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Elf Tage und ein Jahr
Verfasser: Marianne Nolde (1)
Verlag: Pinguletta (14)
VÖ: 5. März 2022
Genre: Biografie (1904)
Seiten: 270 (Kindle Edition), 232 (Taschenbuch-Version)
Themen: Abschied (121), Mütter (960), Sterben (228), Töchter (718), Tod (1254)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Marianne Nolde gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     »Was meinen Sie denn, wie viel Zeit meiner Mutter noch bleibt?«, wollte ich von ihr wissen. »Sprechen wir hier von Tagen, von Wochen oder Monaten?«
     »Monate auf keinen Fall«, sagte die Ärztin entschieden. »Wochen auch nicht«, fügte sie etwas vorsichtiger hinzu.
     »Kann denn meine Mutter nicht direkt wieder zurück ins Altenheim, wenn man medizinisch nichts mehr für sie tun kann? In ihr Zuhause, wo es doch viel schöner für sie und auch für die Besucher ist.«
     »Es kommt darauf an«, meinte die Ärztin, »ob in der Heimeinrichtung die Palliativversorgung geleistet werden kann. Ich werde das klären und wenn es möglich ist, veranlassen wir den Rücktransport.«
     Ich informierte meinen Mann, der beschloss, in der unübersichtlichen Lage in einer Stunde vorbeizukommen. Als Nächstes rief ich meinen älteren Sohn an. Er war gerade in einem Meeting, plante aber sofort die Oma für das Wochenende ein.
     Wenig später meldete er sich noch mal. »Ich werde schon am frühen Nachmittag da sein, damit ich auf der sicheren Seite bin. Ich will mich auf jeden Fall von Oma verabschieden. Das ist mir wichtig.«
     Dem Sohn in der Schweiz schickte ich eine Textnachricht.
     Und sicherheitshalber nahm ich selbst Kontakt mit der Pflegestation meiner Mutter im Altenheim auf.
     »Kein Problem«, hieß es dort. »Der Hausarzt Ihrer Mutter ist
     Palliativarzt, und wir haben ausgebildete Fachkräfte auf der Station.« Die Pflegerin bestärkte mich darin, dass meine Mutter bei ihnen gut aufgehoben wäre.
     Mittlerweile war man in der Klinik zur gleichen Erkenntnis gekommen.
     Beruhigt kehrte ich ins Zimmer meiner Mutter zurück und richtete ihr aus, dass sie noch heute wieder nach Hause zurückgebracht werde. Das nahm sie erleichtert zur Kenntnis. Dass die Ärzte hier nichts mehr für sie tun konnten, schien ihr nur recht zu sein. Sie schloss die Augen und ruhte sich aus. Sie sah jetzt nicht mehr so besorgt aus wie bei meinem Eintreffen, als sie noch nach der Brechschale suchte.
     Eine Krankenschwester kam vorbei und zeigte mir, wie ich ihr mit angefeuchteten Schaumstoffschwämmchen den Mund auswischen könne. Das tat ihr sichtlich gut, denn sie saugte und lutschte daran. Die Übelkeit schien sich gelegt zu haben, meine Mutter wirkte etwas entspannter.
     »Soll ich den Tropf mit der Flüssigkeit abnehmen?«, fragte die Pflegerin. »Das ist Ihrer Entscheidung überlassen. Wegen der Vorsorgevollmacht.«
     Aus der Sterbephase meines Vaters hatte ich in Erinnerung, dass er bis zuletzt Wasser über einen Tropf bekommen hatte, weil es damals hieß, Verdursten sei quälend, und daher werde das empfohlen. Da die Krankenschwester keine Einwände hatte, blieb der Tropf erst mal. Das war jetzt keine vordringliche Frage.
     Während meine Mutter ruhig und zufrieden dalag, kam auch ich langsam zur Besinnung. Es würde jetzt ernst. Ich fühlte mich wie vor einer aufregenden Reise oder einer wichtigen Prüfung. Was jetzt kam, hatte ich schon einmal mit meinem Vater erlebt und in guter Erinnerung behalten. Das gab mir Sicherheit. Und es war das, von dem sich meine Mutter seit einem halben Jahr wünschte, dass es geschehen sollte. Wir würden jetzt gemeinsam ein Abenteuer erleben. So ungefähr fühlte sich das an.
     Der aufgeblähte Bauch meiner Mutter schien seit dem letzten Besuch vor einigen Tagen noch aufgetriebener. Laut hörbar gluckerte es immer wieder darin. Sie sah hochschwanger aus. Nur dass statt eines Babys ein Tumor in ihrem Bauch wohnte.
     Die ältere Frau im Bett nebenan bekam Besuch von ihrer Tochter. Ich fühlte mich an mich selbst in früheren Phasen erinnert. Die Tochter kam zwischen beruflichen Verpflichtungen angehetzt, die Überforderung war ihr anzumerken, und dann hatte sie, wie ich hörte, mittlerweile mit hohem Blutdruck zu kämpfen, kein Wunder. Zwischen Überforderung und schlechtem Gewissen zerdrückt, wie gut ich das kannte.
     Da saß ich nun ruhig am Sterbebett meiner Mutter und hatte Mitgefühl mit der Frau am Nachbarbett, die noch nicht wusste, wie lange ihre schon nicht mehr vorhandenen Kräfte noch tragen müssten. Bei mir wurde das überschaubar.
     Mittlerweile war mein Mann gekommen und setzte sich zu uns. Er war immer gut mit seiner Schwiegermutter ausgekommen. Selbst dann, wenn ich von meiner Mutter genervt war, entdeckte er positive Seiten an ihr, sogar solche, die ich angeblich von ihr hätte. Zum Beispiel Dankbarkeit. Darin war sie tatsächlich ziemlich gut. Das fiel mir erst auf, nachdem er mich darauf aufmerksam gemacht hatte.
     Ich nutzte die Gelegenheit, ein belegtes Brötchen für mich zu erjagen, und wir beschlossen, dass mein Mann erst einmal zu seiner Arbeit zurückkehren könnte. Wir würden unsere Kräfte sinnvoll einteilen müssen.
     Meine Mutter kam wieder zu sich und überblickte offenbar die Situation vollständig. Denn sie äußerte sofort den Wunsch nach der Krankenkommunion. Es war klar, dass sie auf keinen Fall ohne die Sakramente ihrer Kirche sterben wollte. Dafür würde ich mich schon einsetzen.
     Die Krankenschwester hatte jedoch zu vermelden, dass der Krankentransport bereits in einer halben Stunde da sein werde und dass sie in der Zwischenzeit leider nicht schaffen würde, den Krankenhauspfarrer zu holen. Das werde sicherlich das Altenheim regeln können. Meine Mutter gab sich notgedrungen zufrieden. Dass ich ihr den Besuch ihres Enkels in Aussicht stellen konnte, lenkte sie auch etwas ab.
     Wenn ich über eines in dieser Lage froh war, dann über die klaren Ansagen meiner Mutter in den letzten Monaten, wie sie sich ihren Abschied von diesem Leben vorstellte. Ich musste keine schwierigen Entscheidungen für sie treffen, ohne zu wissen, welche Wünsche sie hatte. Was für eine Erleichterung, ich kann das wirklich jedem empfehlen, dass man sich darüber austauscht, mit dem Partner, mit den Kindern oder einer guten Freundin. Und es am besten schriftlich festhält in Form von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
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