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WeWorld - Der Mondclub
Verfasser: Daniel Sand (2)
Verlag: Thariel (2)
VÖ: 27. Dezember 2022
Genre: Thriller (8197)
Seiten: 668
Themen: Brille (11), Geld (415), Manipulation (236)
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In der WeWorld entscheidet der Kontostand darüber, wie viel man von der Welt sehen kann. Wer dort lebt, trägt eine nicht abnehmbare Brille, die in niedrigen Tarifgruppen auch vor den Mond einen Zensurbalken legt. Als mehrere Kunden ihre Brillen manipulieren, um einmal den Mond zu sehen, kommen sie unerwartet hinter ein gefährliches Geheimnis der WeWorld. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als sich mit einem Gegner anzulegen, der ihren Blick auf die Welt manipulieren kann.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Daniel Sand für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Daniel Sand gibt es auf seiner Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     In diesem Moment schwebten gleich fünf Drohnen hintereinander am Fenster vorbei. Wohin sie auf dem Weg waren, konnte Thonx nicht sehen, weil sie schon wieder aus seinem Blickfeld verschwanden.
     „Ja, den Eindruck habe ich auch. Das Leben bietet so vieles, was du verpasst, während du aus dem Fenster schaust.“
     „Wollen wir essen gehen?“, nutzte er die Vorlage.
     „Ich bin zwar so programmiert, dass ich wie ein Mensch klinge, aber da du mich schon so direkt fragst, muss ich dir antworten, dass ich aus nicht mehr als einer Audiodatei bestehe. Ich denke, ich sage dir das gleich zu Beginn, um dir mögliche Enttäuschungen zu ersparen.“
     „Oh, okay, das ist nett von dir, ein sehr fairer Zug. Ich hätte nicht gemerkt, dass du nur Plastikschrott bist.“
     „Das nehme ich mal als Kompliment, auch wenn du offenbar keine Ahnung vom Stand der Technik hast.“
     „Kennst du vielleicht richtige Frauen? Frauen, die so sind wie du, aber aus etwas mehr bestehen als einer kalten Computerdatei? Kolleginnen vielleicht?“
     Während er mit der Sprachsoftware redete, schaute er weiter aus dem Fenster. Gerade nahm auf der Hausfassade wieder das Mädchen Anlauf, das für den Kneusch-Schokoriegel warb.
     „Wir haben hier in der Support-Zentrale noch viele Frauen und zu den meisten habe ich ein gutes und kollegiales Verhältnis. Das ist ja auch wichtig, damit man sich gegenüber den Chefs gegenseitig unterstützen kann.“
     „Ja, absolut. Absolut. Kannst du mir eine deiner Freundinnen mal vorstellen? Du kannst auch zum Date mitkommen, wenn du willst. Ich habe hier ein paar Hörbücher rumfliegen, vielleicht würdest du dich mit denen verstehen?“

Thonx wechselte auf seinem simulierten Fenster das Stockwerk und sprang dabei von Etage 34 auf 51 und schließlich auf die 64. Mit jeder Änderung wurden der Straßenverkehr und die Fußgänger kleiner und unwirklicher.
     „Können die Hörbücher reagieren?“
     „Nein, die sind noch richtig alt.“
     „Schade. Dann sind sie mir zu langweilig, ich habe gewisse Ansprüche.“
     „Ja, Anspruch ist ein gutes Stichwort! Wie wäre es denn jetzt mit einer deiner Freundinnen? Sie und ich und du. Ein netter Abend im Restaurant oder bei mir? Oder beides.“
     „Ich denke, du könntest gut zur Sus…mein Zeitkontingent für Smalltalk ist aufgebraucht. Es tut mir leid. Übernimmst du den Fall der schweren AGB-Verletzung im Bezirk 2.8.? Wir würden uns freuen und halten dich für absolut geeignet dafür.“
     „Sind die irre?“, schimpfte Thonx, „die haben doch tatsächlich die Smalltalk-Spanne reduziert! Sind die verrückt geworden?“
     Er kam sich betrogen vor.
     „Lieber Thonx, wir bräuchten deine Antwort in den nächsten zehn Sekunden, sonst geht der Auftrag an jemand anderen. Wir haben schon jetzt eine Häufung an Beschwerden aus Bezirk 2.8. von dreihundertsieben Prozent. Die Kunden sind irritiert und wollen wissen, was geschehen ist. Das sind wir ihnen schuldig. 5…4…3…2…“
     „Nur die Ruhe, ich mache es ja.“
     „Super, das freut mich sehr. Hast du noch Fragen, die deinen Einsatz betreffen?“
     „Ja, was ist mit der Freundin von dir, die du erwähnt hast und die-“
     „Viel Erfolg bei deinem Einsatz, mein lieber Thonx.“
     „Halt, was? Stopp! Nicht auflegen! Hallo? Hallo? Wann wollen wir uns denn jetzt genau treffen? Ach, verdammt!“
     Stille. Das grüne Licht an der Brille erlosch und Thonx warf aus Frust ein Glas vom Tisch, das lautlos auf dem weichen Boden landete. Er wollte ja ohnehin morgen aufräumen, da kam es auf etwas mehr Unordnung auch nicht mehr an.

