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Elf Tage und ein Jahr
Verfasser: Marianne Nolde (1)
Verlag: Pinguletta (13)
VÖ: 5. März 2022
Genre: Biografie (1892)
Seiten: 270 (Kindle Edition), 232 (Taschenbuch-Version)
Themen: Abschied (120), Mütter (952), Sterben (227), Töchter (711), Tod (1247)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Marianne Nolde gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Bei meiner Mutter war da vom ersten Moment an nur Zustimmung. Phasen des Haderns hatte sie anscheinend alle viel früher durchgemacht, weil sie andauernde Einschränkungen durch Krankheit nicht wahrhaben oder akzeptieren wollte. Als das Sterben anstand, gab es all diese Auflehnung nicht mehr. Es ging ja schließlich um etwas, das sie sich so lange gewünscht hatte. Und auch als es dann akut wurde, rückte sie nicht davon ab. Da war kein Zweifel spürbar und kein Wunsch, noch irgendetwas vorab zu erledigen, abgesehen von der Krankenkommunion zu Beginn, die sie bekommen hatte, und der Sicherstellung ihres letzten Geldes für ihre Familie.
     Die Gäste, die sich an ihrem Sterbebett heute eingefunden hatten, bekamen Kaffee, der uns vom Haus vorbeigebracht worden war, und Kekse gab es auch noch reichlich. Meine Mutter nahm ihren Nachmittagskaffee zu sich und war nun wieder fit für eine kleine Ansprache vor einer größeren Zuhörerschar. Sie nahm ihre Danksagungen wieder auf, mit denen sie schon mehrfach begonnen hatte.
     Es erinnerte mich an die Erzählungen über das Sterben meiner Oma, die morgens darum gebeten hatte, dass alle Kinder kommen sollten. Nach der Arbeit würde reichen, es war nicht Omas Art, Umstände zu machen. Als alle sechs Kinder samt Schwiegerkindern eingetroffen waren, soll Oma sich bei jedem Einzelnen bedankt haben und dann in ihrem Beisein friedlich eingeschlafen sein.
     Das war heute Mutters Programmpunkt. »Ich bedanke mich bei meinem Schwiegersohn, der die Maria aufgehängt hat und damit die Familie zusammengebracht hat.« Es folgten Danksagungen an die Enkel, aber immer wieder schnurrte die Litanei zurück zu dem Dank an den wunderbaren Schwiegersohn, der mit seiner Heldentat die Familie gerettet hatte. Mir fiel auf, dass ich in der Dankesrede den ganzen Tag über nicht vorkam.
     Vielleicht gab es doch noch ein paar unausgesprochene Sachen, die im Wege standen. Einen kleinen Stich gab mir das schon. Aber die ganze Atmosphäre war so entspannt und harmonisch, dass ich mir schließlich lächelnd dachte: Alle diese wunderbaren Männer waren durch mich in ihr Leben gekommen, wenn das mal kein Kompliment war. Man kann die Dinge halt oft aus verschiedenen Warten sehen, und wenn es eine gibt, die wohltuender ist als die andere, warum dann nicht die nehmen?
     Der Schwiegersohn mit der Maria blieb der Running Gag des Tages, auch nachdem die Cousinen wieder gegangen waren. Da mein Mann von uns allen derjenige ist, der mit übermäßigem Lob die meisten Probleme hat, entbehrte die Situation nicht der Komik. Manchmal kam meine Mutter nicht mal bis zur Danksagung an den jüngeren Enkel, schon begann wieder die Schleife mit dem Schwiegersohn.
     Schließlich saßen wir alle nur noch lachend und glucksend ums Bett, während Daniel zu seinem Stiefvater sagte: »Ja, da musst du jetzt durch.«
     Meine Mutter erinnerte sich wieder an das leidige Geldthema. Nachdem sie zum x-ten Mal enttäuscht zur Kenntnis genommen hatte, dass immer noch Samstag war, fiel ihr ein, dass sie noch Geld in einer Weste im Schrank hätte. Sie gab genaue Anweisungen, mit deren Hilfe tatsächlich in einer Tasche der beschriebenen Weste ein Fünfeuroschein gefunden wurde. Endlich kamen wir der Klärung des Finanziellen näher. Meine Mutter war sichtlich zufrieden. Dieses Geld sollten die Enkel an sich nehmen.
     Es fiel der Beschluss, dass sie sich dafür in der Cafeteria Kuchen holen würden. Ein letztes Mal versorgte Oma, die dafür immer so gern zuständig gewesen war, ihre Enkel, die nun mit ihren Kuchentellern bei ihr am Bett saßen.
     Ich selbst war früher ein Ausfall in Sachen Backen gewesen. Erst als wir schließlich auf dem Land lebten, entdeckte ich spätberufen noch das Backen und verarbeitete Pflaumen und Äpfel von den eigenen Obstbäumen blechweise zu Obstkuchen. Was nicht direkt verzehrt werden konnte, lagerte wie früher bei meiner Mutter in der Tiefkühltruhe und hielt bis zur neuen Obsternte vor.

Als die Kinder klein waren, war ich davon noch weit entfernt. Geburtstagskuchen für die Kinder stellte damals die Oma. Sie konnte viele sehr leckere Kuchen backen, für diesen Zweck musste es aber immer der Schokoladenkuchen mit gehackten Nüssen und grob gehackten Schokoladenstücken sein. Und natürlich Geburtstagskerzen obendrauf. Der Kuchen wurde zu ihrer Spezialität und gewann mit der Zeit an Höhe. Sie kam auf die Idee, ihn um eine zweite Etage zu ergänzen, auf die die Geburtstagskerzen kamen. Zeitweilig, als die Kinder noch jünger waren, gab es eine Phase mit einer Verzierung des Geburtstagskuchens aus bunten Smarties, später wechselte sie zu dezenteren Schokotalern.
     Oma nahm noch einmal einen Kontrollgang durch die Familie vor. Nachdem das Schicksal des Hauses abgehakt war, ließ sie sich erklären, was ihre Enkel jetzt beruflich genau machen würden.
     »Viel Glück, David«, grinste Daniel. Von theoretischer Physik hatte die Oma in ihrer Volksschulzeit noch nie etwas gehört, aber die Erklärungen des Enkels fielen offensichtlich zu ihrer Zufriedenheit aus. Sie speicherte ab: Die Enkel, die sie mitbetreut hatte, waren beide in Lohn und Brot, und sie musste sich keine Sorgen um sie machen.
     Während wir so dasaßen und meine Mutter von all ihren Besonderheiten kleine Kostproben gab, und das so verblüffend undramatisch, als ob Sterben eine Selbstverständlichkeit wäre, kamen wir ins Geschichtenerzählen.
     Weißt du noch? Was da und da genau passiert ist? Und was für lustige Wortschöpfungen Oma doch immer kreiert hat? Wenn der ›Revisor‹ fürs Fernsehen, wie sie den Receiver nannte, mal wieder nicht funktionierte und der große Enkel ihn neu programmieren musste, oder wenn sie zur Agave-Feier ins Pfarrheim ging. Sie war ja nun mal Gartennärrin und Agaven gediehen bei ihr wie jede andere Pflanze sehr gut. Agavenpflanze und Agape-Feier im Pfarrheim nach der Abendmesse vermischten sich bei ihr ganz zwanglos.
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