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Rapunzel will Rache
Verfasser: Sebastian Thiel (18)
Verlag: Bastei Lübbe (3760)
VÖ: 1. Oktober 2022
Genre: Thriller (8114)
Seiten: 378
Themen: Rache (2664), Selbstmordversuch (93), Silvester (129), Weihnachten (2554)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Sebastian Thiel für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Sebastian Thiel gibt es auf seiner Autorenseite und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Prolog – Das Ende


Mein Leben kotzt mich an.
     Wieso um alles in der Welt wurde ich überhaupt geboren? Den ganzen Schmerz und das Leid hätte ich mir am liebsten erspart. Zumindest, wenn ich wählen dürfte. Gott, sollte dieser sadistische Drecksack wirklich existieren, hätte er oder sie Trailer einführen sollen. Wie im Kino:
     Bevor man auf diese Welt kommt, dürfte die Seele einen kurzen Blick auf das kommende Leben erhaschen. Wenn es einem nicht gefällt, geht man einfach nicht rein. Wäre fair, wie ich finde.
     Nicht in einer Million Jahren hätte ich meine Geburt gewählt, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt. Den Fehler werde ich jetzt korrigieren.
     Der Wind zerrt an meinen langen blonden Haaren, als ob er mich vom Dach stoßen möchte. Sie wirbeln um mich herum wie ein wilder goldener Schleier. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals kurze Haare getragen zu haben. Immer waren sie so lang, dass sie fast meinen Po erreichten.
     Deshalb nannte man mich so – Rapunzel.
     Mein Leben allerdings ist alles andere als ein Märchen. Und wenn, dann nur der Anfang, wenn es den Mädchen dreckig geht. Ohne Happy End, ohne Prince Charming auf weißem Ross, ohne rettende Zauberkräfte und tierische Freunde, die für einen einstehen.
     Das ist alles unwichtig an diesem schneebedeckten Heiligen Abend. Noch einmal zieht es meinen Blick in Richtung des Himmels. Die Nacht ist nicht ganz vorübergeschlichen und der Tag nicht vollends erwacht. Ich befinde mich irgendwo dazwischen. Wie sooft.
     Mich erfassen die rot glühenden Strahlen der Morgenröte, während Sterne mit den Lichterketten an den Häusern um die Wette funkeln. Bald schon wird die Kirchenglocke zur achten Stunde läuten, und die Menschen werden die wohlige Wärme ihrer Häuser verlassen, um die letzten Besorgungen für den festlichen Tag hinter sich zu bringen.
     Wenn alles klappt, wenn mein Entrinnen von Erfolg gekrönt ist, wird es für die Unglückseligen ein ziemlich versautes Weihnachtsfest. Denn sie werden mich finden. Auf dem kalten, mit Streusalz überzogenen Bordsteinpflaster des Marktplatzes wird mein toter Körper liegen.
     Aufgeplatzte Haut und kalter Blick. Sie sollen sehen, wie dreckig es mir erging. Zumindest einmal die Augen nicht verschließen können. Genau hier soll mein Ende sein, vor der Kirche und der alten Abtei, die ihren Namen niemals verdient hat. Eigentlich muss sie doch Schutz bieten, eine starke Hand über die Körper der Schwächsten ausbreiten und ihnen etwas geben, das ihnen im Leben bisher verwehrt blieb. Das Gegenteil ist der Fall.
     Jeder soll meinen Leichnam sehen, besonders jene, deren Gesichter sich wie Male in meine Erinnerungen eingebrannt haben. Der tote Leib soll sich in ihre Überlegungen schmelzen und die Messe am heutigen Abend überschatten, mit einer dunklen alles verzehrenden Aura, die sich in die Gemüter eines jeden Einzelnen einnisten soll.
     Vielleicht ändert mein Tod ja etwas?
     Die Presse wird in wenigen Minuten nicht mehr wegschauen können, ebenso wenig die Polizei, und auch die Staatsanwaltschaft muss endlich aktiv werden. Zumindest hätte mein Tod dann einen Sinn.
     Langsam schleiche ich zur Kante und blicke von dem altehrwürdigen Gebäude der früheren Abtei und heutigen St.-Georgius-Einrichtung für schwer erziehbare Kinder hinunter in die Tiefe.
     Welcher Schmerz, welches Leid lauert noch hinter diesen Mauern und wird immer noch vorhanden sein, wenn ich das Paket des Lebens abgelegt habe? Wenn ich schon kein Glück besaß, unter Umständen haben es die armen Mädchen und Jungen im Inneren des riesigen Blocks am Marktplatz.
     Der Gedanke flößt mir Mut ein. Ich verdränge das Rauschen des Windes und fasse die Packung mit den Tabletten fester. Nacheinander drücke ich sie aus dem Blister, lasse das Plastik einfach los und sehe zu, wie es vom Wind erfasst wird. Rotierend senkt es sich der Erde zu. Es dauert einige Sekunden, bis es den Boden erreicht.
     Gut so, ich will sichergehen, dass es bald schon vorbei ist. Tabletten einwerfen und dann springen. Hätte ich noch eine Waffe besorgen können, ich würde mir den Lauf an die Schläfe setzen und abdrücken.
     Als eine Windböe meinen zitternden Körper erfasst, muss ich mich an den grimmigen Wasserspeiern festklammern. Gerade so kann ich mich fangen, muss mit den Armen rotieren, um nicht hinabzustürzen.
     Noch nicht. Den Zeitpunkt will ich bestimmen. Die Bühne ist vorbereitet, das Publikum bald schon versammelt. Nur die Hauptdarstellerin möchte den Vorhang noch nicht heben.
     Zumindest einmal, in einem Leben voller Bevormundung und Herrschern, will ich über mein Schicksal entscheiden. Die dunklen Gedanken sind so heftig, dass alleine der Schmerz mich in die Knie zwingen könnte. Sie sind stumme Zeugen der Macht, die meine Peiniger über mich ausüben wollten.
     Ich habe es so satt und werde das tun, wozu sie nicht imstande waren. Jedoch nach meinen Regeln. Nur dieses eine Mal.
     Behutsam setze ich die Füße an den Abgrund und spähe hinab. Ein Schwindelgefühl erfasst mich und lässt meine Umgebung drehen. Meine Finger verkrallen sich in den Stein der Figur. Der mit Schnee bedeckte, steinerne Wasserspeier glotzt mich an, als ob er wütend wäre, dass ich auf seinem Dach bin.
     »Ich bin bald weg«, sage ich sanft und streiche dem Fabelwesen über den Kopf. »Verzeihung.«
     Bald ist es vorbei, Mira. Nur Mut.
     Ich werfe alle Tabletten auf einmal ein, nehme etwas Schnee von den Flügeln des Gargoyles und vermische alles im Mund. Es tut gut zu spüren, wie aus dem eiskalten Schnee langsam Wasser wird und es sich mit den Tabletten vermengt.
     Schon paradox, dass es für Selbstmord mehr als eine Handvoll Webseiten gibt, die mit hundertprozentiger Sicherheit werben. Noch immer hallen die Slogans in meinem Kopf wider.
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