„Unverschämt! Unmenschlich!“, ärgerte er sich über die Reduzierung der Smalltalk-Zeit. Offenbar wollte die Support-Führung, dass die Gespräche zügiger ablaufen. Thonx fürchtete, dass dieses Zeitkontingent irgendwann ganz gestrichen wird. Er zog Turnschuhe an und seinen blauen Pullover mit der Bauchtasche und trat hinaus in den Flur des Tiefhauses. Der rote Teppichboden schluckte jeden Schritt und trug damit seinen Teil zur Stille im Gebäude bei. An den weißen Wänden fiel ein Wort auf, das rot leuchtete und aus vier Buchstaben bestand, die in einem Kreis geschrieben standen: LUNA. Thonx informierte die Kundenhotline über diesen Fall von Vandalismus. Dafür reichte es, ein Foto zu machen und mit dem Begriff #CWW zu taggen, was für CleanWeWorld stand und schon wurde der Regelverstoß automatisch an die zuständige Abteilung weitergeleitet. „Vielen Dank, dass Sie die WeWorld sauber halten. Ihnen wurde soeben ein Gutschein in Höhe von 25 C-Dollar freigeschaltet“, hieß es in einer Mail, die nur Sekunden nach der Meldung bei Thonx eintraf.

Er betrat den leeren Aufzug, der ihn zur Oberfläche brachte und schaute sich im Spiegel an. Er übte nacheinander zu lachen und ein wütendes Gesicht zu zeigen. Mit einem leisen blink kam der Aufzug zum Stehen und ließ die Türe lautlos zur Seite schwingen. Thonx ging mit großen Schritten durch die Aula, wo sich zu dieser Zeit niemand aufhielt und die aus nicht mehr als einem großen Raum mit einigen Bänken bestand.
     „So spät noch unterwegs?“, rief ihm der junge Mann hinter der Rezeption zu. Er hatte eine gelbe Weste an und auf dem Kopf eine ebenfalls gelbe Mütze.
     „Ja, es gab einen AGB-Vorfall.“
     „Können diese Typen ihre Übergriffe nicht am Tag machen! Wie unhöflich, den Leuten die Nacht so zu ruinieren.“
     „Passt schon, dann bin ich zumindest richtig sauer!“
     „Die haben keine Ahnung, wen sie da geweckt haben!“
     „So ist es, Max! Hau rein.“
     „Du auch.“
     Thonx mochte Max, auch wenn er nur ein Roboter war. Schon öffnete sich die Ausgangstüre und wie immer dauerte es einige Sekunden, bevor Thonx sich an die Lautstärke der Straße gewöhnte. Eigentlich war es nicht wirklich laut, doch im Tiefhaus wurden Geräusche so sehr gedämpft, dass nun schon ein vorbeirollendes Fahrrad wie eine Lokomotive klang. Dieser Zustand dauert aber immer nur wenige Augenblicke, bevor die Ohren sich daran gewöhnten.

