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Game over
Verfasser: Wolfgang Wirth (5)
Verlag: Eigenverlag (24480)
VÖ: 8. Juli 2022
Genre: Thriller (7964)
Seiten: 344 (Taschenbuch-Version), 318 (Kindle-Version)
Themen: Gefängnis (758), Las Vegas (220), Studenten (1351)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Wolfgang Wirth für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Wolfgang Wirth gibt es auf seiner Autorenseite.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Kapitel 3


Als Flo erwachte, kam es ihm vor, als läge er tief in unzähligen wattigen Kopfkissen versunken. Alles um ihn herum erschien ihm dumpf und grau. Nur langsam, noch langsamer als gewöhnlich, kam er zu sich und öffnete schwerfällig seine Augen. Sie brannten beim Öffnen und waren trocken, als ob er über keine Tränenflüssigkeit mehr verfügte. Blinzelnd blickte er sich um und musste feststellen, dass er zwar nicht in Watte gehüllt war, obwohl es sich so anfühlte, das Grau um ihn herum allerdings durchaus real war. Die Augen schmerzten, aber so langsam wurden sie wieder feucht. Im Gegenteil, jetzt tränten sie sogar über alle Maßen.
     Instinktiv tastete er nach seinem Handy, erst in seiner Tasche, dann auf einem nicht vorhandenen Nachttisch. Es schien nicht in Reichweite zu sein. Wie spät mochte es sein? Und wo zum Teufel befand er sich?
     So langsam und verschwommen wie die Bilder um ihn herum, kamen auch seine Erinnerungen zurück. Das Hotelzimmer in der Nacht, die hereinstürmenden Polizisten und seine Festnahme. Auch die Bilder seines Abtransports in der schwarzen Limousine und die offensichtliche Betäubung durch eine Spritze in den Nacken kehrten in sein Gedächtnis zurück.
     Flo griff unwillkürlich nach der Stelle, an der er den Einstich vermutete und wo es jetzt, als er daran dachte, juckte. Er spürte ein Pflaster und riss es ab, um es sich anzusehen. Wie nach einer Blutabnahme beim Arztbesuch befand sich ein winziger Blutfleck auf dem Pflaster, sonst war da nichts. Nur die Stelle im Nacken fühlte sich seltsam an, wie eine kleine Beule auf der Haut. Wahrscheinlich eine Reaktion auf die Spritze.
     Aber warum hatte man ihn derart außer Gefecht setzen müssen? Von so einem Vorgehen hatte er noch nie gehört, auch nicht in den Vereinigten Staaten, wo die Polizeimethoden sicher rigoroser und gewalttätiger waren als in Deutschland. Aber er hatte sich doch gar nicht gewehrt und sich brav an die Anweisungen der Beamten gehalten. Noch nicht einmal seine Nachfrage nach dem Grund der Verhaftung hätte man seiner Ansicht nach als Protest verstehen dürfen.
     Flo runzelte die Stirn bei seiner Erinnerung an die Geschehnisse der letzten Nacht. War es überhaupt die letzte Nacht? In seinem dämmrigen Zustand hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Es wäre nicht verwunderlich, hätte man ihn für längere Zeit aus dieser Welt gespritzt.
     Jetzt zeigten auch seine Augen wieder ein halbwegs klares Bild seiner Umgebung, obwohl dort nicht viel zu sehen war. Er befand sich ohne Zweifel in einer Gefängniszelle, auch wenn sie nicht so aussah, wie man das landläufig vermutete. Etwa vier Quadratmeter groß, mit einer Pritsche, auf der er lag, samt einer dünnen Matratze und einer Baumwolldecke, sowie einem Kopfkissen. Sonst nichts. Noch nicht einmal eine Toilettenschüssel gab es hier. Ebenso kein Fenster, lediglich eine Deckenlampe strahlte ihr kaltes LED-Licht in die winzige Zelle, die zwar sauber war, aber dennoch nicht gerade einladend. Die Stahltüre hatte ein kleines Gitterfenster, durch das man auf den Flur blicken konnte. Seiner Zelle gegenüber befand sich allerdings nur das Pendant dazu, ebenfalls eine verschlossene Stahltüre, so wie auch links und rechts davon. Weiter konnte er den Flur nicht einsehen.
     Über der Türe konnte Flo eine kleine Kameralinse ausmachen. Hätte er nicht ähnliche kleine Kameras wie diese während seiner Tätigkeit beim Fernsehen kennengelernt, wäre er wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen diese als solche zu erkennen. Für den Laien hätte dies auch einfach eine Niete oder Schraube im Stahlrahmen der Türe sein können.
     Vom Flur her zog ein seltsamer Geruch durch das Gitterfenster. Flo konnte erst gar nicht bestimmen, was das war. Es erinnerte ihn spontan an den Umzug in das neue Haus seines Stiefvaters und an sein Zimmer, dass der ihm fremde Mann für ihn renoviert hatte. Und in hellblau gestrichen. Eine Farbe die der damals siebzehnjährige Teenager überhaupt nicht gemocht hatte.
     Ja, genau das war der Geruch – frischer Putz und frische Farbe! Es roch, als wäre hier vor nicht allzu langer Zeit verputzt und gestrichen worden. Und so sah es bei genauerem Hinsehen auch in der Zelle und auf dem Flur aus. Nicht verschmutzt oder abgenutzt, sondern frisch renoviert.
     Nachdem auf dem Flur niemand zu sehen war, stellte sich Flo vor die Überwachungskamera und winkte.
     »Ich muss mal auf die Toilette«, rief er, in der Hoffnung, dass auch irgendwo ein Mikrofon installiert war, oder man ihn über den Flur hören konnte.
     »Hallo?«, schrie er nochmal, jetzt etwas lauter, nachdem sich nichts rührte.
     Es dauerte noch zwei weitere Versuche und mehrere Minuten, bis er das Summen eines Türöffners und dann endlich Schritte auf dem Flur hörte. Kurz danach erschien das kantige aber durchaus gutmütig wirkende Gesicht eines Farbigen im Gitterfenster der Türe, das Flo aufforderte, von der Türe zurückzutreten, dann wurde offenbar ein Code eingegeben und mit einem Piepen quittiert, das den Türriegel zurückfahren ließ.
     Als die Türe geöffnet wurde, stand dahinter ein Riese von einem Mann. Mindestens zwei Meter groß und mit Muskeln bepackt, die seine Gefängniswärteruniform fast zu sprengen schienen. Auf einem Namensschild unter einer Marke mit einer Art Sheriffstern stand „Atlas“.
     Der Schwarze winkte Flo zu sich, die andere Handan einem schweren Schlagstock, der an seinem Gürtel hing. Die respekteinflößende Statur und sein versteinerter Gesichtsausdruck ließen trotz der vermeintlich freundlichen Fassade keinen Zweifel daran, dass der Beamte seine Waffe schnell und effektiv einsetzen würde, wenn es auch nur den geringsten Anlass dazu gäbe.
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