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  Die Entenanalyse: Der etwas andere Geburtstag
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Vor wenigen Wochen hatten wir ein Quintett an Mitarbeitern unserer Seite das 519. Lustige Taschenbuch (»Die Bestie von Duckenburgh«) lesen lassen. Leider hatte es sich um eine nicht sehr gute Ausgabe gehandelt. Keine einzige darin enthaltene Geschichte empfanden wir als so gut, dass wir sie als »Must-Read« einstufen konnten, stattdessen gab es (neben sechs durchschnittlichen Storys) ganze drei Beiträge, die richtig unangenehm waren. Eine Übersicht unserer damaligen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Seit dem 21. Mai gibt es nun einen neuen Band. Dieser heißt »85 Jahre Donald Duck«, und wir wollen nun damit beginnen, auch ihn Comic für Comic durchzusprechen.

Der etwas andere Geburtstag

Hierbei handelt es sich um den einzigen Comic dieses Bandes, der speziell für das Lustige Taschenbuch geschrieben wurde, während sämtliche anderen abgedruckten Geschichten dem italienischen Magazin »Topolino« entliehen wurden. Es handelt sich somit um eine Erstveröffentlichung. Die Idee zu dem 35 Seiten langen Dreireiher hatten Carol und Pat McGreal, für die Zeichnungen war Giorgio Cavazzano verantwortlich. Der internationale Titel des guten Stücks lautet »What a Life«.

Worum geht es?

Donald steht kurz vor seinem Geburtstag, als ihm Daisy offenbart, dass sie dieses Mal definitiv keine Feier für ihn veranstalten wird. Auch die Kinder scheren sich nicht sonderlich über Donalds Ehrentag, und so ist das Geburtstagskind ziemlich deprimiert. In der Zwischenzeit brechen die Panzerknacker bei Daniel Düsentrieb ein und rauben ihm viele Erfindungen. Sie werden schnell geschnappt, doch eines der Geräte haben sie bereits bei einem Pfandleiher abgesetzt: Ein »Memoflott«, mit dem Daniel Düsentrieb Donald einst auf eine Reise in seine eigenen Erinnerungen geschickt hat. Die Erinnerungen Donalds sind darauf noch gespeichert, und so besteht die Gefahr, dass sich jemand einen Zugang dazu verschafft.

Spoiler

Die Fernsehsendung »Kapriolen«, in der auf das Leben von Entenhausener Bürgern geblickt wird, läuft quotentechnisch nicht gerade rund. Ein Mitarbeiter der Show wird deshalb ausgesendet, um einen interessanten Kandidaten zu finden. Statt eines Einwohners findet er das »Memoflott« in der Pfandleihe. Nachdem sich die Macher der Show die darauf gespeicherten Erinnerungen angesehen haben, beschließen sie, dass der »ahnungslose Aufschneider und bornierte Blindgänger« Donald der richtige Erpel für sie sei. Tatsächlich ist Donald begeistert und kommt sofort zur Sendung. Das Interview, in dem er mit mehreren Segmenten aus seiner eigenen Geschichte konfrontiert wird, verkommt zu einer wahren Vorführung des Geburtstagskindes. Als Kind machte er Oma Ducks Haus gezielt schmutzig, die Drachen seiner Neffen zerstörte er aus Betriebsblindheit mehrmals versehentlich, beim Vorsprechen für ein Theaterstück lieferte er sich mit Gustav Gans einen Fechtkampf, Dagobert betrog er um fünf Taler, und wie ein Zusammentreffen mit Nachbar Zorngiebel ausging, kann man sich denken. Als der Moderator die Tür zur nächsten Erinnerung öffnen will, brennt das »Memoflott« durch, und er und die Zuschauer werden von Donalds Erinnerungen aufgesaugt. Donald hat die Idee, alle wieder herauszuführen, indem man die gerade noch einmal durchgelebten Episoden rückwärts durchläuft. Es gelingt, und für seine Rettungsaktion wird Donald bejubelt. Am Ende zeigt sich, dass es großes Glück war, dass die letzte Tür geklemmt hatte: Dahinter hatte sich das Geheimnis verborgen, dass Donald Phantomias ist. So bleibt es gewahrt.

Die Einschätzung

Gegenüber den Egmont-Comics, von denen ein bis zwei Stück pro Lustigem Taschenbuch auftauchen, hegt man ja meist gewisse Vorbehalte: Sie sind oft nicht auf dem Level der italienischen Vorlagen. Hier muss man den Comicmachern jedoch zugestehen, dass sie ordentliche Arbeit abgeliefert haben, die eines Geburtstagscomics würdig war. Insbesondere deshalb, weil man anlässlich Donalds Ehrentag tatsächlich ein wenig in seiner Historie gegraben hat. Der »Memoflott« entstammt der (auch von Carol und Pat McGreal ersonnenen) Story »Reise ins Ich«, die 2011 als Titelstory des Lustigen Taschenbuchs mit der Nummer 416 abgedruckt worden war. Und auch die Flashbacks, durch die der Moderator der Sendung mit Hilfe des »Memoflotts« reist, sind nicht an den Haaren herbeigezogen worden, auch sie sind Teil der Donald'schen Comichistorie. Sie spielen auf die 1943er Geschichte »Der Ritter mit der eisernen Hose«, die 1949er Story »Familie Duck auf Nordpolfahrt« sowie den 1955er Comic »Land unter der Erdkruste« - allesamt von Carl Barks erschaffen - an, hinzu kommt ein Verweis auf den 2005er Comic »Verkehrt verehrt« der McGreals (der hierzulande in der siebten Ausgabe des Micky Maus Magazins im Jahre 2006 erstmals erschien). Eine große Kelle Nostalgie also - genau so stellt man sich einen respektvollen Umgang mit einer Geburtstags-Comicfigur vor. Was allerdings den storytechnischen Überbau angeht ... nun, der ist weit weniger respektvoll, denn Donalds Charakterzüge werden hier ganz schön in die Pfanne gehauen. Und natürlich könnte man auch hinterfragen, was man überhaupt davon halten soll, dass ein Fernsehpublikum die Gedanken eines Erpels vorgeführt bekommt. Aber wir wollen mal nicht meckern: Das war besser, als wir es erwartet haben. Übrigens bis hin zur Auflösung, denn in fast hundert Prozent der Fälle läuft es im Disney-Universum einfallsloserweise darauf hinaus, dass es schlussendlich doch eine Überraschungsparty für das Geburtstagskind gibt, und hier eben nicht. Am Ende gab es von zwei unserer Mitarbeiter die Note Zwei, der Rest entschied sich für eine Drei. Damit landeten wir hier im Schnitt bei einer 2,6.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz