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  Die Entenanalyse: Das Imperium des Konditors
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Mit dem aktuellen Lustigen Taschenbuch, das die Nummer 538 trägt und seit dem 10. November im Handel ist, sind Disneys Comicschmiede nach zweieinhalbjähriger Abwesenheit an den »Tatort Entenhausen« zurückgekehrt. Gestern hatten wir hier die Geschichte über das »Taxi nach Entenhausen« analysiert, in der Donald Duck einen neuen Versuch startete, mit »Schimauski« und anderen Tatort-Kommissaren gemeinsame Sache zu machen. Der Comic erwies sich als ein Flickenteppich an Ideen und als eine einzige Katastrophe, wie ihr an dieser Stelle nach wie vor nachlesen könnt. Eigentlich konnte es fortan nur aufwärts gehen ... hofften wir.

Das Imperium des Konditors

Im Lustigen Taschenbuch mit der Nummer 506 hatte man erstmals mit dem »Tatort« gemeinsame Sache gemacht. Vier Wochen später, also im 507. Lustigen Taschenbuch, hatte man erstmals einen Comic abgedruckt, in dem Micky Maus mit Commissario Malvo Mausalbano zusammenarbeitete, der an den sizilianischen Commissario Salvo Montalbano des großen italienischen Autors Andrea Camilleri angelehnt war. Hier findet ihr unsere damalige Analyse. Die damalige Idee wurde nun wieder aufgegriffen, denn »Das Imperium des Konditors« ist die zweite Mausalbano-Story, die sich Francesco Artibani einst einfallen ließ. Ursprünglich wurde sie schon am 9. September des Jahres 2014 im italienischen Magazin »Topolino« abgedruckt. Der vierzig Seiten lange Dreireiher, der von Giampaolo Soldati gezeichnet wurde, hieß damals »Topolino e lo zio d'America«, was zu Deutsch »Micky Maus und der Onkel aus Amerika« bedeutet.

Worum geht es?

Nach einem unangenehmen Traum erwacht Commissario Montalbano und lässt sich sein Essen zubereiten. Dabei erzählt ihm seine Bedienstete, dass ihr Sohn Pascale auf die schiefe Bahn geraten war und in Las Vegas einen Neuanfang versucht hatte. Irgendetwas muss jedoch auch dort vorgefallen sein, weswegen sich Pascale Rat bei Micky Maus holen sollte. Seitdem hat man nichts mehr von Pascale gehört. Da Micky nicht ans Telefon zu bekommen ist, reist Mausalbano selbst in die USA, um sich vor Ort umzuschauen, was geschehen ist.

Spoiler

Mickys Haus steht leer, und so wie es darin aussieht, hat es einen Einbruch gegeben. Mausalbano fragt bei Kommissar Hunter nach, was es damit auf sich hat, dieser kann ihm jedoch nicht weiterhelfen. Ein anonymer Mann - der verkleidete Goofy - wendet sich zum Glück an Mausalbano und kann Informationen liefern. Micky ist gemeinsam mit Pascale bei Goofy untergekommen. Pascale hat sich bei dem Sizilianer Carmine Crema, der mit Konditoreien in Amerika steinreich wurde und später in Hotels und Casinos investierte, verschuldet, und dieser hat nun seine Leute auf ihn gehetzt. Aus Cremas Tresor hat Pascale zuvor noch die Kopien italienischer Ausweise entwendet, die andeuten, dass Crema Gangster aus Italien geholt und ihnen neue Identitäten verschafft hat. Es braucht jedoch noch eines eindeutigen Beweises für Cremas Schändlichkeit, und diesen wollen Micky und Mausalbano in dessen Tresor finden. Damit dieser aufgebrochen werden kann, bedarf es eines Tresorknackers, und so engagieren sie Kater Karlo. Mit diesem brechen sie in Las Vegas ins Büro von Crema ein und stoßen dort auf belastendes Material. Allerdings ist auch Crema mit einigen Handlangern zur Stelle. Es zeigt sich, dass Crema in Wirklichkeit ein Mann namens Masquale ist, der sich selbst eine neue Identität zugelegt hat, nachdem er in Italien (auf der Flucht vor Mausalbano) seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte. Crema hat nun vor, Mausalbano, Micky und Kater Karlo lebendig zu begraben, doch als dies auf einer Baustelle in die Tat umgesetzt werden soll, taucht Kommissar Hunter auf, der sich mit seinen Männern die ganze Zeit an Mausalbanos Fersen geheftet hatte. Es kommt noch zu einer Verfolgungsjagd, an deren Ende Crema einen Unfall baut, und so kann der Unhold verhaftet werden.

Die Einschätzung

In der Comic-Datenbank I.N.D.U.C.K.S. wird die Geschichte ziemlich gut bewertet. Nachdem wir sie nun von einem Quintett an Mitarbeitern haben lesen lassen, müssen wir leider sagen, dass wir die positive Einschätzung nicht nachvollziehen können. Womöglich hat die Kombination aus italienischem Comic und italienischer Krimireihe ein paar italienische Donaldisten zu euphorisch und betriebsblind werden lassen. Wir selbst haben bisher noch keinen Montalbano-Krimi gelesen, so dass wir nicht rührselig werden konnten. Es kann aber auch nicht daran liegen, dass uns einige Anspielungen auf die Serie durch die Lappen gegangen sind, denn da Mausalbano in diesem Fall von Sizilien in die USA reist, ist ohnehin nichts mehr von der eigentlichen Szenerie vorhanden, und aus »Mausalbano« ist ein austauschbarer Gastermittler geworden.

Das wäre aber prinzipiell gar nicht mal so schlimm. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass »Das Imperium des Konditors« eine hektische Aneinanderreihung von Szenen ist, die einen vollkommen fahrig vorgetragenen Plot schildern, der über keinerlei Unterhaltungswert verfügt. Es wurden ein paar Länderklischees auf unangenehme Weise überzeichnet, dem Sinn des Erzählten ist nicht so einfach zu folgen, und die Ermittlungsarbeit besteht zum großen Teil darin, mit einem Kriminellen zusammenzuarbeiten und dabei selbst kriminelle Dinge zu tun. Ein Einbruch ist nun mal keine Ermittlungsarbeit. Und dass es am Ende auch noch einer Deus ex Machina in Form von Kommissar Hunters Auftritt bedurfte, um irgendwie zu einem Ende zu kommen, spricht auch nicht gerade von großer Storytelling-Kunst. Kurzum: Ein sehr schwacher zweiter Mausalbano-Auftritt und weißgott nicht die Wiedergutmachung, welcher es nach dem katastrophalen Einstieg ins 539. Lustige Taschenbuch bedurft hätte. Am Ende entschieden sich jeweils zwei Mitarbeiter unserer Seite für die Schulnoten Vier und Fünf, eine Mitarbeiterin vergab eine Sechs. Damit stand am Ende der Durchschnittswert 4,8 zu Buche. Bleibt nur zu hoffen, dass es fortan wirklich aufwärts geht und die beiden Auftaktcomics nur ein unangenehmer Doppelausrutscher bleiben.
Autorentags: Andrea Camilleri
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz