und Muck sind von der Story so inspiriert, dass sie tatsächlich eine Zukunftsvision zu Papier bringen: Sie vermuten, dass sich Lehrer in der Zukunft als Aliens entpuppen werden.

Öh ... bitte was? Aliens!?

Die Einschätzung

Das Unlogischste an der Geschichte ist die Verbindung aus der Rahmenhandlung und der von Minnie erzählten Geschichte. Mack und Muck sollen ein Bild von ihrer Zukunftsvision erzählen, woraus folgt, dass Minnie eine Geschichte aus den Jahren 1872 bis 1876 erzählt, woraus folgt, dass Mack und Muck einen Alienlehrer zeichnen ... äh ... hm ... wir sind nicht die Einzigen, die das merkwürdig finden, oder? Wenn hier ein gedanklicher Geniestreich der Comicmacher verborgen sein sollten, dann können wir ihn nicht erkennen. Vor allem war es vollkommen unnötig, diese Rahmenhandlung überhaupt rund um die erzählte Geschichte zu stricken. Hätte man sie einfach weggelassen, hätte man drei, vier Seiten verloren, aber wenigstens eine in sich geschlossene (und halbwegs runde) Geschichte erzählt. Wobei man sagen muss, dass auch diese isoliert betrachtet nicht überragend ist. Über viele Seiten wird relativ nichtssagend nach Schlamm gesucht und man fühlt sich ähnlich mäßig unterhalten wie die Schnauz-Doppelgänger, die das Schiff lenken, Trudys Wendung vom Guten zum Bösen ist nicht sonderlich schlüssig, Kater Karlo wirkt nicht gefährlich, sondern taucht einfach nur kurz auf und ist gleich danach wieder weg, und am Ende schweift das Ganze krampfhaft ins Philosophische ab, ohne dabei wirklich gehaltvoll zu werden. Sorry, aber das war schon wieder nix. So kam es, dass unsere Mitarbeiter die Geschichte genauso bewerteten wie »Ein Fantastilliardär auf Abwegen«: Jeweils einmal wurden die Schulnoten Drei und Vier vergeben, dreimal gab es die Fünf. Am Ende landeten wir abermals beim Durchschnittswert 4,4.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz