Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
47.390 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »Beate-Margarete«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
 
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
Elf Tage und ein Jahr
Verfasser: Marianne Nolde (1)
Verlag: Pinguletta (14)
VÖ: 5. März 2022
Genre: Biografie (1904)
Seiten: 270 (Kindle Edition), 232 (Taschenbuch-Version)
Themen: Abschied (121), Mütter (960), Sterben (228), Töchter (718), Tod (1254)
Werbung: Offizielle Buchvorstellung anzeigen
BLOGGERNOTE DES BUCHS
noch nicht bewertet
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Leider existiert für »Elf Tage und ein Jahr« noch keine Kurzbeschreibung. Wir würden uns freuen, wenn du ein, zwei Sätze verfassen könntest.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Marianne Nolde gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Im Gegensatz zu ihrem desolaten Zustand im Krankenhaus blühte sie nun ein bisschen auf.
     Sie, die als Älteste auf dem Bauernhof immer alle Fäden in der Hand gehabt hatte und deren zweiter und dritter Vorname Verantwortung und Kontrolle lauteten, hatte für heute offenbar einen Plan. Obwohl oder gerade weil sie so ersichtlich mit dem nahenden Tod im Reinen war, wollte sie alles noch einmal durchgehen und kontrollieren, ob es auf einem guten Weg sei. Das längst verkaufte Haus, für das wir unser jetziges Wohnhaus gekauft hatten, fiel ihr ein, und sie wollte wissen, wie es um das Haus stehe. Als ich es ihr erklärte, schien sie sich zu erinnern. Das Thema war damit abgehakt, es tauchte nicht wieder auf.
     Im Gegensatz zu einem anderen Thema, das sie zwei Tage lang nicht losließ. »Da ist noch Geld auf meinem Taschengeldkonto. Nicht, dass das da bleibt. Hol das am besten gleich ab.«
     Das war nun am Wochenende nicht möglich, aber ich versprach ihr, es am Montagmorgen sofort als Erstes zu erledigen.
     Mutter war ganz unglücklich. Was für ein Tag denn jetzt sei, wollte sie mit schleppender Stimme und gerunzelter Stirn wissen.
     Samstag.
     Woraufhin sie jede halbe Stunde nachfragte, welchen Tag wir jetzt hätten. Und dann die enttäuschte Reaktion: »Immer noch Samstag?« Sie traute der Sache nicht. In ihrer Not wandte sie sich an ihren Enkel: »Daniel, erinnere du die Mama, die vergisst das.«
     Eigentlich bin ich nicht dafür bekannt, dass ich unzuverlässig im Umgang mit Geld wäre, und meine Mutter hat da früher auch nie irgendwelche Bedenken gehabt. Aber jetzt schien ihr das ein solches Herzensanliegen, dass sie mir in ihrer Not echt leidtat. Beim nächsten Erscheinen einer der vertrauten Pflegerinnen berichtete ich ihr von der Bredouille meiner Mutter, und sie gab daraufhin ihr Bestes, sie zu beruhigen. Ihre Tochter werde auf jeden Fall das Taschengeld bekommen, da brauche sie sich ganz bestimmt keine Sorgen machen.
     Mutter sah ein, dass sie an dieser Stelle nicht weiterkommen würde. Notgedrungen wandte sie sich einem anderen Thema zu. Sie wollte wissen, wo denn ihre Maria sei. Also das von ihrer Mutter als Gobelin gestickte Marienbild, das, seit ich mich erinnern kann, über dem Ehebett gehangen hatte und seit dem Umzug ins Altenheim neben ihrem Pflegebett. Ein Marienkopf unter einem blauen Schleier in einem Sechziger-Jahre-Bilderrahmen. Da ihr Bett umgestellt worden war, konnte sie das Bild nicht mehr sehen und vermisste es.
     Das war nun der Einsatz für den besten aller Schwiegersöhne. Meine Mutter war immer sehr stolz auf ihre Familie, und dazu gehörte natürlich auch mein Mann. Mit einer Freundin befand sie sich geradezu in einem Wettbewerb darüber, wer den besseren Schwiegersohn hätte; beide Frauen waren von ihrem eigenen sehr überzeugt. Meine Mutter musste zwar zugeben, dass der andere Schwiegersohn auch sehr patent war, aber insgeheim war sie doch davon überzeugt, dass sie es schwiegersohnmäßig am besten getroffen hatte.
     Der mutmaßlich beste Schwiegersohn bot ihr an, das Marienbild an die gegenüberliegende Wand zu hängen, und dann gleich so hoch, dass sie es im Liegen gut sehen könne.
     Das ließ sich auch leicht umsetzen. Denn selbstverständlich hatte meine Mutter vor Jahren Handwerkszeug mit ins Altenheim genommen, da sie doch Selbstständigkeit so liebte, und daher fanden sich Hammer und Nägel in ihrem Nachttisch. Nachdem sie die Position abgesegnet hatte, schlug mein Mann den Nagel in die Wand und hängte das Bild auf. Über das Ergebnis war meine Mutter sichtlich begeistert. So gehörte das. Auch ihr Mann hatte seine letzten Wochen im Pflegebett mit Blick auf ein Madonnenrelief verbracht. Das war Tradition.
     Wir beteten gleich mit ihr einige »Gegrüßet seist du Maria«, gelegentlich unterbrochen durch ein Vaterunser.
     Ich habe nie zuvor so viele traditionelle Gebete gesprochen wie in dieser Zeit am Sterbebett meiner Mutter.

Ich war in der katholischen Kirche aufgewachsen, und das Ursulinen-Gymnasium hatte ich ausgesprochen gern besucht. Eine richtig gute Katholikin ist aus mir trotzdem nicht geworden. Dazu war mein Interesse an der Gemeinsamkeit der Religionen und spirituellen Traditionen viel zu groß, und jede einzelne Religion für sich kam mir ein bisschen eng vor.
     Aber das hier war die Sterbebegleitung für meine Mutter, und zu meinem Erstaunen stellte ich fest, wie sehr ich die traditionellen Gebete plötzlich mochte. Fast wie ein Halteseil, an dem ich mich entlangtasten konnte, wenn ich gerade nicht recht weiter wusste. Eines der Gebete passte im Zweifelsfall immer.
     Meiner Mutter taten die Gebete gut, das war klar. Für sie war die kirchliche Anbindung nicht etwas gewesen, das man formell beibehält, sondern ein wirklich zentraler Wert. Sie machte da nicht nur mit, weil es alle taten, auch wenn das für sie zeitlebens ein wichtiges Argument war. Dass alle das so machen oder dass niemand so unordentliche Rasenkanten hatte wie wir, das waren bei meiner Mutter beliebte Argumente, und ich persönlich konnte diese ›alle‹ und diesen ›niemand‹ irgendwann nicht mehr ausstehen.
     Was die Religion betraf, da hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass meine Mutter ganz fest auf das vertraute, was ihr als ihr Glaube mitgegeben worden war. Daraus hat sie immer wieder Kraft geschöpft. Das ging weit über ihre Anpassung an die Autorität von ›allen‹ oder ›niemandem‹ hinaus.
     Je weniger sie sich aktiv an den Gebeten beteiligen konnte, umso mehr hatte ich das Bedürfnis, es für sie zu tun. Vor allem das Mariengebet habe ich immer wieder laut für sie gesprochen. Wusste ich doch, welche herausragende Rolle gerade die Marienverehrung in ihrem Leben gespielt hatte.
Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2022)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz