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Elf Tage und ein Jahr
Verfasser: Marianne Nolde (1)
Verlag: Pinguletta (14)
VÖ: 5. März 2022
Genre: Biografie (1904)
Seiten: 270 (Kindle Edition), 232 (Taschenbuch-Version)
Themen: Abschied (121), Mütter (960), Sterben (228), Töchter (718), Tod (1254)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Marianne Nolde gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Meine Mutter lag schweigend im Bett, wir saßen weiter jeder auf einer Seite. Auf dem Flur war es nun still. Das einzige Geräusch im Zimmer war das Gluckern im Bauch meiner Mutter.
     Es dauerte eine Weile, bis der Pastor mit der Krankenkommunion zurückkam. Meine Mutter war erfreut.
     Erneut sprach er einen Segen, nahm die Hostie und gab sie mir mit den Worten: »Machen Sie das mal. Ich seh das doch gar nicht.« Also brach ich meiner Mutter ein winziges Stück von der Hostie ab und gab ihr ihre letzte Kommunion in den Mund, während der Pastor vorschlug, dass ich den Rest für meinen Sohn und mich teilen sollte.
     Er konnte nicht wissen, was das für mich bedeutete. Es war einer dieser Gänsehautmomente, in denen Dinge an ihren Platz fallen, die bis dahin ein bisschen wuselig und ungeklärt im eigenen Bewusstsein herumgeschwirrt sind. Hier, am Sterbebett meiner Mutter, fand gerade eine Art Wiedergutmachung statt.
     Als ich vor mehr als fünfundzwanzig Jahren als getrennt lebende Mutter mit neuem Partner und Ex-Mann an meiner Seite diesen Sohn zur Kommunion begleitete, wies mich ein ansonsten sympathischer Geistlicher darauf hin, dass es vielleicht nicht so passend sei, wenn ich mit zur Kommunion gehen würde angesichts meiner bekannten Lebenssituation. Er überließ das allerdings mir, er werde mir die Kommunion nicht verweigern, was er auch nicht tat.

Und nun stand hier ein Pastor und forderte mich auf, nicht nur meiner Mutter ihre letzte Kommunion zu erteilen, sondern dieses letzte Mal gemeinsam mit ihr zu dritt mit eben diesem Sohn zu zelebrieren.
     Wie schön war das denn!
     Meine Mutter ging sehr umsichtig mit ihrem Hostien-Bruchstück um. Sie wartete aufmerksam und andächtig, bis es gut eingespeichelt war, und schluckte es dann beherzt und erfolgreich hinunter. Sie war richtig stolz auf sich.
     Operation geglückt.
     Nach dem Pastor verabschiedete sich auch Daniel bis zum nächsten Tag. Meine Mutter dämmerte in den Schlaf hinüber. Eine Weile saß ich allein bei ihr und genoss die Stille, nur unterbrochen durch die Kaskaden von Glucksern in ihrem Bauch.
     Was für ein Tag heute. Voll und rund. Eine Stimmung von Gelassenheit und Zufriedenheit, die mich selbst verwunderte. Ich mochte das. Meine Mutter strahlte auch nichts anderes aus, als dass alles so sein sollte.
     Ich blieb noch etwas neben ihr sitzen und hing meinen Gedanken nach.
     Schließlich verließ auch ich das mittlerweile dunkle Gebäude, in dem bis auf die Nachtschwester anscheinend alle schliefen. So hatte ich das Haus in all den Jahren noch nie erlebt. Ich kannte es nur tagsüber und voller Leben.
     Ich würde die Nacht in meinem Bett verbringen und morgen früh wiederkommen.


TAG ZWEI
FAMILIENWOCHENENDE


Diesmal hatte ich mir den Wecker gestellt, und nach kurzer Morgentoilette brach ich wieder mit dem Kaffeebecher in der Haltevorrichtung und einem Frühstück auf dem Beifahrersitz ins Altenheim auf. Das Handy hatte ich keinen Moment aus meiner Nähe gelassen. Da es nicht geklingelt hatte, war offenbar keine wesentliche Änderung eingetreten. Trotzdem hätte ich keine Ruhe gehabt, erst mal zu frühstücken. Zeit dafür würde es im Laufe des Vormittags bestimmt noch genug geben.
     Als ich ankam, lag meine Mutter genauso ruhig und friedlich im Bett wie am Vorabend, und ich setzte mich erst einmal still dazu. Sie war im Gegensatz zu mir immer so eine umtriebige Frau gewesen, während ich es manchmal genoss, einfach ruhig dazusitzen und zu mir zu kommen.

Dazu hatten wir gemeinsam eher wenig Gelegenheit gehabt, auch wenn es vor ihrem Umzug ins Altenheim schon manchmal besinnliche Teezeiten in meinen Arbeitspausen gegeben hatte. Im Sommer saßen wir dann mit unserem Tee in der altvertrauten Teekanne meiner Kindheit auf ihrem großen Balkon mit Blick auf den eigenen und die umliegenden Gärten, und über ein neu gebautes Haus hinweg konnten wir bis zur Grundschule sehen, die meine Kinder besucht hatten. Oder es gab Tee in ihrem Wohnzimmer, meine Mutter immer in dem elektrisch verstellbaren Fernsehsessel mit längst defekter Aufstehhilfe, der damals für ihren pflegebedürftigen Mann angeschafft worden war. Sie thronte auf ein paar zusätzlichen Kissen, während ich von einem anderen Sessel aus den Blick durch die bodentiefen Fenster ins Weite hatte. Ich genoss diesen Ausblick.
     Anfangs, als sie noch nicht so pflegebedürftig war, waren meine spontanen Besuche für meine Mutter ein willkommener Anlass, ihre ständige Geschäftigkeit zu unterbrechen. Später musste sie sich wohl oder übel an die Notwendigkeit von Pausen gewöhnen, auch ohne Besuch, aber gern tat sie das nicht, so ohne für sie plausiblen Grund.
     Diese ruhigen Teezeiten mit ihr hatte ich immer mehr zu schätzen gelernt. Nachdem ich anfangs oft die Pausen zu ihr verlegt hatte, damit sie nicht einsam war, wurde schließlich die Aussicht auf unsere kleine persönliche Teezeremonie auch für mich verlockend.
     Und noch mehr genoss ich diese stillen Momente mit ihr hier in den letzten Tagen im Altenheim. Sie hatten für mich einen besonderen Zauber. Ich sah keinen Anlass, meine Mutter aus ihrer Ruhe zu reißen, und setzte mich einfach zu ihr. Frühstückszeit.
     Eine Pflegerin trat ins Zimmer und weckte meine Mutter, sie musste umgelagert werden. Langsam kam sie zu sich, und als sie die aus dem Urlaub zurückgekehrte Frau erkannte, begann sie zu lächeln.
     »Das ist meine liebste Schwester«, erklärte sie glücklich, und die so Gelobte lachte.
     »Können Sie sich noch daran erinnern, was wir anfangs für Kämpfchen miteinander hatten? Bis wir uns so gut verstanden haben wie jetzt? Das haben wir doch wirklich gut hinbekommen«, scherzte sie mit meiner Mutter.
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