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Vasallenmord
Verfasser: Dagmar A. Hansen (1)
Verlag: Eigenverlag (23316)
VÖ: 13. April 2022
Genre: Historischer Roman (5783) und Kriminalroman (9815)
Seiten: 324
Themen: 14. Jahrhundert (174), Aachen (40), Mord (7505), Pilgerreise (54), Schwur (144), Unschuld (439)
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Ein Gelübde gegenüber dem Allmächtigen sollte man nicht auf die lange Bank schieben. Aus Dankbarkeit, die Belagerung der Burg Gripekoven überlebt zu haben, treten die Linnicher Herbergswirtin Edith und ihr Mann Hanno im Herbst 1354 die Pilgerreise nach Aachen an. Sie freuen sich darauf, gemeinsam die berühmte Stadt zu erkunden.
Doch unversehens geraten Edith und Hanno in einen perfiden Mordfall.
Edith muss handeln. Wenn es ihr nicht gelingt, Hannos Unschuld zu beweisen, wird er am Galgen enden.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Dagmar A. Hansen für die Einsendung dieser Leseprobe!
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     Der Wächter nickte und vollführte eine schwungvolle Gebärde, die Hanno und Edith bedeutete, weitergehen zu dürfen. Staunend drehte Edith ihren Kopf, bemerkte Details und versuchte, das große Ganze in sich aufzunehmen. Der Brückengang des Stadttores war gut vier Mann hoch, zinnenbewehrt und wirkte mehr wie eine Burg, denn wie ein Tor. In die Mitte der Wehranlage gelangte kaum ein Sonnenstrahl. Aus dem Torbogen ragte ein ehernes Fallgitter hervor, mehrere Pechnasen konnte Edith ausmachen. Eine mächtige Stadt musste sich gegen mächtige Feinde rüsten.
     Dann endlich betrat sie mit Hanno Aachen. Edith hatte sich diesen erhabenen Moment während ihrer Wanderung bereits ausgemalt. Krönungsstadt. Freie Reichsstadt. Handelsmetropole. Wer Aachen kannte, kannte die Welt. Doch weder erklang eine ohrenbetäubende Fanfare, noch schlug eine Glocke, die diesem Moment eine besondere Feierlichkeit verliehen hätte.
     Das also war sie, die Stadt. Haus an Haus, ein jedes Geschoss kragte ein wenig vor, so sehr, dass die Nachbarn, die sich gegenüber wohnten, einander im dritten Stock die Hände reichen konnten. Rauch lag über den Dächern. Die Neuankömmlinge wurden von zahlreichen, miteinander wetteifernden Verkäufern empfangen. Fette Würste, süße Pasteten, Krapfen, Soleier und noch vieles mehr wurde von zudringlichen Händlern lautstark angepriesen. Die Kaufleute machten gute Geschäfte. Die Garküchen wurden von Hungrigen umlagert, die Gastwirte verkauften aus Fensterläden heraus warme Mahlzeiten. Der Schmortopf mit Biberfleisch duftete verheißungsvoll, die Ausdünstungen ringsum hielten dagegen. So nahe am Tor waren die Tavernen völlig überlaufen. Es gab mehrere erhöhte Balken, die entfernt an sehr schmale Tische erinnerten. Mittels einer Kelle wurde hier Bier in Henkelbecher gefüllt, die zum Schutz vor Diebstahl an Ketten befestigt waren. Edith konnte zwei Innenhöfe ausmachen, in denen richtige Tische und Bänke aufgestellt waren. Die Menschen standen in dichten Trauben um freiwerdende Sitzplätze an, und gewiss würde der eine oder andere später feststellen, dass ihm der Geldbeutel abhanden gekommen war.
     Die Ausfallstraße war auf ganzer Breite gepflastert. Schwer beladene Fuhrwerke hatten im Lauf der Zeit tiefe Spuren in der Fahrbahn hinterlassen. Die flankierenden Häuser standen in einem bunten Gemisch dicht gedrängt: zweigeschossige Steingebäude neben Fachwerkhäusern und Holzkaten, in kurzen Abständen zweigten links oder rechts schmale Gassen ab. Keine zweihundert Schritte nach dem Passieren des Tores, kam Edith zu der Erkenntnis, dass das ganz einfach in der Wegbeschreibung des Wächters durchaus seinen Nutzen verlor, wenn, wie hier geschehen, ein umgestürzter Fischkarren den Weg versperrte. Der glitschige Inhalt zweier Fässer hatte sich auf die Straße ergossen. Der Händler stand mit geballten Fäusten vor dem Schweinebauern, und dieser hatte eine Weidenrute aufgebracht über seinen Kopf erhoben. Die Männer beschimpften einander, während Langfinger zwischen den aufgeregten Schweinen nach den Fischen haschten. Hanno nahm Ediths Hand und deutete auf eine schlammige Gasse. „Wenn wir bei der nächsten Gelegenheit zweimal rechts abbiegen, müssten wir folgerichtig auf die Pontstraße zurückkommen. Von da aus sollte es nicht mehr weit bis zur inneren Stadtmauer sein.“
     Edith rückte den Gurt ihrer Tasche zurecht. „Ansonsten fragen wir nach dem Weg.“
     „In einer fremden Stadt?“
     „In einer fremden Stadt?“, echote sie. „Hanno, natürlich in einer fremden Stadt. In Linnich, zwischen den Fronhöfen, fände ich mich blind zurecht, aber Aachen ist mir völlig unbekannt.“
     „Das meine ich nicht. Hier leben um die fünfundzwanzigtausend Menschen, dazu kommen noch die Besucher. Die Stadt ist ein riesiger Schmelztiegel und längst nicht jeder ist ehrlich. Wenn du schon jemanden nach dem Weg fragen möchtest, sei nicht zu vertrauensselig. So mancher Neuankömmling ist schon in einer Sackgasse gelandet, in der Raubgesindel auf ihn wartete, und im nächsten Moment lag er nackt und mit durchtrennter Kehle in einer Gosse. Du solltest deinen Gästen besser zuhören.“
     „Ich glaube, das hast du eher von Grit. Luik van Leuven sagte, dass es hier ehrliche, freundliche Menschen gebe, herrliche Bauwerke und feines Essen.“ Edith stemmte ihre Hände in die Hüften und schmunzelte. „Wenn ich dich nicht besser kennen würde, könnte ich glauben, dass du es schon bereust, die Reise angetreten zu haben.“
     „Ich bin nur vorsichtig und daran ist nichts falsch.“
     „Natürlich werde ich aufpassen. Ich habe meine nunmehr dreiunddreißig Lebensjahre nicht hinter einem Mehlsack verbracht. Aber, um der Wahrheit genüge zu tun, macht mir das Gewimmel schon ein wenig Angst“, fuhr Edith ihrem Mann versöhnlich ins Wort. „Lass uns zusehen, dass wir diesen Erbsentopf finden. Wir folgen einfach den Menschen, dann werden wir schon am Markt auskommen. Oder auf einer der breiteren Straßen.“
     „Wenn wir uns aus den Augen verlieren, wie sollen wir einander hier jemals wiederfinden?“ fragte Hanno und betrachtete genervt seine Holzschuhe, die fast bis zur Hälfte im Matsch versunken waren.
     Edith dachte nach. „Wir gehen zu dem Punkt zurück, an dem wir zuletzt miteinander gesprochen haben und warten dort aufeinander.“
     Ganz so einfach war es nun doch nicht, sich in dem Gewirr aus Gassen und Gässchen zurechtzufinden. Ein kleiner Pfad, der in die richtige Richtung geführt hätte, stank derart nach Schlachtabfällen, dass Edith sich weigerte, auch nur einen Fuß hineinzusetzen. Also gingen sie weiter. Um eine zwielichtige Männergruppe machten sie einen Bogen, ebenso um einen Bettler, der die Leute an ihren Ärmeln festhielt.
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