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Elf Tage und ein Jahr
Verfasser: Marianne Nolde (1)
Verlag: Pinguletta (13)
VÖ: 5. März 2022
Genre: Biografie (1889)
Seiten: 270 (Kindle Edition), 232 (Taschenbuch-Version)
Themen: Abschied (120), Mütter (949), Sterben (226), Töchter (706), Tod (1247)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Marianne Nolde gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Also ich erinnerte mich sehr gut daran, ich war nämlich mal dabei gewesen und musste jetzt schmunzeln. Was war ich damals froh gewesen, als mir klar wurde, dass das Pflegepersonal hin und wieder mit der Sturheit meiner Mutter ähnlich überfordert war wie ich früher. Manchmal verzweifelte ich regelrecht daran, dass die besten Argumente nichts wert waren, wenn meine Mutter von etwas wirklich überzeugt war. Dann musste es auch ganz genauso sein, wie sie es sich in den Kopf gesetzt hatte, anders ging es nicht. Meine sonst oft so gutmütige und hilfsbereite Mutter ließ in solchen Momenten nicht mehr mit sich reden. Ich stand hilflos davor, und je hilfloser ich war, umso wütender wurde ich. Und je wütender ich wurde, umso mehr hatte ich das ungute Gefühl, dass das auch nicht in Ordnung wäre und ich irgendwie überreagierte.
     Und nun stellte ich fest: Das ging auch anderen so. Es lag nicht nur an meiner persönlichen Beschränktheit. Das konnte einen schon aus der Fassung bringen. Ich war wirklich erleichtert.
     Die jetzt so beliebte Pflegerin hatte ihr damals in Notwehr deutlich ihre Meinung gesagt, auch wenn meine Mutter sie nicht hatte hören wollen und nur ein bisschen bockig vor sich hingeschaut hatte. Aber zum Glück war sie nicht besonders nachtragend. Oft hatte sie Streitigkeiten schnell wieder vergessen und war gern bereit, miteinander da weiterzumachen, wo man vor dem Streit gestanden hatte. Hier war das offenbar auch so gewesen, denn immerhin war dieselbe Person jetzt zu ihrer Lieblingspflegekraft aufgestiegen.
     Über Mutters Gesicht huschte ein Grinsen. Wer weiß, ob sie sich erinnert hatte, auf jeden Fall wirkte sie nun ziemlich wach. Nach der Umlagerungsprozedur, für die noch Unterstützung kam, blieben wir allein zurück.
     Meine Mutter freute sich offensichtlich, mich zu sehen, und nahm die getränkten Schaumstoff-Lollis gern von mir an. Bis ihr wieder einfiel, dass sie doch lieber aus der Schnabeltasse trinken wollte. Wenn schon, denn schon.
     Dadurch gestärkt kam sie auf das Thema vom Vortag zu sprechen: »Krankenkommunion.« Sie brauche die Krankenkommunion.
     »Die hast du gestern schon bekommen«, erinnerte ich sie, aber meine Mutter war nicht überzeugt.
     »Nein, die habe ich noch nicht bekommen. Ich brauche die noch, die Krankenkommunion.« Ich erklärte ihr, dass der AltenheimPastor abends noch bei ihr gewesen war und wir uns zu dritt, mit Daniel, die Hostie geteilt hatten. Meine Mutter schaute sehr skeptisch. Sie verdächtigte mich vermutlich, dass ich sie anschwindelte, auch wenn sie sich keinen Reim darauf machen konnte, was ich damit bezweckte.
     Aber im Moment war sie zu weiteren Diskussionen nicht fähig. Ermattet ließ sie ihre Augen zufallen. Das war jetzt viel Beschäftigung auf einmal gewesen. Sie ruhte.
     Das war ein neues, mir unbekanntes Tempo. So angenehm geruhsam. Eigentlich war Mutter eher der ›Katastrophentyp‹ gewesen. Immer gab es irgendeine aufregende Katastrophe selbst zu erleben, zu berichten oder zu bestaunen. Ich kenne niemanden, der das Wort ›Katastrophe‹ so oft benutzt hat wie sie. Jetzt war alles so gemächlich. Sie würde bald sterben, und das war nun offenbar so gar keine Katastrophe. Ich staunte. Entweder es fehlte ihr die Kraft oder die Bereitschaft, sich aufzubäumen. Ob das halbe Jahr Warten auf das Ereignis die Vorbereitung gewesen war, die jetzt von Vorteil war?
     Es klopfte an der Tür, Daniel war gekommen. Ohne seine Frau, die es sich bis zuletzt überlegt hatte, aber die ihre Angst vor dem Sterben nicht hatte bändigen können. Jedenfalls jetzt noch nicht. Daniel begrüßte seine Oma, die vorsichtig ein Auge öffnete, und setzte sich an den Platz vom Vortag. Ich fühlte mich so behaglich. Wie schön hier mit ihm zu sitzen.
     Als meine Mutter so richtig realisiert hatte, dass Daniel jetzt auch da war, witterte sie erneut ihre Chance.
     »Krankenkommunion«, wiederholte sie mit aller ihr noch zu Gebot stehenden Entschlossenheit. »Krankenkommunion.«
     Sie hatte offenbar keinerlei Erinnerung an gestern. Dement war sie nie gewesen, nicht im Ansatz. Geistig hatte sie alles immer noch voll überblickt, nur der Körper machte einfach nicht mehr so mit. Jetzt schien sie die passende Stelle im Gehirn nicht finden zu können, an der dieser Moment von gestern Abend untergebracht war, bei dem ich solche Gänsehaut bekommen hatte. Das war auch neu, noch so ein erstes Mal.
     Ich erklärte Daniel, dass ich sie nicht davon hatte überzeugen können, dass sie die lebens- oder vielmehr sterbenswichtige Krankenkommunion gestern bekommen hatte. Mit seiner kräftigen, ruhigen Stimme wiederholte der Enkel noch mal all das, was ich auch schon vorgebracht hatte, aber auf Anhieb wich ihre Skepsis nicht. Immerhin schafften wir es schließlich gemeinsam, mit jedem neuerlichen Durchgang unseres immer gleichen Berichts, dass sie sich beruhigte, und am Ende schien sie uns zu glauben. Sie ließ das Thema fallen. Ich weiß nicht, ob wir sie überzeugt haben, aber jedenfalls schien sie diese Sorge ab da nicht mehr zu quälen.
     Es dauerte nicht lange, bis mein Mann dazu kam, der den Wochenendeinkauf übernommen hatte.
     Das Familienwochenende konnte seinen Lauf nehmen. Am frühen Nachmittag war auch mit David zu rechnen, der aus der Schweiz anreisen wollte, mit Zwischenlandung in Hamburg, dann von Düsseldorf aus mit dem Zug und den Rest als Fußweg. Mutter freute sich, das zu hören. Die Familie würde heute zusammenkommen.
     Meine Mutter war immer ein Familienmensch gewesen. Sie stammte aus einer großen Familie, die zusammenhielt und für sie so wichtig war, und sie hätte gern selbst mit meinem Vater eine größere Familie gehabt. Das hatte leider nicht geklappt, aber wenigstens ihre kleine Familie würde sich heute um sie versammeln.
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