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  Die Entenanalyse: Der ewige Sündenbock
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Seit gestern lesen wir die Comics des 518. Lustigen Taschenbuchs, das seit dem 26. März im Handel ist. Es ist dem 65jährigen Jubiläum des ersten Auftauchens des Schlauen Buches in einem Carl-Barks-Comic gewidmet und trägt den Titel »Das Schlaue Buch in Gefahr«. Die Titelgeschichte empfanden wir allerdings nur mäßig, und sicher wäre es möglich gewesen, dem Schlauen Buch eine bessere Hommage zu seinem Ehrentag zu widmen. Ihr findet unsere zugehörige Analyse an dieser Stelle. Weiter ging es mit Kater Karlo.

Der ewige Sündenbock

Es handelt sich um die längste Geschichte dieses Bandes, denn der Dreireiher ist insgesamt 52 Seiten stark. Er wurde in zwei Teilen namens »Schuldig oder nicht?« und »Ein Schurkenstück im großen Stil« abgedruckt, zwischen denen diverse andere Comics platziert wurden ... was auch immer man sich davon versprochen hat, denn so ziemlich jeder dürfte erst einmal zum zweiten Teil vorblättern. Die ursprüngliche Veröffentlichung im italienischen Magazin »Topolino« erfolgte vor einem halben Jahrzehnt, genauer gesagt am 15. Juli 2014. Auch damals erfolgte eine Zweiteilung, jedoch druckte man die Parts hinterereinander ab. Üblicherweise heißen zweigeteilte Geschichten in Italien nur »Primera Parte« und »Seconda Parte«, hier verwendete man jedoch ausnahmsweise auch Untertitel, nämlich »Il processo del secolo« (Der Prozess des Jahrhunderts) und »Fuga da Topriver«, was »Flucht aus Topriver« bedeutet, wobei wir uns letzteres Wort nicht erklären können. Der Name spielt vermutlich auf den Film »Flucht von Alcatraz« an, der im Italienischen »Fuga da Alcatraz« hieß, aber »Topriver«? Womöglich ist es eine Verschmelzung aus den ersten drei Buchstaben von »Topolino« und einem Gefängnis, das man in Italien kennt. Wer mehr weiß, der möge sich bitte melden. Der Comic wurde von Jacopo Cirillo geschrieben und von Lucio Leoni gezeichnet.

Worum geht es?

Kater Karlo steht vor Gericht: Er soll während der Parade zum Jahrestag der Gründung Entenhausens die Stadtkasse geplündert haben. Er sieht sich einem voreingenommenen Eulenrichter und diversen anderen Personen gegenüber, die ihn alle für den Schuldigen halten, ganz unabhängig davon, was er sagt.

Spoiler

Wie es heißt, sollen sich Karlo und Schnauz als Eisverkäufer ausgegeben haben, die an jenem Tag ihr Eis gratis verschenkt haben. Mittels dieser Tarnung kamen sie auch ins Rathaus, wo Karlo dann eine Waffe aus dem Eiskübel zückte. Karlo behauptet stattdesen, er habe zu jenem Zeitpunkt eine Wohnzimmergarnitur zusammengebaut, die Trudi gewonnen hatte. Aufgrund einer fehlenden Schraube sei er so wütend geworden, dass er aufs Land fuhr, um sich zu beruhigen. Ausgerechnet diese Möbelschraube hat Micky Maus am Tatort gefunden, und so wird Karlo endgültig überführt. Im Gefängnis denkt er darüber nach, dass Trudi gar nicht an einem Preisausschreiben teilgenommen hatte. Seine Anwältin hört sich daraufhin in einer zwielichtigen Spelunke um und bringt in Erfahrung, dass das schwarze Phantom einen Kleiderschrank zum Zusammenbauen gekauft hatte. Nachdem Karlo dies erföährt, plant er mit den anderen Insassen, die er inzwischen kennengelernt hat, einen Ausbruch. Nach und nach kommen immer mehr Häftlinge hinzu, deren Hilfe benötigt wird. Am Ende fliehen zwanzig schwere Jungs. Kater Karlo stiehlt ein Auto und fährt damit zu Plattnase. Er kommt gleichzeitig mit der Polizei an, die kurzerhand beide Gangster verhaftet. Vor Gericht präsentiert Karlos Anwältin die Quittung über den Kauf des Möbelstücks, das Plattnase Trudi als Gewinn zugespielt hat. Plattnase gesteht, dass alles inszeniert war. Die Eisverschenker sahen nur aus wie Karlo und Schnauz, tasächlich handelte es sich um Verkleidungen. Plattnase wird eingebuchtet, Karlo hingegen wird für die Organisation des Ausbruchs unter Hausarrest gestellt und muss obendrein zur Strafe Trudis Möbel ohne Anleitung aufbauen.

Die Einschätzung

Gänzlich ohne Kritik kann man auch bei diesem Comic nicht sein. So ist beispielsweise die Rolle, die Micky Maus bei seinen kurzen Auftritten spielte ... nun, sagen wir mal: merkwürdig (und ganz und gar nicht zu seinem Charakter passend). Dass Plattnase mindestens einen, tendenziell aber eher drei Komplizen hatte (der falsche Karlo und der falsche Schnauz sahen nicht so aus, als seien sie von ihm und seinem Assistenten verkörpert worden), wird einfach mal unter den Tisch gekehrt - Plattnase geht ins Gefängnis, Fall erledigt. Sieht man davon mal ab, hat man hier aber einen ganz ordentlichen Comic, der vor allen Dingen davon lebt, dass hier mal eine Geschichte erzählt wird, die in keines der üblichen Disney-Muster passt. Weder erlebt man regelmäßig einen Prozess in einer solchen Ausführlichkeit, noch eine solch umfassende Hommage an die üblichsten Elemente von Gefängnis-Filmen. Die Spannung ist nicht auf einem übermäßigen Level, was womöglich der Tatsache geschuldet ist, dass Karlo kein etablierter Sympathieträger ist, dennoch hat der Comic trotz seiner 52 keine Längen. Humoristisch funktioniert er auch ganz ordentlich. Schlussendlich entschied sich eine unserer Mitarbeiterin dafür, den Comic mit der Note Zwei zu bedenken, die Noten Drei und Vier wurden jeweils doppelt vergeben. So landeten wir hier summa summarum beim Durchschnittswert 3,2.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz