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  Die Entenanalyse: Der Herr der Hähne
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Vor fünf Tagen ist ein neues Lustiges Taschenbuch herausgekommen, nämlich die Nummer 519, die den Titel »Die Bestie von Duckenburgh« trägt. Nachdem die Titelstory noch ganz ordentlich war und unsere fünf Testleser zuversichtlich stimmte, ging es rapide bergab. Der zuletzt von uns thematisierte Micky- und Goofy-Comic »Invasion der Jedermanns« war ein gehöriger Schmarrn, der mit zunehmender Seitenzahl immer weiter abbaute, wie ihr an dieser Stelle nachlesen könnt. Im Lustigen Taschenbuch folgte ein unsäglicher Dussel-Duck-Einseiter, über den wir hier den Mantel des Schweigens hüllen, und dann ging es mit Phantomias weiter.

Der Herr der Hähne

Dieser Comic wurde zu Beginn des vergangenen Jahres im italienischen Magazin »Topolino« veröffentlicht, genauer gesagt am 31. Januar. Der 28 Seiten lange Dreireiher wurde von Matteo Venerus geschrieben und von Roberto Vian gezeichnet. Im Original hieß er »Paperinik e la festa inventata«, was man mit »Phantomias und das erfundene Fest« übersetzen kann. In der Disney-Datenbank I.N.D.U.C.K.S. zählt er zu den am schlechtesten bewerteten Comics überhaupt.

Worum geht es?

Dagoberts Gewinnkurve steigt nicht mehr an, sondern verläuft seitwärts, was der reichste Erpel der Welt als Katastrophe betrachtet. Doch er hat eine zündende Idee: Er will ein neues Fest erschaffen, da er anhand von Halloween und dem alljährlichen Erpeltag festgestellt hat, wie sehr dann die Geldhähne sprudeln. Donald ist ziemlich genervt von den Plänen seines Onkels.

Spoiler

Donald will (als Phantomias) gerade die Panzerknacker in einem alten Wasserwerk zur Strecke bringen, als ein Auto heranrauscht. Es ist Dagobert, woraufhin die Ganoven das Weite suchen. Durch Recherchen hat Dagobert herausgefunden, dass es einst eine große Dürreperiode gab, bis ein Junge an dieser Stelle einen Hahn an einem Brunnen öffnete und so an Wasser kam. Mit ein wenig Ausschmückung wird eine Legende darum gestrickt, und fertig ist das »Wasserfest«, mit dem der damalige Fund fortan zelebriert werden soll. Die Planungen für das Fest kommen rasch ins Rollen. Von jedem verkauften Festartikel spendet Dagobert einen Kreuzer, wodurch ein neues Freibad finanziert werden soll, so dass auch der Bürgermeister begeistert ist. Nur einen freut die Sache nicht: Klaas Klever. Er engagiert die Panzerknacker, damit sie die überdimensionierte Spendenflasche ausräumen und das Fest auf diese Weise ruinieren. Diese wird in der Nacht von Phantomias bewacht ... glauben sie zumindest. Als sie ihn ausschalten, stellt sich heraus, dass es sich um den Phanto-Bot handelt. Klaas Klever spielt indessen eigentlich ein doppeltes Spiel, denn er hat seinen Assistenten Anwantzer - kostümiert als »Herr der Hähne«, die Symbolfigur des Wasserfestes - angewiesen, die Panzerknacker zu überwältigen. Diese schlagen Anwantzer jedoch ein Schnippchen und überrumpeln ihn. Statt ihm bereinigt Phantomias die Szene. Donald will am Ende Dagobert eins auswischen, da er dessen Gewinnstreben verurteilt. Er wird jedoch sofort von ihm entlarvt. Er muss sich jedoch nicht grämen: Dagobert wurde inzwischen von einem echten Wassergeist besucht, der ihn überzeugt hat, der Stadt nicht nur einen Kreuzer pro verkauftem Gegenstand, sondern seine kompletten Gewinne zu spenden. So wird das Fest für alle eine doppelt freudige Angelegenheit. Der Wassergeist feiert mit.

Die Einschätzung

Zumindest so viel kann man positiv über den Comic sagen: Was da an Wertungen bei I.N.D.U.C.K.S. abgegeben wurde, tut dem Comic bis zu einem gewissen Grad unrecht. Er ist nicht so ganz das Gelbe vom Ei, aber zu den schlechtesten Geschichten aller Zeiten kann man ihn nun wirklich nicht zählen, gerade wenn man ihn im Vergleich zu den Storys betrachtet, die ihm in dem Band vorausgegangen waren. Allerdings kann man sich schon denken, woher die Kritik kommt: Das Finale der Geschichte ist schon ziemlich vermurkst worden. Dass da aus dem Nichts kurz vor dem Ende noch ein Wassergeist hergezaubert wird, der quasi als Deus ex Machina zur Bereinigung der Situation beiträgt, ist schon ziemlich schwach. Andere Merkwürdigkeiten: Warum flüchten vier Panzerknacker vor Dagobert aus dem Wasserwerk? Warum warten sie nicht erstmal ab und schauen, wer da kommt? Warum erkennt Dagobert Duck seinen eigenen Neffen in dessen Phantomias-Kostüm niemals, obwohl sein Gesicht nur durch eine unscheinbare Augenklappe verändert wird, während er ihn in seiner Verkleidung als »Herr der Hähne« sofort erkennt, obwohl sein Gesicht fast vollständig verhüllt ist? Sehr fragwürdig. Aber wie gesagt: Ganz so schlecht ist die Geschichte wirklich nicht, man kann ihr einen anständigen Unterhaltungsfaktor und ein paar gelungene Scherze nicht absprechen. Und dass der Zusammenhang von künstlich erschaffenen Festlichkeiten und materialistischen Zielen hier so deutlich herausgestellt wird, kann man auch noch als (berechtigte) Gesellschaftskritik betrachten. Schlussendlich gab eine unserer Mitarbeiterin dem Comic die Note Zwei, jeweils zweimal wurden die Drei und die Vier vergeben. So kamen wir am Ende beim Durchschnittswert 3,2 heraus.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz