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Mitterfirmiansreut
Verfasser: Friedrich Haugg (2)
Verlag: epubli (1938)
VÖ: 7. Juli 2021
Genre: Kriminalroman (10387)
Seiten: 464 (Taschenbuch-Version), 466 (Kindle-Version)
Themen: Aussteiger (9), Bayerischer Wald (38), Kommissare (3005)
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Werner Lorenz hat schon lange vom Aussteigen geträumt, obwohl Claudia die Idee indiskutabel findet.
Als er feststellt, dass seine Zweizimmerwohnung in Starnberg mehr bringt als der Bauernhof
im Bayrischen Wald kostet, steht sein Entschluss fest.
Grenze und Menschen sind frei, der Wald wieder das, was er schon immer war,
ein wunderschöner, unheimlicher und riesiger böhmisch-bayrischer Urwald.
Nur dumm, dass er einige Menschen zu wenig legalen Betätigungen animiert.
Die Lage spitzt sich zu, als ein Kapitalverbrechen die Gemeinde erschüttert.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Friedrich Haugg für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Friedrich Haugg gibt es auf seiner Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Werner konnte sich am Signalton erfreuen. Treffer. Die Gegenstelle gab es wirklich. Er versenkte sich ins Grübeln darüber, dass er noch nie begriffen hatte, wie das funktionierte. Ein Knistern. Dann hörte er etwas, was so klang:
     „I waars.“
     Stille.
     „Ich würde gerne mit Herrn Loibl sprechen.“
     „Ha?“
     „Mit Herrn Loibl.“
     „I waars. Aba mia gengand itz. Wos mechats?“
     „Ist da Herr Loibl?“
     „Wannst oiwei desoibe schmatzsd, nochad häng i glei wieda auf.“
     „Ich verstehe nicht.“
     „A wennsd des oiwai hean dadsd, dadsd das eh ned vasteh, hosd mi. Pfiad di.“
     Klack. Stille.
     Hier muss eine Bemerkung eingefügt werden. Waidlerdialekt lässt sich nicht Wort für Wort übersetzen. Er wird in der Gegend zur verbalen Kommunikation verwendet, die man hochnäsig 'hinterwäldlerisch' nennt. Dieses abschätzige Wort wird mittlerweile global genutzt. Es stammt aber – nicht ohne Grund – aus der Gegend, die offiziell Bayerischer Wald heißt. Also dort, wo lange Zeit kaum Fremdes anzutreffen war. Weil das Leben dort nicht ganz komfortabel ist. Mittlerweile ist die wilde Natur jedoch erschlossen für den Tourismus. Die Bauern geben auf, weil sie an der modernen Zivilisation Gefallen gefunden haben. Ihre Höfe mit den riesigen Grundstücken sind Opfer von Leuten, die sich, der Luxuswelt überdrüssig, mit Kräutern und dem lieben Vieh selbst verwirklichen wollen.
     Weil Sie das Buch ganz sicher gleich voll des Unverstehens weglegen müssten, außer, se sand vo do (ungefähr wie 'sie sind da geboren'), werde ich die Reden der Einheimischen im folgenden hochdeutsch wiedergeben – so weit das möglich und sinnvoll ist.

Also, noch einmal von vorne:

Das Telefon…
     „Ich wäre es.“ Das ist die wörtliche Übersetzung. Das heißt so etwas wie 'Hallo?'.
     Stille.
     „Ich würde gerne mit Herrn Loibl sprechen.“
     „Ha?“ Übersetzung: „Wie bitte? Wen wollen sie denn gerne sprechen?“
     „Mit Herrn Loibl.“
     „Ich wäre es (diesmal: 'Ich bin es'). Aber ich muss jetzt leider gehen. Was wollen sie überhaupt?“
     „Ist da Herr Loibl?“
     „Wenn sie immer dasselbe sagen, hänge ich gleich wieder auf.“
     „Ich verstehe nicht.“
     „Auch wenn Sie das immer wieder hören, werden sie es nicht verstehen. Machen Sie's gut.“

Werner war nicht zufrieden. Herr Loibl wäre wichtig gewesen. Aber übers Telefon? Auch SMS oder What's App erschien nicht vielversprechend. Könnte ja sein, dass Mitterfirmiansreut zu den Gemeinden zählt, in denen die Leute glauben, dass Funkwellen alles Leben vernichten. Wie in Graswang, kurz vor Schloss Linderhof. Könnte ja sein.
     Also hinfahren. Sehr altmodisch. Kontaktaufnahme durch materielle Anwesenheit in physikalisch unmittelbarer Reichweite zur Zielperson.

„Hallo Oskar. Wo bist Du? Ich müsste Dich sprechen.“
     „Tust du doch schon.“
     „Nein, richtig.“
     „Das ist richtiges Sprechen.“
     „Ich meine von Angesicht zu Angesicht.“
     „Bist du verliebt?“
     „Nein. Ja. Vielleicht. Ich weiß nicht. Was hat das damit zu tun?“
     „Weil du dich nach meinem Anblick sehnst.“
     „Idiot. Es ist ernst. Wo bist du?“
     „Ich fleze gemütlich in einem Liegestuhl am Strand bei einer Bloody Mary und höre dem Rauschen der Wellen zu.“
     „Scheiße. Ich dachte, ich könnte dich sprechen.“
     „Dann komm halt vorbei.“
     „Scherzbold. Wieso bist du eigentlich weg?“
     „Ich gehe da oft hin mittags.“
     „Hä?“
     „Undosa, du Depp.“
     „Ach so. Wie schrecklich.“
     „Komm einfach und stör' mich nicht in meiner verdienten Beschaulichkeit.“
     „Okay. 5 Minuten. Bestell mir einen Kaffee.“
     „Macchiato, Lungo, Capuccino, Espresso, caffé latte, café au lait, Mokka, kleiner Schwarzer, Melange, Kapuziner, Brauner, Einspänner, Verlängerter, french press, american press, cold press, dip, full immersion, pour over oder was?“
     „Ich glaub', ich spinne. Kaffee. Ein Kännchen Kaffee.“
     „Meine Güte. Ich frag' mal, ob die so etwas Altmodisches haben.“

„Probier doch mal die Bloody Mary.“ Oskar bot Werner sein Glas an.
     „Das ist altmodisch. Ich habe gehört, jetzt trinkt man Hugo.“ Werner schüttete Sahne in seine Tasse. „Mmm. Der Kaffee ist aber ausgezeichnet.“ Er legte sich zurück und schloss die Augen.
     „Die haben ja auch einen preisgekrönten Barista.“
     „Sag bloß.“
     „Was willst Du eigentlich? Ich habe einen Termin.“
     „Man sieht es. Wann und wo?“
     „Geht dich einen Scheißdreck an.“
     „Woher kommt eigentlich dieser feine Sand? Vom See wohl nicht?“ Werner ließ die feinen Körner durch die Finger rieseln.
     „Nein. Natürlich nicht vom See. Die Schlösser- und Seenverwaltung hat's nach etlichen Gutachten vom Bund Naturschutz und jahrelangem Hin und Her dem Betreiber des Undosa genehmigt. Da hat ein Anwalt viel verdient. Leider war ich das nicht. Das Ufer gehört nämlich uns, dem Staat, wenn du das verstehst.“
     „Tu ich nicht. Teurer Sand. Nicht aus unserem Land, oder?“
     „Nein. Nicht von hier. Komm zur Sache. Oder ich trinke noch eine Bloody Mary, aber auf deine Kosten. Kannst du aber nicht vom Honorar abziehen.“
     „Alkohol ist Gift. Zigarette?“
     „Hier ist Rauchverbot, Mann. Was treibt dich in die schützenden Arme des geplagten Anwalts für dein persönliches Gerechtigkeitswohlempfinden?“
     „Also der Loibl. Du erinnerst dich? Der mir den Bauernhof verkaufen will.“
     „Ich mache ja nichts mehr anderes.“
     „Der ist nicht zu erreichen.“
     „Kein Wunder. Im nordischen Urwald geht man schon mal verloren.“
     „Ich glaube, ich muss da mal selber hinfahren. Hast du den Vertrag fertig?“
     „Der hat ihn schon.“
     „Und kann ihn bestimmt nicht lesen und schon gar nicht verstehen.“
     „Der unterschreibt doch nicht ohne Rechtsauskunft. Die sind ja nicht blöd da.“
     „Sind die nicht? Nun gut, ich rechne besser nicht damit. Ich will da ja leben und ich will jetzt das Haus.“
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