Die Kühle der Nacht legte sich um Thonx‘ Schultern, während er unter den gigantischen Reklametafeln und Werbesimulationen den Gehweg entlanglief. Ihre Farben ließen die dunklen Fenster der Hochhäuser glänzen wie die Facettenaugen eines Insekts. Menschen liefen gut gelaunt umher. Neugierig darauf, was diese nicht mehr junge Nacht noch bringen würde. Es hatte etwas geregnet, weswegen sich die leuchtende Reklame in den Pfützen spiegelte. Thonx atmete durch.
     Er wusste, wo er hinmusste.


2. Kapitel.


Laura schaute zur holografischen Tafel, die direkt neben dem Lehrerpult schwebte. Sie langweilte sich in der Schule und in WeWorld-History ganz besonders. Und jetzt musste sie auch noch ein Referat halten. Schon das sterile Klassenzimmer fand sie ermüdend. An den Wänden hing nichts, weil es sich um Leinwände für 3D-Filme handelte. Gerade bei historischen Ereignissen sollte das den Zugang zum Thema erleichtern. Trotzdem bräuchte Laura das nicht und hätte diese Wunderwände gerne gegen ein Fenster getauscht, durch das sie auf die Straße schauen könnte, wenn die Stunde mal wieder nicht vorbeigehen wollte.

Lehrerin Breier, eine etwas untersetzte ältere Frau, erhob sich hinter ihrem Pult und schaute mit grauen Augen in die Klasse. Sie unterrichtete acht Jugendliche, von denen nur zwei körperlich anwesend waren, was sie aber nicht irritierte. Die sechs anderen schauten über Tischkameras zu, die auf ihren Plätzen angebracht waren. Auch Laura würde nicht extra zur Schule gehen, wenn sie heute nicht mit dem Referat dran wäre. Sie strich sich eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht und zupfte kurz an ihrer weißen Bluse, bevor Breier sie aufrief. Als sie vor der Klasse stand, die aus sieben leeren Tischen und aus Silke bestand, die immer herkam, leicht schielte und etwas ungepflegt wirkte, wurde sie doch ein bisschen nervös. Verlegen fuhr sie mit den Händen über die Knöpfe ihrer Bluse, während Silke ihr aufmunternd zulächelte. Laura ärgerte sich, warum Ben und Deniz nicht wenigstens heute mitgekommen waren. Sie ging auch immer zur Schule, wenn einer von ihnen was vortragen mussten. So macht man das doch, man unterstützt sich gegenseitig. Während sie so darüber nachdachte, ging ihr außerdem durch den Kopf, dass Silke bei ihren Vorträgen immer vor einer ganz leeren Klasse stehen muss. Sie nahm sich vor, herzukommen, wenn Silke wieder an der Reihe war.

„Spielst du 3D-Szenen ab?“, erkundigte sich Breier.
     „Nein, alles mündlich.“
     Die Lehrerin nickte und so blieb es bei der weißen Wand, während Laura begann.
     „Ich rede heute über die Geschichte unsere WeWorld“, fing sie an und ließ die Knöpfe der Bluse los, um die Arme vor dem Bauch zu verschränken, „wir hier in der Klasse sind ja alle schon in der WeWorld geboren worden, deswegen kennen wir nichts anderes. Es gab aber auch Zeiten, in denen die Menschen anders lebten. Früher gab es etwas, das Staatsbürgerschaft hieß, das haben Staaten ausgegeben. Eine Staatsbürgerschaft wurde nur an Bürger eines Landes vergeben und schloss alle anderen Menschen aus. Eigentlich eine ziemlich miese Sache, die zu viel Gewalt und sogar Kriegen führte. Staaten konnten gleichzeitig nicht so schnell auf Krisen reagieren, was in relativ naher Vergangenheit ihr zögerliches Handeln gegen den Klimawandel, die Corona-Pandemie und die große indische Hungersnot bewiesen. Andererseits ist es aber unfair, die Gesellschaften der Vergangenheit mit unserer Zeit zu vergleichen, die waren halt noch nicht so weit wie wir. Sonst hätten sie das mit den Staatsbürgerschaften nicht gemacht, sondern wie wir mit den Mitgliedschaften. Jeder kann Mitglied einer ComNation wie WeWorld werden und wenn ihm eine andere besser gefällt, kann er die Mitgliedschaft kündigen und sich der anderen anschließen und-“
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