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Wodka mit Grasgeschmack
Verfasser: Markus Mittmann (1)
Verlag: Kiener (1)
VÖ: 20. Mai 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3940)
Seiten: 256
Themen: Dorf (1370), Familien (1626), Reisen (2877), Rückkehr (1217)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Leider existiert für »Wodka mit Grasgeschmack« noch keine Kurzbeschreibung. Wir würden uns freuen, wenn du ein, zwei Sätze verfassen könntest.
Lesermeinungen (3)     Blogger (2)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 21. Januar 2023 um 19:58 Uhr (Schulnote 1):
» Keine schwere Zeit ist vorbei, nur weil sie vergangen ist. (Zitat S. 233)

„Wodka mit Grasgeschmack“ von Markus Wittmann ist – was man aufgrund des Titels wohl nicht vermuten würde – ein Buch, das zum Nachdenken anregt, trotz Tiefe Humorvolles in sich trägt. Für mich entpuppte sich der Roman als das erste Lese-Highlight des Jahres.

Worum geht es?
Zwei Söhne fahren mit ihren Eltern, die nach dem Ersten Weltkrieg aus Schlesien vertrieben wurden, nach Polen, um deren Heimatorte zu besuchen. Viele schmerzhafte Erinnerungen kommen hoch, und die Söhne erfahren Erlebnisse der Eltern, von denen diese noch nie erzählt haben.

Das Cover ist ansprechend, wirkt frisch und fröhlich. Man würde nie vermuten, welche Ernsthaftigkeit sich dahinter verbirgt. Wobei der Klappentext schon mehr erahnen lässt. Das Buch erschien 2019 und spielt in der nicht näher datierten Gegenwart. Die Kapitel sind angenehm kurz gehalten, mit Überschriften versehen, nicht nur passend zum Inhalt, sondern auch den poetischen Schreibstil unterstreichend. Zwei Komponenten machen diesen Roman zu etwas ganz Besonderem: die bildhafte Erzählweise des Autors und die Thematik, die einen einfach berührt und nachdenklich stimmt.

Markus Wittmann verfügt über eine phänomenale Beobachtungsgabe, einen ausgezeichneten Blick für Details und beschreibt sehr poetisch und atmosphärisch. In einzigartiger Weise verbindet er bei dieser ungewöhnlichen Fahrt die alltäglichen Reiseeindrücke mit den nach und nach aufkommenden Erinnerungsfetzen der Eltern. Da ist einerseits die Leichtigkeit, die Banalität der Vorkommnisse, die bei einem Ausflug, einem Urlaubsaufenthalt geschehen – man sagt Belanglosigkeiten, tankt, geht essen, probiert landläufige Kost, besichtigt Sehenswürdigkeiten, erfährt so manches über die schlesische Kultur, und andererseits tauchen aus dem Unterbewusstsein des Elternpaares erschütternde, grauenhafte und beklemmende Szenen auf, die wiederum zu tiefgründigen Überlegungen führen, inwieweit das Erlebte auch die Nachkommen prägt.

Anfangs irritierten mich die Zeitsprünge ein wenig. Bis ich erkannte, wie authentisch diese Szenen sind. Auch in der Realität vermischen sich die Eindrücke der Gegenwart, wenn man z.B. während einer Autofahrt aus dem Fenster blickt, mit den Gedanken, denen man nachhängt. Nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, mit in diesem VW Beetle zu sitzen, so lebensnah und lebendig sind die Schilderungen. Unwahrscheinlich detailreich und gefühlsstark. Als der Protagonist einen Keks kostete, meinte ich, selber zu spüren, wie zart und köstlich dieser schmeckte. Und das ist nur eine von zahlreichen Stellen in diesem Buch. Es schwingt auch stets ein wenig Tristesse mit hinein, die Trauer um Vergängliches. Das wird sichtbar an zerstörten Städten, die zwar wieder hergestellt wurden, aber deren seinerzeitige Pracht dennoch verloren ging.

Je näher die Familie dem Ziel kommt, desto fühlbarer werden die Emotionen, von denen sie gerüttelt werden. Alles fließt ineinander. Es ist nie zu traurig. Es wechseln erschütternde Szenen, die Gänsehaut verursachen, mit Szenen der Gegenwart, mit Szenen, die Hoffnung aufkeimen lassen, wo Menschlichkeit zutage tritt. Der gastfreundliche Empfang der jetzigen Bewohner des seinerzeitigen Elternhauses des Vaters gab dem Buch auch den Titel „Wodka mit Grasgeschmack“. Unzählige Sätze haben mich beeindruckt. Aber DER Kernsatz für mich war: «Es gibt keine Nationalitäten! Es gibt nur Menschen und einen Himmel über diesen Menschen».

Die Charaktere sind in ihrer Verschiedenheit sehr gut dargestellt. Vater und Mutter reagieren ganz unterschiedlich auf die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit. Der Vater wesentlich emotioneller als die Mutter, deren Überlebensstrategie es war, stets nur nach vorne zu blicken. Bei beiden kommen Erinnerungen hoch, die sie jahrzehntelang verdrängt hatten. Es ist eine schmerzhafte Reise. Verlorenes Glück der Kindheit, Grauen der Flucht, unmenschliche Behandlung, Hunger, Armut, Kälte. Wie die Eltern, so gehen auch die Söhne mit der Situation anders um. Während der eine mit schnoddrigen Bemerkungen den Coolen mimt, stellt der zweite Fragen, beobachtet die Reaktionen seiner Eltern genau und versucht, sich das Gesehene einzuprägen. Er erkennt, dass die Erlebnisse der Vorfahren sich auf die Nachkommen auswirken, dass es wichtig ist, seine Wurzeln zu kennen. Demgemäß bindet er nach der Reise auch seinen Sohn in die Recherchen über die Vergangenheit mit ein.

„Wodka mit Grasgeschmack“ hat mich von Anfang an gepackt, schon allein der Erzählstil hat mich so sehr begeistert. Je mehr ich las, desto faszinierter war ich von der Art und Weise, wie diese doch traurige Thematik mit Leichtigkeit und Humor verpackt wurde. In mir wird dieser Roman noch lange nachhallen, hat mich viel über die eigenen Großeltern und Eltern nachdenken lassen. Sie haben, wie so viele ihrer Generation, nicht viel erzählt. Und leben nicht mehr. Abgesehen von den eigenen Wurzeln, kam man bei dieser Lektüre auch nicht umhin, an den Krieg in der Ukraine zu denken, wo Tausende und Abertausende zurzeit auch vertrieben werden, eine zerstörte Heimat verlassen müssen. Für jeden Krieg wo auch immer passt dieses Zitat: „Wie kann eigentlich jemand vom Gewinnen eines Krieges sprechen? Gewalt kommt immer zurück, trifft jeden und fragt nicht nach Schuld. Es gibt nur Opfer. Und nicht Deutsche, Polen oder Russen erlebten den Krieg, sondern Menschen mit gleichen Empfindungen. Die Welt von Ängsten, Trauer oder Wut kannte auch damals keine Grenzen. In allem lag die Zerstörung. Nur Leid und Verlust.“ (S. 219).

Eine unbedingte Leseempfehlung!«
  21      0        – geschrieben von ErnstH
Kommentar vom 10. Juli 2022 um 10:36 Uhr (Schulnote 6):
» *Eine Reise in die Vergangenheit*
Meine Meinung:

Über den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit wird viel erzählt. Jedoch bietet diese Geschichte weitaus mehr. Ich durfte an einem Familienausflug teilnehmen. In einem quitschgelben VW-Beetle ( Mein Kopf war auf Bentley programmiert. Der Autor möge mir verzeihen!) reist eine vierköpfige Familie nach Polen. Für die Eltern ist es eine Reise nach Schlesien. Für mich war es Neuland. Ich habe die Geschichte von Vertriebenen nun von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.

Der fast 90jährige Vater wird von Emotionen gerade nur so gebeutelt. Hat Angst, den Ort seiner Kindheit zu besuchen. Das Haus, in dem er viele Jahre gelebt hat. Von den Söhnen fährt überwiegend der ältere Sohn. Aus der Sicht des jüngeren begleiten wir die Reise. In Polen angekommen genießt unser Erzähler die leckeren Backwaren, für die Polen so berühmt ist. Der Sprachwitz lockert dieses ernste Thema ungemein auf. Sehr gut gefallen hat mir, wie freundlich die Polen auf die Schlesier reagiert haben. Gastfreundlich und mitfühlend wurde die Familie im Haus des Vaters empfangen. Ohne Vorwürfe was die Deutschen Böses gemacht haben. Vielmehr als Gleichgesinnte, die einst die Hölle durchquert haben. Und so war es ja auch wirklich. Darauf einen Wodka!

Ich glaube daran: Es gibt keine Nationalitäten. Es gibt nur Menschen und einen Himmel über diesen Menschen. (115)

Die Söhne sehen ganz einfach neue Orte. Der Vater sieht die gleichen Orte mit ganz anderen Augen. Sucht nach Erkennen. Sucht nach Gefühlen. Durchlebt stellenweise die Vergangenheit, die ja auch gute Seiten hatte. Ich habe solche Geschichten von meinen Schwiegereltern gehört, die in der Nähe von Breslau (Twardogóra) lebten. Damals hieß der Ort Festenberg. Auch sie waren Vertriebene. Leider muss ich gestehen, dass ich immer nur mit halben Ohr zugehört habe. Dabei hätten wir doch auch mit ihnen einen Ausflug in die Vergangenheit machen können!

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es strahlt Lebensfreude aus. Es enthält für mich eine wichtige Botschaft: Egal was passiert ist. Das Leben geht weiter und kann wundervoll sein. Der Titel *Wodka mit Grasgeschmack* ist irreführend und in meinen Augen unpassend. Ich hätte auf das Buch nicht zugegriffen. Danke Markus Mittmann, dass sie mir das Buch bereit gestellt haben. Ich hätte ansonsten eine wunderbare Geschichte verpasst. Die Polen sind sehr gläubige Menschen. Gerne würde ich dort sämtliche Kirchen besichtigen.
Fazit:

Immer wieder frage ich mich, was dieser verdammte Krieg gebracht haben soll. Für diesen Mist gibt es nur ein polnisches Wort: Kurwa! (Verdammte Scheiße!) Lasst Euch bitte nicht von dem Titel des Buches abschrecken und lest es! Beenden möchte ich meine Besprechung mit einem wunderbaren Zitat von Markus Mittmann:

Vergangenheit ist der falsche Begriff für die Vergangenheit. Je genauer man hinsieht, umso deutlicher erkennt man, wie lebendig sie sich unter uns herumtreibt.

Danke Markus Mittmann. Ich denke, ich werde in naher Zukunft Twardogóra besuchen.«
  10      0        – geschrieben von Giselas Lesehimmel
 
Kommentar vom 12. Juni 2022 um 8:55 Uhr (Schulnote 1):
» Zwei Söhne fahren in einem VW Beatle in die ehemalige Heimat ihrer Eltern. Sie haben seit ihrer Vertreibung an ihre alte Heimat gedacht. Es wird eine Reise in die Vergangenheit. Während die Söhne nach Polen fahren, sind die Eltern nach Schlesien unterwegs. Gemeinsam besuchen sie die Orte der Kindheit ihrer Eltern.

Markus Mittmann hat hier einen sehr interessanten Roman geschrieben. Die Vier reisen in ein fremd gewordenes Land und jeder erzählt aus seiner Sicht.
Immer näher kommen sie der alten Heimat und viel Vergessenes kommt an die Oberfläche.
Dies ist mein erstes Buch, das von Vertriebenen handelt und ich muss sagen, dass es mich sehr berührt hat. Heimatlos sind sie geworden und in ihrer neuen Heimat nie heimisch geworden. Die Ablehnung der Einwohner war deutlich zu spüren.
Gut zum Ausdruck kommen die Gefühle und die Eltern erleben nochmals ihre Vertreibung. Nie haben sie darüber gesprochen und öffnen sich gegenüber ihren Söhnen erstmalig.
Die Sehnsucht nach der alten Heimat hat sie aber nie losgelassen. Der Vater wollte zwar nicht mehr dorthin. Erst im betagten Alter von 90 Jahren willigt er ein, mit seinen Söhnen diese Orte aufzusuchen.

Fazit: Markus Mittmann hat mich mit einem ausgezeichneten Sprachstil begeistert und sensibel auf das Thema aufmerksam gemacht.
Mit verschiedenen Sichtweisen wurde hier eine spannende Zeitgeschichte zum Besten gegeben. Mir erklärt sich jetzt auch durch den Roman, warum diese Generation kaum darüber gesprochen haben. Mich hat das Buch tief berührt und nachdenklich zurückgelassen.
Das Cover und der Titel weisen keinesfalls darauf hin, was für ein emotionaler Roman dahintersteckt.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne«
  12      0        – geschrieben von Helgas Bücherparadies
 
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