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  Die Entenanalyse: Auf Bares folgt Rares
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Wie ihr sicher inzwischen mitbekommen haben werdet, lesen derzeit fünf Mitarbeiter unserer Seite, die dafür eigentlich ein Stückchen zu alt sind, die Comics des aktuellen Lustigen Taschenbuchs. Dieses trägt die Nummer 506 und heißt »Tatort Entenhausen«. Man kann es seit dem 24. April bekommen. Zuletzt hatten wir die Dussel-Duck-Story »Mathematik macht müde« analysiert, den zugehörigen Artikel findet ihr an dieser Stelle. Nun ging es mit einem außergewöhnlichen Comic weiter.

Auf Bares folgt Rares

«Außergewöhnlich« ist »Auf Bares folgt Rares«, weil es eine fast siebzig Jahre alte Geschichte nochmal aufgreift. 1951 gestaltete der große Carl Barks die Story »A Christmas For Shacktown«, die hierzulande am 15. Dezember 1954 als ein eigenständiges Micky-Maus-Sonderheft namens »Weihnachten für Kummersdorf« erstmals veröffentlicht wurde. Seitdem gab es allein in deutscher Sprache noch mindestens zwei Dutzend Neuauflagen. Das Kummersdorf von damals - ein Entenhausener Ortsteil - feiert in »Auf Bares folgt Rares« sein Comeback.

Die Idee zur neuen Story stammt von Riccardo Secchi, für die zeichnerische Umsetzung war Francesco Guerrini zuständig. Das Ganze erschien am 22. März 2017 in der 3200. Ausgabe des italienischen Comicmagazins »Topolino«. Dort trug der dreißig Seiten lange Dreireiher den Titel »Paperino & il Dollaro Fatale«, was zu Deutsch »Donald Duck und der fatale Taler« bedeuten würde. Im »Topolino«-Heft folgte noch ein siebenseitiger Artikel zur originalen Carl-Barks-Story, der nicht ins Deutsche übertragen wurde.

Worum geht es?

In einem blühenden Viertel von Entenhausen treffen Tick, Trick und Track nach langer Zeit ihren alten Freund Timo wieder, der mit ihnen einst kleine Roboter-Spinnen gebastelt hatte. Timo wirkt bedrückt und fährt schnell mit seinem Skateboard von dannen. Die Kinder erkennen, dass es ihm offensichtlich schlecht geht, und so radeln sie ihm hinterher, um ihn zu einem Eis einzuladen und sich zu unterhalten. Ihr Weg führt sie quer durch Entenhausen, und erst in dem Elendsviertel Kummersdorf holen sie ihn ein. Dort erfahren sie, dass Timos Familie hierhin ziehen musste, seitdem das Geld knapp geworden war. Tick, Trick und Track beschließen daraufhin, Kummersdorf zu helfen.

Spoiler

Donald und Daisy freuen sich über die Spendenaktion, die die Kinder ins Leben rufen wollen. Während Donald in den sauren Apfel beißen muss und zu Dagobert geht, um ihn um Geld zu bitten, suchen Tick, Trick und Track den Bürgermeister auf, um ihm ihr Anliegen vorzutragen. Dort erfahren sie, dass das ganze Viertel Dagobert gehört. Die reichste Ente der Welt lässt Donald indessen abblitzen und suhlt sich stattdessen in einer neuen Geldlieferung. Kummersdorf will er bei nächster Gelegenheit räumen lassen und durch ein Gewerbegebiet ersetzen. Nachdem Donald erfährt, was es mit den Besitzverhältnissen in Kummersdorf auf sich hat, geht er nochmals mit seinen Neffen zu Dagobert. Der bleibt herzlos. Wütend wirft Donald seinem Onkel eine Münze gegen den Kopf. Als diese in den Geldspeicher purzelt, beginnt der Boden unter dem Gebäude zu rumoren: Das Gewicht des Goldes ist zu groß geworden, und so brechen die Erdschichten des Glatzenkogel unter ihm zusammen und verschlucken das Geld. Durch Seismologen erfährt Dagobert anschließend, dass es keine Möglichkeit gibt, das Geld wieder hochzuholen, da sonst weitere Gesteinsschichten einstürzen und das Loch noch vergrößern würden. Tick, Trick und Track recherchieren anschließend im Internet und finden heraus, dass es eine von Kummersdorf aus erreichbare Höhle gibt, die bis unter den Geldspeicher führt. Gemeinsam mit Dagobert steigen sie nach unten. Dagobert kann sein Geld riechen, doch eine Wand müsste durchbrochen werden, um es zu erreichen, und auch das würde eine solch große Erschütterung auslösen, dass es für das Geld weiter abwärts gehen würde. Abhilfe schafft Timo: Seine kleinen Roboterspinnen können eingesetzt werden, um das Geld zu bergen. Tick, Trick und Track zwingen ihren Großonkel dazu, als Ausgleich für die Unterstützung Kummersdorf zu renovieren, und dieser stimmt zu, so dass aus dem Elendsviertel ein schöner Stadtteil wird.

Die Einschätzung

Das Schlechte vorweg: Wie die Übersetzer der Geschichte darauf gekommen sind, ihr den albernen Titel »Auf Bares folgt Rares« zu geben, ist schwer nachvollziehbar. Eine solche gesellschaftskritische Story, die alles andere als lachhaft sein will, sondern bei der die Botschaft im Vordergrund steht, hätte etwas Anständigeres verdient gehabt. Eine andere Übersetzung ist hingegen wirklich gut gelungen, denn der Bürgermeister preist Entenhausen als eine Gemeinde an, »in der wir gut und gerne leben wollen«, also genau mit der gleichen hohlen Phrase, mit der vor wenigen Monaten eine Partei in den deutschen Bundestagswahlkampf gezogen ist. Vermutlich werden die jüngeren Leser diese Stelle überlesen, aber für alle anderen dürfte es eine treffsichere Anspielung sein.

Die Geschichte selbst hat uns indessen überzeugt, auch wenn sie sich natürlich von der üblichen heilen Entenhausener Welt abhebt. Dass es dort ein Elendsviertel gibt, hat man außerhalb der erwähnten Geschichte von Carl Barks schließlich nicht unbedingt auf dem Schirm. Zwar ist es gut, dass das Lustige Taschenbuch ansonsten von der Misere des realen Lebens eher ablenkt, aber ab und zu mal einen solchen Schwenk zu machen, tut dem Disney-Universum auch mal gut. Die Geschichte hat nicht nur eine gute Botschaft, sie wird auch überzeugend erzählt und kommt zu einem »runden« Ende. Schön und detailreich - aber nicht überladen wie »Die Traumfabrik« - gezeichnet ist sie obendrein. Wenn man ein Haar in der Suppe suchen will, dann könnte man darauf hinweisen, dass Dagobert Duck hier wirklich übertrieben hartherzig und unsympathisch rüberkommt, aber an sich entspricht das ja auch ein wenig dem Charakter, den die Figur in der Zeit noch hatte, in der »Weihnachten für Kummersdorf« entstand.

Am Ende hat sich jedenfalls eine unserer Mitarbeiterinnen entschieden, die Geschichte mit der Schulnote Eins zu loben, drei entschieden sich für eine Zwei, und einer für eine Drei, so dass summa summarum die Durchschnittsnote 2,0 zu Buche stand. Bis hierhin der Höhepunkt dieses Lustigen Taschenbuchs, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es noch einmal besser werden sollte.
 
Autorin der Meldung: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz